Der Horheimer Artur Tibelius lebt seit Juli 2018 in Japan. Der Steuerfachangstelle sagt über seine bisherigen Erlebnisse im Land der Kirschblüten und Samurai: "Man lernt viel Neues und entwickelt seine Persönlichkeit." Zwar habe er schon vor der Reise viel über Land und Leute gelesen, selbst aber am Puls des Leben einer so fremden Kultur zu sein, sei überwältigend. "Besonders die großen Städte Tokio, Kyoto und Kobe bieten jede Menge Superlative", sagt der 26-Jährige.

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Das hat auch seine Schattenseiten. So mancher Ort scheint fast schon aus den Nähten zu platzen und der hohe Plastikverbrauch der Japaner schädigt die Umwelt. "Die Japaner sind sehr höflich, aber schüchtern. Es ist nicht leicht in Kontakt zu kommen", sagt Tibelius, der aber doch einige Einheimische kennen lernen konnte.

Aussicht auf Kyoto vom Daimonjiyama. Bild: Artur Tibelius
Aussicht auf Kyoto vom Daimonjiyama. Bild: Artur Tibelius

"Die Menschen hier sind vorsichtig im Umgang untereinander und sie stehen unter großem Druck", meint Tibelius, der auf die stark wachstumsorientierte Wirtschaft verweist. Über Gefühle zu sprechen, falle vielen Japanern schwer. Positiv sei aber die Ruhe, die viele ausstrahlen und das Leben traditioneller Werte. "Japan ist spirituell und der Gesellschaft liegt viel am Erhalt ihrer Kultur. Da herrscht ein tieferes Bewusstsein, als bei uns in Deutschland", findet Tibelius.

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Der Shimogamo Schrein sowie der Daimojiyama haben ihn beeindruckt. Die achtsame Atmosphäre der Orte habe eine besondere Wirkung. Vom Daimonjiyama aus gibt es eine Plattform mit Aussicht auf Kyoto. Neben den Städten ist er aber vor allem von der Natur und der Landschaft angetan.

Der Shimogamo Schrein in Kyto steht für die achtsame Kultur der Japaner. Bild: Artur Tibelius
Der Shimogamo Schrein in Kyto steht für die achtsame Kultur der Japaner. Bild: Artur Tibelius

Anfangs lebte Tibelius noch in einem eher westlich anmutenden Zimmer, später ließ er sich voll auf die japanische Kultur ein. Von Oktober bis Januar mietete er sich ein Zimmer in japanischem Stil. Reismatten am Boden und niedrige Tische sind charakteristisch. Das japanische Bett, Futon genannt, kommt ohne Gestell aus – "ist aber dennoch sehr gemütlich", so Tibelius.

Artur Tibelius übernachtete einmal in einem Tempel in Koyasan. Bild: Artur Tibelius
Artur Tibelius übernachtete einmal in einem Tempel in Koyasan. Bild: Artur Tibelius

Tempura und Ramen sind seine persönlichen Lieblingsgerichte: "Als Vegetarier hat man eher schlechte Karten, und der Trend nachhaltiger Ernährung ist hier noch nicht angekommen", sagt der Horheimer. Finanziell ist Japan nichts für den schmalen Geldbeutel. "Die Lebenshaltungskosten sind teils höher als in Deutschland. Mit 800 bis 1000 Euro pro Monat muss man rechnen, je nach Anspruch mehr", so Tibelius. Er hatte vor der Reise gespart, sucht sich aber für die letzten Monate seines Aufenthalts Arbeit. Das japanische Arbeitsamt hilft auch den Ausländern bei der Stellensuche. "Ich habe drei Stunden für eine Bewerbung gebraucht", verweist Tibelius auf die Schwierigkeit der japanischen Schriftzeichen.

Das Lichterfest in Kobe gilt als Größtes seiner Art in Japan. Bild: Artur Tibelius
Das Lichterfest in Kobe gilt als Größtes seiner Art in Japan. Bild: Artur Tibelius

Ein Ziel der Reise war es auch, das Sprachniveau zu verbessern. "Durch den alltäglichen Kontakt mit einer Sprache nimmt man eine Menge auf. Das könnte ein einfacher Sprachkurs nie leisten", sagt der 26-Jährige. In den großen Städten komme man zwar mit Englisch zurecht, je kleiner der Ort aber ist, desto eher verliere die Weltsprache ihren Nutzen. "Im Rathaus in Akashi gibt es kein englischsprachiges Personal", so Tibelius, der in Notfällen auf die Hilfe seiner Freundin Yuria Kuroki zurückgreift.

Die Wanderung zum Kya-san führte Artur Tibelius in atemberaubende Landschaften. Bild: Amal Nanavati
Die Wanderung zum Kya-san führte Artur Tibelius in atemberaubende Landschaften. Bild: Amal Nanavati

Wie es nach seiner Rückkehr im Sommer in Deutschland weitergeht, weiß er noch nicht. Vielleicht kehrt er in seinen alten Beruf als Steuerfachangestellter zurück. Ein Studium, etwa der Japanologie, wäre aber auch eine Option.

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