Entspannt sitzt Uwe Deckert vor seinem Laptop im Esszimmer. Manchmal berät er auch hier Menschen, die einen Rentenantrag stellen möchten oder auch jüngere Leute, die sich schlau machen wollen, was die tun sollen, um eine Rentenlücke zu schließen. Seit fast drei Jahrzehnten ist er für die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) als Versichertenberater tätig. „Es ist spannend und erdet einen, wenn man sieht, welche Schicksale es gibt“, sagt Uwe Deckert.

Uwe Deckert bei der Ehrung zur 25-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Versichertenberater in Rentenfragen.
Uwe Deckert bei der Ehrung zur 25-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Versichertenberater in Rentenfragen. | Bild: privat

Der 61-Jährige kann aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. 1980 wechselte der Industriekaufmann von den Aluminiumwerken Wutöschingen zur Deutschen Angestellten Krankrenkasse (DAK). Zehn Jahre später wurde er vom Rentenversicherer BfA (Bundesversicherungsanstalt für Angestellte) der Deutschen Rentenversicherung als Versichertenberater vorgeschlagen. Diese Tätigkeit übt er seither mit einer umzugsbedingten Unterbrechung aus.

  • So läuft eine Beratung ab: „Die Leute rufen mich an, wir machen einen Termin und ich gebe ihnen Hausaufgaben“, erzählt der Wutöschinger. Reichten früher wenige Daten, so sind jetzt Steuernummer, Personalausweis, Bankkarte, Karte der Krankenversicherung und der letzte Auszug der Rentenversicherung notwendig. „Es gibt oft Schwachstellen, wo man etwas nachbessern kann und die zu einer Steigerung der Rente führen können“, erzählt Uwe Deckert. Er berät aber auch junge Menschen, die sich selbstständig machen wollen. „Die müssen 20 Prozent des zu versteuernden Einkommens für die Alterssicherung anlegen“, so sein Rat. Die sogenannte Rentenlücke wird immer stärker zum Thema „Da helfen dann die paar Semester Wirtschaftswissenschaften, wo ich als Ehrenamtlicher ganz neutral einen Tipp geben kann, wie man sie schließen kann“, sagt der Versichertenberater der DRV.
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  • Schicksale und Tragödien: Nicht immer kommen Menschen zu Uwe Deckert, die gesund und fit in die Rente gehen. Einmal musste er zu einem Mann, der von einem Tag auf den anderen ans Bett gefesselt war. „Da kann man sehen, wie schnell sich alles im Leben alles ändern kann.“ Besonders nahe gehen ihm krebskranke Menschen, die einen Antrag stellen – und wohl nicht mehr lange etwas von der Rente haben werden.
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  • Sonderfall Grenzgänger: Sein Gebiet für Beratungen ist groß. Und weil hier viele Grenzgänger leben, die in der Schweiz arbeiten, liegt der Anteil der Beratungen hier bei rund 15 Prozent. Das völlig anders aufgestellte Rentensystem mit der sogenannten zweiten Säule erfordere individuelle Beratung, kein Fall sei wie der andere. Manchmal sei auch Recherche nötig, wenn Menschen aus mehreren Ländern Rente bekommen, berichtet der Berater.
  • Veränderungen: Der Beratungsbedarf habe sich seit Beginn seiner Tätigkeit nicht geändert. Deckert sagt: „Es gibt Tage, da sind es bis zu acht. Pro Monat kommen gut 20 zusammen.“ Er kann sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen 50 Formblätter für einen Antrag handschriftlich auszufüllen waren – regelmäßig kamen Kartons mit neuen Formularen, weil es Änderungen gab. „Heute mache ich alles am Laptop mit einem Programm der Rentenversicherung. Mit wenigen Klicks ist ein Rentenantrag gestellt, nach 30 Tagen werden die Daten automatisch gelöscht.“