Die Pfarrgemeinde Wutöschingen-Degernau feierte das Patrozinium der Maria-Himmelfahrt-Kirche. Hoch über dem Wutachtal ist die Degernauer Bergkirche schon über viele Jahrhunderte hinweg ein weithin sichtbarer Ort des Gebetes und Schutzes. Genaue Altersangaben zur ersten Kirche gibt es nicht. Im Jahre 1157 wurde in der Nachbargemeinde Schwerzen Pfarrei und Kirche erstmals erwähnt. Man vermutet deshalb, dass zu dieser Zeit auch in Degernau an der Stelle des heutigen Gotteshauses schon eine Kirche gestanden haben könnte.

Seit über 300 Jahren prägt die Kirche Maria Himmelfahrt das Erscheinungsbild von Degernau.
Seit über 300 Jahren prägt die Kirche Maria Himmelfahrt das Erscheinungsbild von Degernau. | Bild: Yvonne Würth

Um den Bau des ersten Gotteshauses rankt sich die oft erzählte Legende, dass die Entscheidung über die Wahl des Bauplatzes durch Raben gefällt wurde. Als die Kirche errichtet werden sollte, bildeten sich zwei Parteien; die eine wollte die Kirche im Tal haben, die andere auf dem Berg. Im Tal wurde schon das Fundament gegraben, und die Zimmerleute richteten die Holzbalken. Da trugen Raben Holzspäne auf den Berg und legten sie dort, wo die heutige Kirche steht, turmförmig aufeinander. Die Bauleute sahen darin ein Zeichen Gottes und bauten die Kirche auf die Anhöhe. Vergoldete Holzspäne über der Amphore auf dem Kanzelbaldachin der heutigen Kirche erinnern an den einstigen Fingerzeig Gottes.

Gertrud Stanisch (links) studierte mit einem kleinen, aber feinen Männerchor die Lieder für das Patrozinium ein, darunter die „Mariä Aufnahme in den Himmel.“
Gertrud Stanisch (links) studierte mit einem kleinen, aber feinen Männerchor die Lieder für das Patrozinium ein, darunter die „Mariä Aufnahme in den Himmel.“ | Bild: Yvonne Würth

Historisch belegt ist dagegen die unmittelbare Vorgängerin der heutigen Kirche. Aus einem in Latein verfassten Amtsbuch des Bistums Konstanz geht hervor, dass Degernau 1275 eine eigene Kirche besaß. Sie war wohl viel kleiner als das heutige Gotteshaus, denn als 1876 neue Bodenplatten verlegt wurden, kamen bei der Entfernung des alten Bodens menschliche Skelette und Knochen zum Vorschein. Das Sterbebuch vermerkt: „Bei den drei Altären zeigte sich der ganze Boden hart an der Oberfläche voller menschlicher Gebeine, so dass es scheint, es sei daselbst bis 1713 der Gottesacker gewesen.“

Gotteshaus 1715 geweiht

Der bauliche Zustand dieser Vorgängerkirche verschlechterte sich im Laufe der Zeit so sehr, dass in ihr kein Gottesdienst mehr gefeiert werden konnte. Im Jahre 1711 wurde schließlich die Genehmigung zum Bau der neuen, heutigen Kirche erteilt. Nach drei Jahren Bauzeit der barocken Kirche trotz vieler Geldsorgen konnte das Gotteshaus am 3. Oktober 1715 unter dem Patronat Maria Himmelfahrt geweiht werden.

Kräuterduft im Kirchenraum

Den diesjährigen Festgottesdienst zelebrierte Pfarrer Thomas Mitzkus vor vollem Gotteshaus. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von der Männerschola unter der Leitung von Gertrud Stanisch, an der Orgel agierte Bernhard Krämer. Zu Maria Himmelfahrt gehört auch das Kräuterbuschen binden. Auch dieses Jahr nahmen sich die Degernauer Ministranten unter der Anleitung von Gertrud Stanisch und Maria Schmidt sowie Mitgliedern des Siedlerbundes Wutöschingen einen Tag vor dem Patroziniumstag sich der Bewahrung dieser Tradition an und banden mehr als 40 Kräuterbuschen.

Mindestens sieben Kräuter

In einen Kräuterbüschel gehören mindestens sieben, mittlerweile sogar bis zu 99 Kräuter. In der Mitte des Büschels befindet sich meist die Königskerze oder eine Rose umgeben von zahlreichen Kräutern. Dieser Wohlgeruch der vielen Kräuterbuschen erfüllte den Kirchenraum. Nach dem Gottesdienst konnten die Gottesdienstbesucher die Kräuterbuschen als Schutzsymbol für das eigene Heim gegen einen Spendenbetrag erwerben. Das Degernauer Orga-Team lud im Anschluss an den Patroziniumsgottesdienst noch zu einem gemütlichen Sommer-Grill-Abend neben der Kirche ein.