Gemeinsam mit dem Publikum in der voll besetzten Ofteringer „Klosteschüer“ hat sich Kabarettist Alfred Mittermeier auf die Suche nach dem Paradies gemacht. Völlig frei, ohne Text oder Prompter, zündete er zwei Stunden lang ein Feuerwerk mit beißendem Humor und genialer Rhetorik, teilweise sogar in Gedichtform.

„Ich will da rein“, lautete seine Devise, obwohl er auch nicht weiß, ob es das Paradies wirklich gibt, wo es liegt, und wie man dahin kommt. „Nur die Rosen wachsen nach oben, das Unkraut nach unten.“ Ob es sich mit Paradies und Hölle ähnlich verhält? Wie müssen wir uns eigentlich den jüngsten Tag vorstellen, wenn 60 Milliarden Menschen auf einmal auferstehen und den Kontingenten für den Himmel und die Hölle zugeordnet werden müssen? Die Männer zuerst, dann die Frauen? Der wahrscheinliche Entsetzensschrei der ankommenden Frauen: „Mein Gott, wie sieht‘s denn hier aus!“ Und was passiert, wenn der Tod in einen Streik tritt und den Job an eine Sensenfrau abgibt? „Alles keine Sache des Wissens, sondern eine Frage des Glaubens.“

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Alfred Mittermeier klopft die Verheißungen der Religionen auf die praktischen Aspekte ab, immer mit Blick auf das irdische Jammertal. Warum braucht eine Kirche einen Blitzableiter? Wäre im Zeichen des Umweltschutzes ein Gemüseauflauf nicht besser als ein Lamm? Und was ist mit der miserablen Umweltbilanz des ewigen Lichtes?

Erinnerungen an Mittermeiers Kindheit und Jugend kommen ebenso vor: „Wenn Du nicht brav bist, kommst Du nicht in den Himmel!“ Als Unterstützung fungierte Nikolaus mit der Schreckensgestalt Knecht Ruprecht. Irgendwann merkte das Kind, dass er sprach wie Onkel Erwin und auch die gleiche Alkoholfahne hatte. „Der kann mich gar nicht mitnehmen, hat ja keinen Führerschein mehr. Und wenn ich weg bin, muss Papa sich sein Bier selber aus dem Keller holen“. Und wenn es keine Geschenke gäbe, würde man halt bis Weihnachten warten.

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Damals ging man noch gemeinsam in „Jesus Christ Superstar.“ Wäre heute unmöglich – schon der Elternabend davor wäre „wie mit einem halben Hahn zum Tierarzt zu gehen“. Die Feministinnen würden einwenden, dass keine Apostelinnen darin vorkommen, die Helikopter-Mama bemängelte den fehlenden Parkplatz direkt vor dem Kino, die Kinderpsychologin fände den Film zu brutal und der schwäbische Vater würde fragen „Koschtet des Eintritt?“ Auch erinnert sich der Kabarettist an die Frage des Pfarrers im Firmunterricht: Was musst Du denn als Erstes tun, damit Dir Deine Sünden vergeben werden?“ Seine Antwort: „Sündigen!“

Alfred Mittermeier macht es seinem Publikum nicht einfach. Gesellschaftsfragen und Politik werden beleuchtet. Das satirische Florett richtet sich gegen all die Scharlatane, die ein Paradies auf Erden versprechen. Sagt man einem Politiker: „Du hast Dein Versprechen gebrochen“, bekommt man zur Antwort: „Dann bekommst Du halt ein neues!“ Nur die Grünen waren im Wahlkampf ehrlich: bei uns gibt es einmal pro Woche nur Gemüse, und die Steuern werden erhöht – das Ergebnis: Verlust von 20 Prozent der Wählerschaft. „Ehrlich wie Leggings – die sagen die Wahrheit.“

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Würde ein Bürgermeister aus Geldmangel das Hallenbad schließen wollen, ständen Massen zorniger Rentner vor seiner Tür. Mittermeiers Tipp: dann soll er doch lieber den Friedhof schließen… Und dann ist da noch der Brief einer Anwaltskanzlei, die ihm eine Millionenerbschaft verspricht, wenn er 3000 Dollar auf ihr Konto überweist. Eine Frage von Treu und Glauben. Er könnte die Millionenerbschaft gut gebrauchen, um den Chauffeur auf dem „Highway To Hell“ zu bestechen und eventuell auch den Türsteher an der Pforte zum Paradies, also bezahlt er – aus Angst, ein Halleluja allein oder ein paar Referenzen aus den Beichten der Kindertage könnten vielleicht doch nicht reichen.

„Die glücklichsten Augenblicke im Leben sind die, wenn man sich kranklacht.“ Wenn dieses Credo von Alfred Mittermeier zutrifft, dann verließen nur glückliche Menschen die „Klosterschüer“ nach einem fantastischen Abend.