Einen besseren Beitrag zum Weltfrauentag hätte der Kulturring Wutöschingen nicht leisten können: Ariane Müller und Julia Gámez Martin, besser bekannt unter „Suchtpotenzial“, mischten die Klosterschüer auf unter dem Motto „Braves Damenkabarett war gestern – unwiderstehlicher Charme trifft auf gnadenlosen Humor“.

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Die beiden Vollblutmusikerinnen begeisterten mit ihrem neuen Programm „Eskalatiooon!“ das Publikum in der voll besetzen Klosterschüer. Der Kontakt zu den Zuhörern war sofort da, als die beiden Damen ihre Zuneigung zu Wutöschingen glaubhaft darstellten: sie hatten im Internet recherchiert, hätten eigentlich einen kleineren Ort als Wutöschingen bevorzugt, einen mit grünem Ortsschild, nicht so urban, international; sie seien aber inzwischen total begeistert von dem Ort – allerdings noch auf der Suche nach der dortigen Partymeile.

Passender Übergang zum ersten Thema: Landliebe. „Ich will ’nen Bauer mit der Mistgabel in der Hand“ war der erste Songtitel, dessen genauere Beschreibung der Vorzüge dieses Vollblutmannes schon erahnen ließ, warum das Duo die angebliche Kita-Tour absagen musste.

Sex, Drugs and Rock'n'Roll

Dann ging es humorvoll zurück in die Hippie-Zeit. „Wer es nicht mehr weiß, war wirklich dabei!“ Wandergitarre, Lagerfeuer, Mundharmonika, Woodstock, Kommunen, Sex, Drugs and Rock’n Roll – all das wurde unter vollem Körpereinsatz in Jimmy-Hendrix-Manier erlebbar gemacht und mit Blütenkranz im Haar umgesetzt. Im Gegensatz dazu die heutige Hipster-Szene in Berlin-Mitte: Verkleidung auf der Bühne mit markigen Sprüchen – Trend zur Vollglatze mit buschigen Augenbrauen, Vollbart plus Brille als intellektueller Anspruch, dazu der Song für coole Hipster über Matetee, Instagram, Jutebeutel, Granola, und Kokosöl.

Schwäbisch als Selbstverteidigung?

Es folgten herrliche Exkursionen in amouröse Erlebnisse mit Franzosen, die alle im Aus endeten – und das in französischem Deutsch, das kein Augen trocken ließ. Oder die Qualifizierung des Schwäbischen als Selbstverteidigungsform gegen sexuelle Belästigung, da mit diesem Dialekt jeder in die Flucht geschlagen werde.

Neue Überraschung: Julia im Prinzessinnenkostüm, schwelgend in Erinnerungen an ihre Kindheit, allerdings mit üblem Nachgeschmack: „Vielen Dank, Disney, für die Scheiß-Illusionen, hätte ich lieber Pornos geguckt.“ Nachträglich sieht sie Alice im Wunderland mit LSD und Schneewittchen im Zwergenbordell.

Nach einem Ausflug in die Modewelt das Thema Nummer eins im Frauenkabarett: Männer. Dazu ein Protestlied gegen Bevormundung: „Schlabberlook und Jogginghose, dazu ein Bierchen aus der Dose, rumlaufen wie ein Penner, das ist Emanzipation.“

Steuerbescheid in Liedform

Am Ende der Show kamen die beiden Musik-Komödiantinnen auf eine neue Jobidee: schlechte Nachrichten musikalisch überbringen. An den Beispielen Arztdiagnose, Schwangerschaftstest, Steuerbescheid und Scheidung präsentierten sie einen Eindruck von ihrem neuen Angebot, das sie natürlich als Erstes den Wutöschingern machten.

Frenetischer Applaus folgte dieser durch und durch gelungenen Vorstellung, die genau das erreicht hat, was sie im Flyer versprochen hatte: „Suchtpotenzial lädt das Publikum zur gemeinsamen Eskalation ein.“