Aufgeregt laufen Mädchen und Jungen in der Auwiesenschule umher. Sie wollen endlich weiterarbeiten an ihren Kunstwerken, schließlich sollen sie an diesem Tag fertig werden. Der Musiksaal wurde an zehn Nachmittagen in den vergangenen Wochen zum Atelier der jungen Künstler.

Jeweils 20 Schüler der dritten und vierten Klassen waren am Projekt „Große fliegende Meeresbewohner“ beteiligt. Schulleiterin Marion Strittmatter zeigt sich begeistert, weil die Kinder von Anfang bis zum Ende die Objekte mitgestalten konnten: „Alle Kinder sind freiwillig da, einige konnten leider nicht mitmachen, weil sie sich zu spät anmeldeten.“

Lehrerin Karin Bartz (links) mit Hannelore Reinger, eine der Mütter, die das Projekt unterstützten, und Aderson Marques zusammen mit den jungen Künstlern.
Lehrerin Karin Bartz (links) mit Hannelore Reinger, eine der Mütter, die das Projekt unterstützten, und Aderson Marques zusammen mit den jungen Künstlern. | Bild: Gerald Edinger

Die Initiative ging von Lehrerin Karin Bartz aus. Sie kennt den brasilianischen Künstler Aderson Marques aus ihrer Zeit an der Grundschule Grießen. Dort hatte sie mit ihm und Kindern die Schule von außen künstlerisch gestaltet. Für den in der Region auch durch die Schulprojekte im Klettgau, Lauchringen und Wutöschingen bekannten Künstler war es keine Frage, dass er in Horheim dabei ist, wenn Kinder künstlerisch gestalten wollen.

Mit Gelassenheit und Kunstverstand

Wichtig war der Initiatorin, einen männlichen Künstler dafür zu gewinnen, meist würden die Grundschüler nur weibliche Lehrkräfte kennen. Marques ist bewusst, dass Frauen im Leben der Kinder vom Kindergarten bis in die Schule eine große Rolle spielen. „Da ist es wichtig, dass sie in der Schule auch mal eine andere Seite kennenlernen.“

„Mir macht Malen Spaß und zu sehen, wie die Farben sich vermischen.“ Yasmin, Klasse 3a
„Mir macht Malen Spaß und zu sehen, wie die Farben sich vermischen.“ Yasmin, Klasse 3a | Bild: Gerald Edinger

Geschmeidig bewegt sich Aderson Marques durch Kunstobjekte und danebenstehende Kinder. Er vermittelt Gelassenheit: „Langsam und schön“, sagt er und zeigt Yasmin und Tina, wie sie die Farbe mit dem Pinsel auf ihren großen Fisch aufbringen sollen. Und schon stehen die nächsten Kinder bei ihm und wollen seinen Rat.

Schulleiterin Marion Strittmatter ist begeistert, was Aderson Marques mit den Kindern geschaffen hat, hier Nevio (Mitte) und Matei (rechts) mit der Riesenkrake.
Schulleiterin Marion Strittmatter ist begeistert, was Aderson Marques mit den Kindern geschaffen hat, hier Nevio (Mitte) und Matei (rechts) mit der Riesenkrake.

Viele Tipps und eine Engelsgeduld

Geduldig zeigt er, wie aus hellem Blau und Rot die Farbe Lila wird. Robin und Nils erklärt er: „Mehr Farbe und langsam auftragen – wir haben Zeit.“ Ringsum bemalen die Kinder Krabben, eine Robbe, Seesterne und ganz viele Fische in verschiedenen Größen.

„Ich mag alle Meerestiere und es macht Freude, sie selbst anzumalen.“ Tina, Klasse 4a.
„Ich mag alle Meerestiere und es macht Freude, sie selbst anzumalen.“ Tina, Klasse 4a. | Bild: Gerald Edinger

Matei und Nevios gewaltiger Krake mit langen Armen ist eine Herausforderung. „Halte den Pinsel so, dann kannst du die Farbe gleichmäßiger verteilen“, erklärt der Künstler und legt kurz selbst Hand an.

Über Umwege direkt zur Kunst

„Den Schlüssel zu Kindern zu finden ist einfacher als den für Erwachsene. Aber die Balance muss stimmen“, sagt der Künstler. Marques erzählt, wie er zur Kunst kam. Nach Umwegen über Sozialarbeit und als Schreiner, kam er als Zeichner in die Werbebranche. „Dort entdeckte ich meine Liebe zu Farben“, erzählt er.

Ab 1997 war er drei Jahre als Werklehrer in einem Jugendgefängnis tätig, nutzte seine Freiheiten, um mit den Jugendlichen künstlerisch tätig zu werden. 2003 kam er mit seiner Frau nach Köln, sieben Jahre später, als sein Schwiegervater krank wurde, zog er mit seiner Familie nach Grießen, wo er heute lebt. Er gibt auch Malkurse und illustriert Bücher. Mit seiner offenen Art geht er auf Menschen zu, ist begeisterter Guggenmusiker und hat längst in der Kunst seine Erfüllung gefunden.