Ein Buch mit Botschaft: Judence Kayitesi aus ist eine Überlebende des Völkermordes in Ruanda. Mit elf Jahren verlor sie beinahe ihre ganze Familie und um ein Haar auch ihr eigenes Leben. Ihre Biografie, die 25 Jahre nach dem Genozid erscheint, ist für die 36-Jährige, die heute in Wutöschingen lebt, zum einen Therapie und Aufarbeitung eines schweren Traumas, zum anderen möchte sie dem Vergessen entgegenwirken und ihrer ermordeten Familie sowie fast einer Million weiteren Opfern ein Denkmal setzen. Am Dienstag, 12. November, liest Judence Kayitesi im Schloss Tiengen aus ihrer Biografie.

Sie nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise in das kleine afrikanische Land Ruanda, zurück in ihre Kindheit, die sie bis zu ihrem elften Lebensjahr mit ihren Eltern und vier Geschwistern auf einer kleinen Farm in dem Dorf Museke, nahe der Hauptstadt Kigali, verbrachte. Die Familie gehörte der Volksgruppe der Tutsi an und führte ein zufriedenes Leben – bis 1994 etwas Unvorstellbares und Grausames geschieht: Zirka eine Million Menschen, vorwiegend Tutsi, wurden binnen 100 Tagen meist auf bestialische Weise umgebracht.

Judence Kayitesi hat dieses Massaker erlebt und glücklicherweise überlebt. Ob ihre schwere Kopfverletzung oder ihre verwundete Seele Grund dafür waren, dass sie vier Jahre lang nicht sprechen konnte, wusste niemand. Judence Kayitesi kämpfte sich ins Leben zurück, doch ihre Sprachlosigkeit über die schrecklichen Ereignisse hielt noch lange an.

Auch, als sie Ruanda mit 20 Jahren an der Seite ihres deutschen Ehemann verlassen hatte und nach Stationen in Südafrika und Äthiopien nach Deutschland gekommen war, ließ sie die Vergangenheit nicht los. Der Völkermord hatte ihr gesamtes Leben beeinflusst und tut dies heute noch. Und erst jetzt kann sie über ihre Erlebnisse berichten und sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen. „Viele Jahre konnte und wollte ich nicht darüber sprechen, nicht daran zurückdenken“, erzählt die zweifache Mutter, „Doch meine überlebenden Brüder, meine Kinder und auch andere Menschen, die mir nahestehen, fragten immer wieder nach. Irgendwann wurde mir klar, dass ich meine Geschichte erzählen und dokumentieren muss, damit sie für künftige Generationen eine Lehre ist.“

Judence Kayitesi möchte mit ihrem Buch einen Beitrag dazu leisten, dass der Hass nicht immer wieder neue Nahrung findet. Im Rahmen einer Therapie fing sie an ihre Erlebnisse für sich niederzuschreiben und fand später in der Journalistin Claudia Puszkar eine Partnerin, die ihre Geschichte für das Buch aufarbeitete. Unterstützung fand die junge Autorin auch beim Caritasverband Hochrhein, mit dessen finanzieller Unterstützung das Projekt nur möglich war, und dem AbisZ Verlag Friedrichshafen.

Lesung

Der Caritasverband Hochrhein und der AbisZ-Verlag laden in Kooperation mit dem Verein freundeschlosstiengen zur Lesung aus dem Buch „ Ein zerbrochenes Leben“ am Dienstag, 12. November um 19 Uhr in den Schwarzenbergsälen von Schloss Tiengen statt. Der Eintritt ist frei.