„Das Geld des Dorfes dem Dorfe“, lautet der Grundsatz der Volksbank Klettgau-Wutöschingen. Diese Basis soll laut Vorstandsmitglied Roland Rosenberger auch in Zukunft gelten. Neben den Volksbanken Hochrhein und der Volksbank Rhein-Wehra ist die Volksbank Klettgau-Wutöschingen die dritte Genossenschaftsbank im Landkreis, die sich trotz anhaltendem Fusionsdruck wacker hält. Bei der Vertreterversammlung in der Ofteringer Klosterschüer blickte die Bank auf ihr vergangenes Geschäftsjahr zurück und zeigte sich optimistisch sowie mit der Bilanz zufrieden.

Geschäftsanteile im Jubiläumsjahr beliebt bei Kunden

Das 125. Jahr wurde mit Erfolg abgeschlossen. Das Angebot an die Kunden, bis zu zehn Anteile zu je 100 Euro zu erwerben, die im Jubiläumsjahr mit 4,25 Prozent Dividende verzinst werden, kam gut an und erhöhte die Eigenkapitaldecke der Bank auf 61,9 Millionen Euro. Auch das betreute Anlagevolumen der Volksbank Klettgau-Wutöschingen ist um 8,4 Prozent gewachsen. Der Landesdurchschnitt bei den Genossenschaftsbanken liegt mit 5,3 Prozent deutlich darunter.

Warnung vor der rosaroten Brille im Bankwesen

Dennoch warnte der Aufsichtsratsvorsitzende Georg Eble vor einer rosaroten Brille im Bankwesen. „Mich beschleichen gewisse Ängste, dass eigentlich niemand wirklich abschätzen kann, wohin die Reise am Finanzmarkt geht, auch die umfangreichsten Steuerungs- und Prüfsysteme können versagen“, so der Wutöschinger Bürgermeister. Er machte deutlich, was er von den Regulierungsvorschriften und der Geld verschlingenden Bürokratie hält: „Wir Deutsche sind Weltmeister im Dekorieren der Liegestühle auf der Titanic.“

Niedrigzinsphase hält auch Chancen bereit

Rosenberger, Eble und auch Vorstandsmitglied Ekkehard Windler sind sich einig, die Niedrigzinsphase und die damit verbundene Finanzmarktkrise hält auch die Volksbank im Wutach- und Klettgautal weiter in Atem. Doch damit seien auch Chancen verbunden, neue Wege einzuschlagen, die Mut zu außergewöhnlichen Geschäften und neuen Kooperationen erfordern.

Dividende sinkt trotz des guten Ergebnisses

Das positive Bilanzergebnis mit rund 1,26 Millionen Euro hat jedoch nicht zur Folge, dass die Dividende, für die mehr als 77 000 Euro für 11 538 Mitglieder zur Ausschüttung gebracht werden, bei 4,25 Prozent blieb. Für das aktuelle Geschäftsjahr wurde die Verzinsung der Einlagen auf drei Prozent reduziert. „Es tut uns gut, dass auch eine Nachbarbank nun die rosarote Brille ablegte und die Dividende reduzieren musste“, merkte Eble an.

Gewinnmaximierung nicht oberstes Ziel

Mit rund 22 000 Kunden mit zu betreuenden Kundengeldern von 512 Millionen Euro hat die dritte Volksbank im Landkreis Waldshut eine stabile Größe, die auch im Kreditgeschäft mit 7,7 Prozent deutliche Zuwächse verbuchte. „Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir ein leicht rückläufiges Jahresergebnis, wir streben jedoch auch künftig nicht nach der höchsten Rendite und sehen weiterhin vom Investmentbanking ab. Gewinnmaximierung überlassen wir anderen und werden auch keine Negativzinsen berechnen – wir bleiben eine Bank für Menschen“, sagte Rosenberg.

Nach 18 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit im Aufsichtsrat wurden Roland Arzner (Weilheim) und Helmut Schilling (Grießen) mit einer Urkunde vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband geehrt (von links). Jürgen Albrecht, der auch die Bankenprüfungen durchführte, überreichte die Urkunden.
Nach 18 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit im Aufsichtsrat wurden Roland Arzner (Weilheim) und Helmut Schilling (Grießen) mit einer Urkunde vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband geehrt (von links). Jürgen Albrecht, der auch die Bankenprüfungen durchführte, überreichte die Urkunden. | Bild: Heidrun Glaser

Das Ausscheiden zweier Aufsichtsratsmitglieder aus Altersgründen, Helmut Schilling und Roland Arzner, bewog die Versammlung außerdem zu einer Satzungsänderung. Hier war verankert, dass die Altersgrenze für diese Tätigkeit bei 65 Jahren liegt. Nun wurde dieser Passus auf 68 Jahre erhöht. Auch die Anzahl der Aufsichtsratsmitglieder wurde von maximal zwölf auf neun reduziert, da es aufgrund der geforderten Sachkenntnis im Finanzwesen schwer sei, geeignete Personen für dieses Ehrenamt zu finden.