Wutöschingen Der Gemeinderat Wutöschingen gibt grünes Licht für ein Gymnasium bei der Alemannenschule

Wutöschingen will ein eigenes Gymnasium. Die erste Hürde ist mit der Zustimmung des Gemeinderats genommen. Nun folgt ein langer Antragsweg. Die gymnasiale Oberstufe soll an der Gemeinschaftsschule, der Alemannenschule, angegliedert werden.

Der Gemeinderat hat es einstimmig beschlossen: Nach Wutöschingen soll ein Gymnasium kommen. Bereits zum Schuljahr 2018/19 sollte das neue Gymnasium, das direkt an die Gemeinschaftsschule (GMS) der Alemannenschule angegliedert wird, in Betrieb gehen. Dann haben die Schüler des ersten Einstiegszugs der Gemeinschaftsschule die zehnte Klasse beendet und können in die gymnasiale Oberstufe wechseln. "Wir müssen absolut Gas geben und haben keine Minute Zeit zu verlieren", schwor Bürgermeister Georg Eble den Gemeinderat ein, der mit großem Zuspruch hinter der Sache steht.

Dennoch muss die Gemeinde einem langen Antragsweg folgen, damit eine Genehmigung erteilt werden kann. Auch die Schulkonferenz und weitere Schulgremien der Alemannenschule müssen zustimmen. Nach einer Gesprächs- und Vorstellungsrunde des Konzepts in einer Bürgermeisterrunde des östlichen Landkreises bis nach Bonndorf war durchweg Zustimmung zu hören. Tenor ist, dass auch die beiden anderen Gemeinschaftsschulen in Klettgau und Hohentengen/Küssaberg von der Realisierung des Gemeinschaftsschul-Gymnasiums profitieren.

Künftig sollen die Schüler in Wutöschingen auch ins Gymnasium gehen können. Schulleiter Stefan Ruppaner von der Alemannenschule möchte die Tür für ein GMS-Gymnasium aufstoßen.
Künftig sollen die Schüler in Wutöschingen auch ins Gymnasium gehen können. Schulleiter Stefan Ruppaner von der Alemannenschule möchte die Tür für ein GMS-Gymnasium aufstoßen. | Bild: Heidrun Glaser

Für die Realschulen im Einzugsgebiet ist ein Gymnasium nach dem alten G9-Zeitfester eine Alternative zu den beruflichen Gymnasien, die es bislang nur in Waldshut und Singen gibt. Alleine die langen Anfahrtswege für Jugendliche aus dem östlichen Landkreiszipfel und aus dem Hotzenwald schmälern die Übergangsquote aufs Gymnasium und bringen einige Eltern dazu, ihre Kinder nicht dorthin zu schicken. Laut einer Studie des Prognos-Instituts von 2015 liegt der Landkreis Waldshut auf dem letzten Platz in Baden-Württemberg, was Bildung und Fachausbildung betrifft. "Dem müssen wir endlich ein Ende machen und an unsere Kinder denken", sagte Eble mit Nachdruck.

Bildung liege der Gemeinde Wutöschingen am Herzen, sie sei die Basis für das Wachstum und den Wohlstand einer Gemeinde und einer der wichtigsten Standortfaktoren. Deshalb scheut Bürgermeister Eble sich nicht, für den Bau des Gymnasiums einen großen Batzen Geld in die Hand zu nehmen. Geplant wird ein Gebäude für cirka 180 Schüler mit zukunftsorientierten Fachräumen im Gemeinschaftsschulkonzept, das sich an der Alemannenschule als Erfolg erwiesen hat.

Der Lehrplan des allgemeinbildenden Gymnasiums liegt zugrunde mit der Abiturprüfung als Abschluss, die mit dem Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und dem Klettgau-Gymnasium in Tiengen identisch ist. Der Unterschied besteht im Zeitfenster: Das GMS-Abitur wird nach drei Jahren geschrieben, an den allgemeinbildenden Gymnasien im Landkreis nach zwei Jahren. Dem Antrag müssen neben dem Kultusministerium auch der Landkreis und die Stadt Waldshut-Tiengen zustimmen.

"Wir benötigen mindestens 60 Schüler"

Stefan Ruppaner, Schulleiter der Alemannenschule, spricht im Interview über die Zukunftsaussichten für ein Gymnasium.

Herr Ruppaner, seit wann besteht der Wunsch, dass nach Wutöschingen ein Gymnasium kommt?

Ein Gymnasium im Wutachtal anzusiedeln, war bereits 2006 ein Planungsgedanke, weil die Hauptschule wegbrach und wir eine Realschule beantragt hatten, aber nicht genehmigt bekamen. Deshalb setzten wir das Pferd auf ein Gymnasium und waren sogar, was die Genehmigung betraf, recht erfolgreich. Dann gab es einen Regierungswechsel und realisierbar blieb eine Gemeinschaftsschule. Wir hatten sogar die Idee, in Wutöschingen ein privates Gymnasium zu bauen.

Wie sieht das Zeitfenster zur Realisierung aus?

Wir müssen die Realisierung zwingend bis September 2018 vollzogen haben, das heißt, bis dahin muss die Gemeinde bauen, denn dann sind die jetzigen Neuntklässler mit der zehnten Klasse durch und müssen die Möglichkeit haben, direkt im Gymnasium weiterzumachen, um das allgemeinbildende Abi zu erreichen.

Wie viele Schüler benötigt das Gymnasium, um genehmigungsfähig zu sein?

Wir benötigen mindestens 60 Schüler, die wir aber locker zusammen bekommen. Natürlich sind wir auch auf Schulabgänger aus den umliegenden Realschulen und Schulwechsler von den Gymnasien, die nach der neunten Klasse wechseln wollen, angewiesen. Bei uns wird das Abi nach drei, statt wie üblich nach zwei Jahren Vorbereitungszeit geschrieben.

Wie sieht es aus mit den Arbeitsmaterialien für das GMS-Abitur?

Bisher gibt es da bereits einiges aus einer Partnerschule in Hannover, aber sonst werden die Materialien aus dem klassischen Gymnasium verwendet, da das Kurssystem am GMS-Gymnasium gleich ist.

Worin liegt der Unterschied der Sekundarstufe II an der Gemeinschaftsschule zur Sekundarstufe II am allgemeinbildenden Gymnasium?

Der detaillierte Unterschied liegt an der Arbeitsweise und der Lernkultur, wie die Jugendlichen aufs Abitur vorbereitet werden. Es geht uns darum, das optimale Lernumfeld für die Lernenden zu schaffen, die sich selbstständig mit Begleitung der Lehrkräfte, selbstverständlich alles ausgebildete Gymnasiallehrer, auf die Abiprüfung vorbereiten. Bereits jetzt laufen bei uns schon Ausschreibungen für acht offene Stellen. An der GMS wird jedoch bislang kein Latein unterrichtet, dies ist auch als Unterschied zu nennen. Das Kurssystem bleibt auch am GMS-Gymnasium erhalten, wir setzen unseren Fokus aber auf das kooperative, das reziproke und das selbstverantwortliche Lernen, denn damit sind die Abiturienten optimal auf die spätere Phase an den Universitäten und Fachhochschulen vorbereitet, die dort auch selbstständig arbeiten müssen. Ein weiterer Unterschied ist das digitale Lernen, das an der Alemannenschule auch am Gymnasium besonders gefördert werden wird.

Wo soll das künftige Gymnasium seinen Platz finden?

Ziel ist es, im direkten Umfeld der bestehenden Schule einen geeigneten Platz zu finden. (hg)

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