Eine „flotte Achse“ soll die Zugverbindung von Waldshut ins Wutachtal werden. Das streben die Bahnbetriebe Blumberg an, wie Betriebsleiter Christian Brinkmann gegenüber dieser Zeitung erklärte. Allerdings wäre dies ohne die Förderung des Landes nicht möglich, betont er. Geprüft wird nun, ob die Erhöhung der Geschwindigkeit bei den Zügen auf 80 Kilometer pro Stunde möglich ist. Es gibt nun Überlegungen, die Trasse und die Bahnübergänge Stück für Stück technisch zu ertüchtigen, der Übergang in Eggingen soll zum Beispiel eine Lichtsignalanlage erhalten. Wir sprachen mit den Bürgermeistern entlang der Strecke und Lothar Probst, im Landratsamt Waldshut für die Schülerbeförderung und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständig.

Christian Brinkmann ist Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg.
Christian Brinkmann ist Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg. | Bild: Lutz, Bernhard
  • Georg Eble, Bürgermeister von Wutöschingen, erklärt, dass sich die Zubringerzüge zur Sauschwänzlebahn großer Beliebtheit bei Wanderern und Radfahrern erfreuen. Der Gemeinderat habe sich für den Neubau einer vernünftigen Bahnplattform entschlossen. „Das war auch das Startsignal für zusätzliche Zugverbindungen für den Schülerverkehr durch die Deutche Bahn und das Landratsamt“, sagt der Rathauschef. Die Kosten für den Bahnsteig lagen bei 45 000 Euro, zudem wurde in diesem Jahr ein Zuschuss in Höhe von 3000 Euro an die Bahnbetriebe Blumberg überwiesen. Für die Schülerbeförderung entstehen keine laufenden Kosten.
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Die Wiederinbetriebnahme der Wutachtalbahn liege der Gemeinde seit fast 20 Jahren sehr am Herzen. „Den Bahnbetrieben Blumberg haben wir es zu verdanken, dass die Strecke noch intakt ist, die DB AG wollte die Strecke schon vor etwa 15 Jahren stilllegen“, so Eble weiter. Die Investitionen hätten sich gelohnt, die Verbindungen werden jetzt für den Schülerverkehr genutzt, und sie werden auch von Berufspendlern nachgefragt. Wenn die Verbindung bis Stühlingen möglich werde, sieht Eble die Möglichkeit, Schüler zur Realschule zu bringen und von Stühlingen zur Alemannenschule, wo ab dem nächsten Schuljahr die gymnasiale Oberstufe angeboten wird.

  • Karlheinz Gantert, Bürgermeister von Eggingen: Eine längere Wartezeit der Wutachtalbahn in Ofteringen brachte den Bürgermeister auf die Idee, diese Zeit zu nutzen und den Zug bis nach Eggingen fahren zu lassen. Mitte Mai 2014 wurde eine Erprobungsfahrt durchgeführt, die positiv verlief. Gelöst werden musste nur die Verkehrsregelung in der „Hallauer Straße“. Dort kreuzt der Straßenverkehr einen unbeschrankten Bahnübergang ohne Lichtsignalanlage. Die Sicherung wurde von zwei Personen übernommen, die Kosten von jährlich 5000 Euro werden von der Gemeinde getragen, weitere finanzielle Leistungen gebe es nicht.
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„Der Einsatz für die Wutachtalbahn hat sich alleine schon deshalb gelohnt, weil die lange Zeit stillgelegte Bahnstrecke wieder zum Leben erweckt wurde“, betont Gantert. Langfristig sei angedacht, dass neben Wutöschingen auch Eggingen vier Mal täglich angefahren wird. Auch könne es nur von Vorteil sein, wenn der Zug künftig bis nach Stühlingen fährt. Gantert: „Ich finde es einfach genial, dass die Wutachtalbahn wieder aktiv genutzt wird.“ Langfristig wünscht er sich noch mehr Zugverbindungen und eine noch größere Akzeptanz in der Bevölkerung.

  • Joachim Burger, Bürgermeister Stühlingen: Im Rahmen der Bürgermeisterwahl 2017 wurde das Thema Wutachtalbahn angesprochen. Danach sammelte der Stühlinger Rathauschef bei vielen Gesprächen Informationen. Inzwischen hat sich einiges getan: Der Streckenbetreiber stellte für die Realisierung eines Bahnsteigs beim Schulzentrum einen Zuschussantrag für Tourismusförderung in Höhe von 7000 Euro. „Das ist auch eine Förderung des sanften Tourismus, Wanderer und Radfahrer können mit dem Zug an- und abreisen“, sagt Burger.
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Die Stadt würde das Gelände für den Bahnsteig zur Verfügung stellen und hat sich bereit erklärt, Deckungslücken anteilig mitzutragen. Diese Zugverbindung bringe kürzere Fahrzeiten für Schüler und Berufspendler sowie eine Anbindung an das internationale Schienennetz über Waldshut und Basel. „Sobald die Anbindung bis Stühlingen möglich ist, wird es in einem nächsten Schritt darum gehen, die Weiterführung nach Weizen zu betrachten“, erklärt Burger. Dazu seien Gespräche mit Sto-Vertretern zu führen. Dabei werde es darum gehen, den Bedarf zu ermitteln oder auch wieder Gütertransport über die Schiene anzubieten. „Wichtig ist es, Schritt für Schritt die Dinge zu entwickeln und dann zu verbessern“, sagt Joachim Burger.

  • Lothar Probst, der für die Schülerbeförderung und den ÖPNV zuständige Amtsleiter des Landkreises: In der Wiederbelebung der Wutachtalbahn bis Stühlingen sieht auch der für die Schülerbeförderung und den ÖPNV zuständige Amtsleiter des Landkreises, Lothar Probst, Vorteile. Er betont allerdings: „Es darf aber keine Konkurrenz zum bestehenden und gut funktionierenden Linienverkehr mit Bussen der SBG sein.“ Deshalb seinen die Takte von Bus und Wutachtalbahn aufeinander abgestimmt. „Das Potenzial der Wutachtalbahn wird durchaus gesehen, die Bahnübergänge müssen allerdings technisch gesichert werden“, betont Probst.

Möglich sei diese Zugverbindung nur, weil die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg die Züge bereitstellt. Der Fokus liege eindeutig auf der Schülerbeförderung, das Angebot sei aber auch für Wandertouristen und Radfahrer attraktiv. Ziel sei es, Touristen und Berufspendler für die Wutachtalbahn zu gewinnen. Dazu müsse man ausloten, was dafür notwendig sei. Für die Wutachtalbahn zahle der Landkreis derzeit jährlich 10 000 Euro. Erhebliche Investitionen in die Infrastruktur und eventuell ein weiteres Fahrzeug seien notwendig, wenn die Bahn bis Weizen weiterfahren würde, sagt Probst. „Aus Sicht des Landkreises ist das kein Thema.“ Man müsse genauer betrachten, welche Mittel, welchen Nutzen bringen. Das müsse mit der Nahverkehrsgesellschaft ausgelotet werden. Berücksichtigt werden müsse auch, dass Linienbusse die Fahrgäste näher zu ihrem Ziel bringen.

"Fahrgastpotenzial ist genug vorhanden"

Christian Brinkmann ist Leiter der Bahnbetriebe Blumberg. Er möchte mit den Bahnbetrieben der Wutachtalbahn neues Leben einhauchen.

Herr Brinkmann, wie stark ist das Interesse der Bahnbetriebe Blumberg, die Wutachtalbahn für Schüler, eventuell auch Berufspendler, attraktiv zu machen oder die Attraktivität gar zu steigern?

Das Interesse ist sehr groß. Die gesamte Strecke von Lauchringen über Weizen und Blumberg nach Immendingen soll erhalten bleiben, um die Durchgängigkeit der Bahnstrecke von der Hochrheinbahn zur Schwarzwaldbahn für zukünftige Nutzungen zu erhalten. Der Verkehr nimmt in unserer Region zu und es wäre sehr kurzsichtig, diese Option aufzugeben. Gerade im unteren Wutachtal und Richtung Waldshut zeigt sich immer mehr, dass die Straße an ihre Grenzen stößt und nicht beliebig ausbaubar ist.

Wo sehen Sie weiteres Potenzial für diese Bahnstrecke?

Fahrgastpotenzial ist im Tal genug vorhanden, wenn mal durch schrittweise Sanierung der Bahnstrecke akzeptable Reisezeiten entstehen. Wichtig: Der Bus ist erst einmal ÖPNV-Verkehrsträger Nummer eins und eine Ausweitung des Fahrplans der Bahn muss abgestimmt mit dem Busverkehr laufen.

Wie realistisch ist es, die Wutachtalbahn noch mehr zu beleben?

Der Schülerverkehr ist in der ländlichen Gegend schon immer das Standbein des ÖPNV gewesen. Hier wird aus der ländlichen Region mehr und mehr eine Zuzugregion, die eine wachsende Verkehrsnachfrage nach sich zieht. Aus räumlichen sowie Klimagründen kann dies nicht alleine über Lastwagen und Privatfahrzeuge abgewickelt werden. Die Entwicklung eines leistungsfähigen ÖPNV ist da zwingend erforderlich. Hier stehen wir erst am Anfang und werden bereits in wenigen Jahren sehen, dass sich die Belebung der Wutachtalbahn absolut lohnt.

Gibt es Überlegungen, Schüler und Touristen und eventuell Pendler mit dem Zug bis nach Weizen und wieder zurückzu bringen?

Touristen zur Sauschwänzlebahn, Wanderer zum Start des Schluchtensteigs, Mitarbeiter zu Sto, Schüler entlang des Tals, Pendler nach Lauchringen, Tien­gen und Waldshut, Fernreisende zur Hochrheinbahn und weiter nach Singen oder Basel, eine Bahn sollte so universell wie möglich genutzt werden und jedes Fahrgastpotenzial entlang des Tals ist wichtig – auch mit Hilfe einer guten Verknüpfung mit dem Bus.

Ist der Betrieb der Wutachtalbahn finanziell derzeit lukrativ, rechnet sich die Strecke für die Bahnbetriebe in der jetzigen Ausprägung?

Bisher war sie für die Bahnbetriebe Blumberg defizitär und ein Weiterbetrieb gefährdet. Seit diesem Jahr erhalten wir Zuschüsse für die Sanierung, die jedoch auch Eigenmittel erfordert. Eine kleine Ausweitung des Schülerverkehrs seit dem neuen Schuljahr ermöglicht uns bei den laufenden Kosten immerhin mal die Kostendeckung.

Wie viel Geld investieren die Bahnbetriebe Blumberg jährlich in das Projekt rund um die Wutachtalbahn?

Förderung und Eigenleistung haben zusammen ein Volumen von rund 250 000 Euro pro Jahr. Sollen Bahnsteige neu gebaut werden, sind die Kommunen gefordert. So hat die Gemeinde Wutöschingen ihren Bahnsteig weitestgehend selbst finanziert. Die tolle Unterstützung der Gemeinde Wutöschingen hat ohnehin viel zur Initialzündung für die Belebung der Wutachtalbahn beigetragen.

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