Was Markus Grüninger vor kurzem noch befürchtete, hat sich inzwischen als traurige Tatsache erwiesen. Mostobst ist in diesem Jahr großflächig absolute Mangelware. „Landauf landab gibt‘s kein Mostobst. Es ist sogar noch schlimmer, als ich befürchtet hatte“, sagt der Ewattinger Mostereibetreiber auf Nachfrage. „Seit 30 Jahren füllen wir Apfelsaft in Flaschen ab. So etwas habe ich während dieser ganzen Zeit noch nie erlebt.“

Die diesjährige regionale Ernte macht höchstens zehn Prozent des durchschnittlichen Ertrages aus. Die gesamte Menge, die in den vergangenen Wochen in Ewattingen angeliefert wurde, muss die Mosterei in anderen Jahren binnen eines einzelnen Tages bewältigen.

Gepresst wird in der Mosterei demzufolge nur samstags und selbst dort bilden sich im Gegensatz zu anderen Jahren keine Warteschlangen.

Noch bis Ende Oktober läuft die Saftpresse, doch Markus Grüninger erwartet keine signifikante Verbesserung der Situation. Die meisten seiner Kunden liefern mehrmals Äpfel ab, da ja nicht alle Sorten gleichzeitig reif sind. Ausnahmslos hätten diese ihm bisher bestätigt, dass ihre Ernte mehr oder weniger ausfällt und auch die späten Sorten keine höheren Erträge geben werden, schildert er die Situation. Infolge der Trockenheit des Sommers fallen viele Äpfel zudem früher von den Bäumen, noch bevor sie vollständig ausreifen können.

Markus Grüninger wird trotz Notreserven vom Vorjahr erstmals Ware zukaufen müssen. Und viele andere werden auf den köstlichen Saft oder den vergorenen Most verzichten müssen, den ungespritzte Äpfel alter Hochstammsorten aus den Streuobstwiesen unserer Region liefern.

Im Rekorderntejahr 2018 für Mostobst hatte die Mosterei von Markus Grüninger bis Mitte Oktober 400 bis 500 Tonnen Obst angeliefert bekommen. Die Bäume hatten deutlich mehr Obst als in den früheren Jahren getragen. Zum Vergleich: In den Jahren vor 2018 waren es im Oktober lediglich zwischen 100 und 150 Tonnen. Dass gute Ernten gut drei bis vier Mal so hoch ausfallen wie schlechte Ernten ist eine Erfahrung, die Markus Grüninger während der Arbeit in der Mosterei machte.

In guten Jahren mischt und füllt Markus Grüninger alle drei bis vier Wochen mit sieben weiteren Personen 9000 bis 10 000 Liter Saft ab. Es können in der Mosterei rund 1000 Liter pro Stunde abgefüllt werden. Bereits 2018 hatte Markus Grüninger für 2019 mit einer geringeren Ernte gerechnet, da sich die Obstbäume verausgabt hatten. Für die Eigenproduktion kann die Mosterei in Wutach jährlich normalerweise ungefähr 150 Tonnen selbst verarbeiten. Überschüsse werden an größere Mostereien am Bodensee verkauft.