Eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Waldshut ist unter anderem gegen die Stiftungsräte und Pfarrgemeinderäte der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach erstattet worden. Die Mitglieder dieser Gremien befürchteten längst, aufgrund der Aufdeckung finanzieller Unstimmigkeiten in der Kirchengemeinde mit zur Verantwortung gezogen zu werden. Deutlich wurde das auch im Rahmen einer Gesprächsrunde zwischen Vertretern des Pfarrgemeinderats sowie haupt- und ehrenamtlich Mitwirkenden der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach.

Wut und Enttäuschung

Es geht den Pfarrgemeinde- sowie Stiftungsräten bei der Klärung der Angelegenheit nicht allein um eine finanzielle Wiedergutmachung, das wurde bei der Zusammenkunft deutlich. Vielmehr werde ein klares Schuldeingeständnis und ein Zeichen der Reue von denjenigen erwartet, die den Finanzskandal der Gemeinde zu verantworten haben. Viele Ratsmitglieder empfinden Wut, aber auch tiefe Enttäuschung. Eine Anfang Dezember getroffene Übereinkunft zur Klärung der Angelegenheit wurde wenig später – nach Hinzuziehung einer Rechtsanwaltskanzlei – wieder infrage gestellt.

Nach Monaten voller Gerüchte, gegenseitigem Misstrauen und falschen Verdächtigungen waren die meisten der Pfarrgemeinderäte daraufhin nicht länger bereit, auf eine Strafanzeige zu verzichten. Von dieser Absicht nahm man aber wieder Abstand. Man kam überein, dies dem Ordinariat zu überlassen. Das Ordinariat hatte vor dem Hintergrund großer Verunsicherung Unterstützung zugesichert. Vor Ort hatte man allerdings eher den Eindruck, dass die Angelegenheit verharmlost werde.

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Auf Unverständnis bei den Pfarrgemeinderäten stößt überdies die von einem früheren Pfarrer erhobene Behauptung, dass bereits vor dem Jahr 2000 schwarze Kassen bestanden haben sollen, sowohl in Bonndorf als auch Ewattingen. Sämtliche Beträge, die über solche schwarze Kassen vereinnahmt worden seien, seien für die Seelsorgeeinheit verwendet worden. Kritik übte das Gremium auch an der Stühlinger Verrechnungsstelle, die anscheinend über viele Jahre hinweg keinerlei Unstimmigkeiten festgestellt habe.

Einige haben Glaubensprobleme

In der Gesprächsrunde zeigte sich vor allem, wie stark die für die Kirche ehrenamtlich engagierten Frauen und Männer unter den jüngsten Vorkommnissen leiden. So wurden an Weihnachten Gottesdienste in umliegenden Gemeinden besucht, man habe hier keine Heimat mehr, meinte ein Gesprächsteilnehmer. Andere stellten unmissverständlich ihr weiteres Engagement als Lektor oder Kommunionhelfer in Frage.

Man sei am Anschlag und habe richtiggehende Glaubensprobleme. Die jetzige Situation sei nicht mehr tragbar, weder für die Gemeinde, noch für die Laien, die mitwirken. Angesprochen wurde auch die Verantwortung des Bischofs, der sich um seine Priester kümmern müsse. Es fehle an Leitung und brauche einen Neuanfang. Man habe die Hand lange genug ausgestreckt und versucht, diesen Skandal menschlich zu klären, hieß es in der Zusammenkunft.

Pfarrer stehen in Verdacht

Bei aktueller Sachlage stellt sich für viele Katholiken in Bonndorf und Wutach die Frage, ob die im Verdacht stehenden Pfarrer in ihren Ämtern bleiben dürfen. Solange es keine weiteren Erkenntnisse gebe und die Untersuchungen des Sachverhalts andauerten, bestehe seitens des Ordinariats weder Veranlassung noch Notwendigkeit, etwas an den bestehenden Verhältnissen zu ändern, informierte dazu Michael Hertl, Pressesprecher der Erzdiözese. Das Ordinariat stehe der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach weiterhin beratend zur Seite.

Mithilfe beim Neuanfang

Eine Teilzeitstelle im Pfarrbüro der Seelsorgeeinheit soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt neu besetzt werden. Pfarrer Fabian Schneider bringt im jüngsten Pfarrbrief zum Ausdruck, wie sehr er sich wünscht, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Er setze sich mit allen Mitgliedern des Pfarrgemeinderates für die Wiederherstellung von Gerechtigkeit ein. „Es fehlt Geld. Wie viel Geld es ist und was passiert ist, kann noch immer nicht gesagt werden“, schreibt der Leiter der Seelsorgeeinheit. Er bittet die Gläubigen, sich nicht von Wut und Enttäuschung bestimmen zu lassen und so den Glauben zu gefährden. Vielmehr appelliert er daran, bei einem Neuanfang mitzuhelfen und die Kirche mit zu gestalten.