Die Kandidaten für den Gemeinderat Wutach sind hoch motiviert – beim Politiktalk in der Gänsbachhalle in Münchingen präsentierten sie sich den rund 70 Zuhörern zudem bestens informiert. Die gemeinsame Kandidatenvorstellung von CDU und Unabhängiger Wählergemeinschaft Wutach (UWW) bot in diesem Format – mit direkten Vergleichsmöglichkeiten – sicherlich eine gute Entscheidungshilfe für die Kommunalwahl am 26. Mai.

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  • Das Format: Rede und Antwort standen neun Kandidaten der CDU und acht Gemeinderatsbewerber der UWW. Moderiert wurde die politische Talkrunde vom CDU-Ortsverbandschef Joachim Burger und UWW-Sprecher und Kandidat Wolfgang Dornfeld. Beide zeigten sich hocherfreut über die gute Besucherresonanz. Mit so vielen Interessierten hatte man gar nicht gerechnet, es musste nachgestuhlt werden. Nach einer kurzen Erläuterung zum Wahlverfahren und einer informativen persönlichen Vorstellungsrunde aller Kandidaten startete eine Podiumsdiskussion mit den Bewerbern, in der jeweils ein Kandidat von CDU und UWW zu einem Themenbereich Stellung beziehen konnte.

Die Themen

  • Vereine, Ehrenamt, Bürgerinitiative: In den Statements der Kandidaten wurde deutlich, dass das Vereinsleben in Wutach eine wichtige Rolle spielt. Die Unterstützung der Vereine seitens der Kommune wurde im Großen und Ganzen als ausreichend erachtet, ehrenamtliche Arbeit außerhalb der Vereine allerdings könnte besser gewürdigt werden, hieß es. Bürgerinitiativen sind sowohl für CDU als auch UWW gelebte Demokratie. Sie können etwas bewirken und festigen durch die Zusammenarbeit Vieler auch das Gemeinschaftsgefühl. Mehr Transparenz seitens der Gemeinde wurde bei großen Projekten gefordert. Für die Kandidaten ist es wichtig, das Ohr nahe am Bürger zu haben.
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  • Umwelt, Landwirtschaft, Tourismus: Im touristischen Bereich sehen einige Kandidaten durchaus noch Ausbaupotenzial, wichtig wäre es insbesondere, die durch die Schließung etlicher Gasthäuser entstandenen Lücken wieder zu füllen. In welcher Form die Gemeinde hier unterstützend tätig werden könnte, blieb offen. Beim Thema Wald entwickelte sich eine rege Diskussion, wobei sich alle Kandidaten dahingehend äußerten, dass angesichts des Klimawandels ein Umdenken in der Waldwirtschaft notwendig sein wird. Nicht ganz eindeutig war der Tenor zur geplanten Umstellung in der Beförsterung. Wie berichtet, hat die Gemeinde Wutach vor, den Vertrag mit dem Kreisforstamt nicht mehr zu verlängern und eventuell mit eigenem Gemeindeförster zu arbeiten. Wichtig war den Bewerbern eine akzeptable Lösung auch für die Privatwaldbesitzer. Dass die Landwirtschaft in Wutach eine große Rolle spielt, daran hegte niemand Zweifel. Im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Naturschutz habe sich in den vergangenen Jahren mit dem Anlegen von Bienenweiden und Blühstreifen vieles getan.
  • Bauplätze, Gewerbe, Industrie: In allen drei Ortsteilen sollten Bauplätze vorgehalten werden, in Ewattingen wären auch Gewerbeflächen wichtig. In diesen Punkten war man sich eigentlich einig, die amtierenden Räte, die erneut kandidieren, machten in diesem Zusammenhang aber auch deutlich, dass es schwierig ist, Flächen anzubieten, wenn seitens der Grundstücksbesitzer keine Verkaufsbereitschaft da ist. Insgesamt wurde hier ein schlüssiges Konzept gefordert, denn ohne Bauplätze und Gewerbeansiedlungsmöglichkeiten habe Wutach kein Entwicklungspotenzial.
Joachim Burger und Wolfgang Dornfeld (von links) moderierten den Politiktalk.
Joachim Burger und Wolfgang Dornfeld (von links) moderierten den Politiktalk. | Bild: Juliane Kühnemund
  • Infrastruktur, ÖPNV, Breitband: Große Chancen für Wutach sehen die Kandidaten im Breitbandausbau, der auch auf Münchingen und Lembach ausgeweitet werden müsse. Defizite wurden bei den Straßen und beim ÖPNV gesehen. Insbesondere Lembach sei verkehrsmäßig abgehängt und auch bei den Schulbusverbindungen sollte nachjustiert werden. Bei Straßen, Feld- und Waldwegen wurde ein schlüssiges Konzept gewünscht. Und was die anstehende Sanierung der Wutachhalle betrifft, wurde die Planung zwar im Großen und Ganzen begrüßt, Kritik gab es aber von einigen Kandidaten, dass die Hallennutzer und die Bevölkerung zu wenig in den Planungsprozess einbezogen wurden.
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  • Familie, Kindergarten, Schule: Die Gemeinde lässt sich die Kinderbetreuung etliches kosten. Noch größer wird das Defizit, wenn – wie derzeit bundesweit diskutiert – die Elternbeiträge wegfallen würden. Ein für die Eltern kostenloser Kindergartenplatz wäre für die Kandidaten von daher auch nicht unbedingt erstrebenswert. Die Beiträge seien moderat und gestaffelt nach der Zahl der Kinder in einer Familie. Gemessen an den Leistungen, die erbracht werden, seien die Gebühren vertretbar. Mit Kleinkindergruppe und angepassten Öffnungszeiten im Kindergarten sei das Betreuungsangebot in Wutach in Ordnung, auch wenn das Angebot in Einzelfällen nicht ausreichend sei. Allen Familien gerecht zu werden, sei aber eine kaum lösbare Aufgabe. Lob gab es auch für das Konzept der Grundschule. Die Kooperation von Schule und Kindergarten ermögliche den Kindern einen fließenden Übergang. Aber auch hier wurde angesprochen, dass das Konzept des selbstständigen Lernens nicht für jedes Kind passt. Zum Schluss wurde auch noch das generationenübergreifende Wohnen angesprochen, das auch in Wutach immer seltener wird. Wenn Senioren in der Familie bleiben können, sei das immer der bessere Weg, als eine Betreuung im Pflegeheim. Ob die Gemeinde hier Einfluss nehmen kann, und wenn ja – wie, blieb weitgehend offen. Wichtig wäre, eine gute Beratung der pflegenden Angehörigen, hieß es, schließlich seien viele nicht informiert, was ihnen an Unterstützung zustehe.

Gemeinderat wird anders aussehen

  • Die Diskussion: Im Anschluss an die Podiumsdiskussion hatten die Besucher die Gelegenheit, den Kandidaten Fragen zu stellen und dieses Angebot wurde auch reichlich genutzt. Thematisiert wurden gestiegene Betriebskosten beim Hallenbad, die abgelehnte Unterstützung der Nachbarschaftshilfe des Ja-Vereins (Mauchen), die Gefahr, insbesondere für Kinder, durch zu schnelles Fahren in den Orten. Zu Letzterem wurde angeregt, eine Verkehrsschau anzuberaumen. Themen waren ferner der Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit, um verstärkte Synergieeffekte nutzen zu können, und erneut der Wald, der nicht zum Spielball unterschiedlicher Interessen werden dürfe.
  • Das Fazit: Die Kandidaten blieben keine Antworten schuldig, sie zeigten sich bestens vorbereitet – für diesen Polittalk und auch für ein Amt im Kommunalparlament – im Falle ihrer Wahl. Und dass es neue Gesichter im Wutacher Rat geben wird, ist jetzt schon klar, da sich einige amtierende Räte nicht mehr zur Wahl stellen. Insgesamt, dies hatte Joachim Burger eingangs erläutert, gibt es mindestens zehn Sitze im Gemeinderat: sechs Sitze für Ewattingen und jeweils zwei für Lembach und Münchingen. Es könne auch noch zu Überhangmandaten kommen, so Burger. Burger und Dornfeld appellierten nach dem rund dreistündigen Politiktalk: „Gehen Sie zur Wahl.“ Und wer noch nicht genug hatte, der hatte noch bis 24 Uhr Gelegenheit, den Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. (jul)