Dem Wald geht es schlecht. Die Bäume leiden unter Trockenstress, die Käferpopulation nimmt zu, dem Klimawandel geschuldete Hitze- und Trockenperioden setzen nicht nur der Fichte zu, auch Tanne und Buche sind mittlerweile betroffen. Die anfallenden Holzmengen sorgen für einen Preisverfall am Markt, ein Gewinn wird aus dem Geschäft mit dem Holz in naher Zukunft kaum mehr zu erzielen sein. Diese düsteren Prognosen stammen nicht von notorischen „Schwarzmalern“ sondern von Forstexperten, die dieser Entwicklung mehr oder weniger ohnmächtig gegenüberstehen.

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Josef Frommherz vom Kreisforstamt und Wutachs Revierleiter Michael Eisele hatten in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Wutach eigentlich gute Nachrichten dabei – im Jahr 2018 warf der Gemeindewald Wutach noch einen stattlichen Gewinn ab (siehe Infokasten). Ihr Ausblick in die Zukunft dämpfte jedoch jegliche Euphorie.

Gewinne werden kaum mehr möglich sein

Es werde in naher Zukunft wohl kaum mehr möglich sein, einen Gewinn aus dem Wald zu erwirtschaften, sagte Josef Frommherz und beim Blick auf einige Nachbargemeinden scheint diese Prognose bereits jetzt eingetreten zu sein. In Stühlingen beispielsweise musste ein Verlust von 200 000 Euro hingenommen werden. Kreisweit liegen die Verluste im Millionenbereich, informierte Gemeinderat Erhard Graunke.

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Nach den Worten von Josef Frommherz war 2018 das wärmste und trockenste Jahr seit der Aufzeichnungen. Der Klimawandel könne nicht mehr schön geredet werden. „Er ist da und die Folgen sind in ganz Europa zu spüren“, sagte der Forstexperte. Momentan sei es die Fichte, die am stärksten unter dem Klimawandel und der damit einhergehenden Borkenkäferproblematik leide – „ganze Bestände fallen aus.“ Aber auch Tanne, Douglasie und Buche leiden bereits unter dem Trockenstress. Die anfallenden Holzmengen können von den Abnehmern gar nicht mehr verarbeitet werden. Die Folge: ein Preisverfall. Und auch eine Holzlagerung ist laut Förster nicht unbegrenzt möglich.

Wie kann man dem Wald helfen?

Als letztes Mittel, dem Käferholz Herr zu werden, nannte Frommherz das Häckseln des Holzes und notfalls – ein Verblasen in den Bestand. Der finanzielle Verlust sei zwar sehr bedauerlich, letztendlich gehe es aber um mehr – nämlich darum, den Wald zu retten. Wie man dem Wald aber langfristig helfen kann, dieser Frage stehen die Förster derzeit mit einer gewissen Ohnmacht gegenüber. Auf welche Baumarten soll man für die Zukunft setzen? Macht es Sinn, fremdländische Arten zu pflanzen? Soll man auf die derzeit noch recht stabilen Eichen oder Lärchen setzen?

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Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Lebenszyklus im Wald ein sehr langer ist, sprich – man muss in einem Zeitraum von 80 bis 160 Jahren denken. „Wir werden von dem Problem überrollt“, sagte Michael Eisele und die einzige Möglichkeit, dem Wald eine Zukunft zu geben, sieht er in einer großen Baumartenvielfalt. „Wir müssen uns breit aufstellen, verschiedene Baumarten in einer bunten Mischung pflanzen“, sagte der Revierleiter. Dabei könne auch die neue Standortskartierung helfen, in der die Baumarteneignung erfasst wurde.

„Die Axt ist am Baum“

„Die Axt ist am Baum“, kommentierte Gemeinderat Erhard Graunke die düsteren Wolken am Forsthimmel und er bedauerte, dass auch die Wissenschaft keine Antworten auf die Problematik hat. „Die Förster machen einen guten Job, aber sie können dem Wald nicht mehr helfen“, so Graunkes Einschätzung. Und er sprach auch noch das Eschentriebsterben an. Im Wutacher Gemeindewald liegt der Anteil der Eschen bei rund 60 Hektar. „Hier gibt es einen Totalausfall“, sagte Graunke. Und da die kranken Eschen sehr instabil sind, müssen sie aus Gründen der Verkehrssicherung schnellstmöglich entfernt werden. Auch diese Herausforderung wird wachsen, meinte der Gemeinderat.

Einnahmen sind für Wutach wichtig

Wolfgang Dornfeld ging noch einmal auf die finanzielle Seite des Forstbetriebes ein und machte deutlich, dass die Einnahmen aus dem Wald für die Gemeinde Wutach sehr wichtig sind. Sollte der Forstbetrieb künftig defizitär sein, müsse man eventuell über neue Waldkonzepte nachdenken, meinte Dornfeld, und nannte beispielhaft die Begriffe Bannwald oder Urwald. Würde eine Bewirtschaftung des Waldes unterlassen, würden auch weniger Kosten entstehen, so seine Folgerungen.

Auch seitens des Forstes denke man in alle Richtungen, ergänzte dazu Michael Eisele und machte noch einmal deutlich: „Wichtigstes Ziel ist der Erhalt des Waldes.“

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