Zur Informationsveranstaltung über den Glasfaserausbau in Ewattingen hatte Bürgermeister Christian Mauch auch die Landjugend eingeladen. Und zwar zeitgemäß – per Whatsapp. Prompt kam die Antwort, er sei wohl der neue Propagandaminister. „Die haben ja Recht, ich stehe hier nicht als Bürgermeister, sondern als Verkäufer“, sagte Mauch nicht ohne Ironie.

Die Hallendekoration legte Zeugnis davon ab: „Die Zukunft beginnt jetzt“, war auf Transparenten zu lesen. „Jetzt oder Nie“, war die zentrale Botschaft an die gut 180 Zuhörer – 280 waren angeschrieben worden. Sie lauschten gut eineinhalb Stunden gespannt, was die Gemeinde zu verkaufen habe.

Weg ins digitale Zeitalter

Um es kurz zu machen: Wutach geht es so, wie den meisten Gemeinden im ländlichen Raum. Auf dem Weg ins digitale Zeitalter waren sie für die großen Konzerne nicht attraktiv genug. Glasfaserkabel wurden nur auf lohnenden Trassen verlegt und die Häuser von den Verteilerkästen am Bordstein (Curb) mittels der alten Kupferkabeltechnik versorgt (FTTC – Fibre to the Curb). Eindrucksvoll belegte Mauch mit einer Folie der Telekom, dass der Konzern selbst die Zukunft im Glasfaserausbau sieht, der die Häuser direkt versorgt (FTTH – Fibre to the Home). Genau diese soll nun in Ewattingen verlegt werden, durch die Gemeinde.

Versorgungsgerechtigkeit im Blick

Christian Mauch und seinem Gemeinderat ging es um Versorgungsgerechtigkeit. Denn nur mit Glasfaser in die Häuser hätten alle eine gleiche Geschwindigkeit im Up- und Download von Daten zu erwarten. Mit der Aufrüstung alter Techniken würden diejenigen besser versorgt, die bisher schon gut versorgt sind. „Wer am Ende einer Leitung sitzt, hat gar nichts davon“, so Christian Mauch. Denn sowohl die Länge einer Leitung, als auch die Zahl der Einwähler verlangsamt die Datengeschwindigkeit. Letzteres gilt auch für die Funktechnik (LTE).

Investitionen in Höhe von 1,2 Millionen Euro

Eine entscheidende Rolle haben die örtlichen Betriebe gespielt. Denn ihr Bedarf war es, der das Marktversagen nachweisen konnte. Und was nun ausgebaut und vom Land auch gefördert wird, ist ein gewerbliches Höchstgeschwindigkeitsnetz, an dessen Verlauf auch die Häuser versorgt werden können. 1,2 Millionen Euro investiert die Gemeinde laut Planung, die durch das Büro Georg Vetter durchgeführt wird. Georg Vetter, der auch den Ausbau begleiten und die Dokumentation der Maßnahme übernehmen wird, stellte sich nach seinem Vortrag technischen Fragen der Installation. Für Vertragsangelegenheiten hat sich die Gemeinde die Breitband-Marketingexpertin Petra Kaiser aus Bonndorf ins Boot geholt.

Digitale Aufrüstung nötig

Viel Raum gab Christian Mauch den Erläuterungen, warum diese digitale Aufrüstung nun nötig sei. Exponentiell sei der Bedarf gestiegen, erläuterte er und nahm seine Frau als Beispiel. Noch vor Jahren hätten in ihren Leben Computer eine untergeordnete Rolle gespielt. Heute werde die Zeitung auf elektronischem Gerät gelesen, ebenso wie Bücher, die Rezepte „gegoogelt“, Filme gestreamt. „Von den Jungen schaut kaum einer mehr fern, die schauen sich Videos auf YouTube an.“

Nicht nur die Gemeinde stehe im Wettbewerb mit umliegenden Kommunen, die das Thema anpackten. Auch die Häuser der Einwohner würden mit erheblich unterschiedlichem Wert gemessen bei Vermietung, Verkauf, Vererben, je nachdem, ob ein zeitgemäßer Anschluss ans weltweite Netz möglich sei oder nicht.

„Sie müssen sich nicht anschließen, wenn Sie meinen, Ihnen reicht Ihre jetzige Versorgung“, so Mauch. Wichtig sei, dass der Anschluss im Haus liege und möglich sei. Denn es gebe die Fördergelder jetzt. „Mit unserem eigenen Netz sind wir nicht mehr abhängig von Konzernen.“