Bei einer Begehung der Waldregionen westlich der Brauerei Waldhaus nahm sich Peter Hauk, Landwirtschafts- und Forstminister des Landes Baden-Württemberg, ausgiebig Zeit, um sich in einer der Modellregionen des Südschwarzwaldes ein Bild vom aktuellen Zustand der Wälder und den Stand der Maßnahmen zur Wiederaufforstung zu machen.

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Begleitet wurde er von Mitarbeitern der Landesforstverwaltung (LFV), Forstbeamten des Kreises Waldshut, den Landtagsabgeordneten Sabine Hartmann-Müller (CDU) und Niklas Nüssle (die Grünen), der Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, den Vertretern der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg, Landrat Martin Kistler, den Leiter des Kreisforstamtes Markus Rothmund, den Bürgermeistern von Weilheim und Albbruck, Jan Albicker und Stefan Kaiser. Als Privatwaldbesitzer meldeten sich Christian Ebe aus dem Waldshuter Ortsteil Oberalpfen und Eduard Walde aus Weilheim zu Wort.

Waldbegehung im Forstbezirk Weilheim, von links: Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Forstminister Peter Hauk, Landrat Martin Kistler und Landtagsabgeordneter Niklas Nüssle.
Waldbegehung im Forstbezirk Weilheim, von links: Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Forstminister Peter Hauk, Landrat Martin Kistler und Landtagsabgeordneter Niklas Nüssle. | Bild: Manfred Dinort

Nach der Begrüßung erklärte Peter Hauk: „Die Ergebnisse aus der Modellregion Südschwarzwald sollen uns wichtige Erkenntnisse für die Waldschadensbewältigung in Baden-Württemberg liefern.“ Um diesen Herausforderungen besser gerecht werden zu können, forderte er zusätzliches Personal und zusätzliche Mittel.

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„Die in den vergangenen Jahren aufgetretenen dramatischen Waldschäden sind nach wie vor, trotz der eingeleiteten Wiederaufforstung, mit großen Herausforderungen verbunden, personell und finanziell“, sagte er. Dabei zähle der Südschwarzwald landesweit zu den am stärksten betroffenen Regionen, wobei der Kreis Waldshut mit einem Anteil von vierzig Prozent an den Schadensflächen, rund 5.000 Hektar, zu den absoluten Hotspots zähle. Zwar wirkten sich die aktuell üppigen Niederschläge stabilisierend auf die Wälder aus, „aber wir dürfen uns nicht täuschen lassen, die Situation ist nach wie vor besorgniserregend.“

Was tut das Land, um die Problematik in den Griff zu bekommen? Peter Hauk: „Im Rahmen der Modellprojekte werden Instrumente und Lösungsansätze zur Klimabewältigung erarbeitet und bestehende Strategien nachgeschärft.“ Die Palette der Themen reiche von der Aufarbeitung geschädigter Flächen mit moderner Forsttechnik, der Wiederbewaldung und Aufforstung, bis hin zur Unterstützung der Waldbesitzer durch Förderangebote, „also ein weit gespannter Bogen“. Geplant sei auch die Einrichtung eines Waldlehrpfades zum Thema Klimawandel, sowie die innovative Erfassung der Schäden mittels moderner Fernerkundungstechnik. Die Projektphase läuft bis Ende 2021, danach sollen die Projektergebnisse zusammengeführt und vorgestellt werden. „Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass unsere Wälder zukünftig durch die klimatischen Veränderungen weiterhin massiv gestresst und beeinträchtigt werden und wir ständig neu auf die Entwicklung reagieren müssen“, so der Minister.

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Um die Wälder fit für den Klimawandel zu machen und deren dauerhaften Erhalt sicher zu stellen, sollen die im Rahmen des Projekts erarbeiteten Erfahrungen einen wertvollen Beitrag für das ganze Land leisten. Auch die geplante Digitalisierung des Forstbereichs soll dazu beitragen, dass etwa die Bearbeitung der Zuschussanträge schneller erfolgen kann. Bärbel Schäfer bezeichnete es als eine wichtige und richtige Entscheidung, Modellprojekte auf den Weg zu bringen. Martin Kistler äußerte sich erleichtert darüber, „dass sich das Land in dieser Form im Landkreis engagiert“. Er stellte aber auch fest, „dass durch die kleinteiligen Waldstrukturen ein systematisches Vorgehen erschwert wird“. Da sei es wichtig, Genossenschaften zu bilden. Anerkannt wurden von allen Teilnehmern die Leistungen vieler Privatwaldbesitzer, obwohl sie von der Kostenseite her eine hohe Vorleistung erbringen müssten.

Klimarestistente Baumarten

Zum Thema „klimaresistente Baumarten“ sagte Markus Rothmund: „Mir liegt die Weißtanne am Herzen, sie hat sich in den letzten Jahren gut bewährt.“ Er verwies auch auf die Förderhotline, die vom Kreis eingerichtet wurde und bereits tausendfach genutzt wurde. „Bisher haben wir 2,8 Millionen Euro als Unterstützung unter die Leute gebracht“, sagte er.

Klar gestellt wurde auch, dass eine Beratung vor Ort durch die örtlichen Forstbeamten unerlässlich sei. Christian Ebe, der in eigener Regie bereits über 4.000 junge Bäume pflanzte, verwies darauf, dass die Wiederaufforstung eine Maßnahme sei, die dem Klima und damit der ganzen Bevölkerung zugutekäme. Gerecht wäre es daher, die Kosten stärker auf die gesamte Gesellschaft umzulegen. Eduard Walde sprach die riesigen Verluste der Forstgemeinschaft Weilheim an, die er mit jährlich 2,1 Millionen Euro bezifferte. Sinnvoll sei es, die Förderung so zu erhöhen, dass Firmen mit den Arbeiten beauftragt werden können. „Viele Leute schrecken vor den Kosten zurück und ziehen es vor, gar nichts zu machen“, sagte er.

Minister zieht Fazit

Das Fazit des Ministers: „Geld ist nicht alles“. Vieles sei bereits umgesetzt worden, aber vieles wäre nicht machbar gewesen, ohne die engagierte Mitwirkung der Forstbeamten und Waldbesitzer. „Wir sind für die weitere Entwicklung gut gerüstet, mit dem Ziel, einen aktiven Beitrag für den Erhalt des Klimas zu leisten“, erklärte er. Anschließend stellten die Mitarbeiter der Landesfortverwaltung anhand von Schautafeln die einzelnen Komponenten des Modellprojektes vor.