Man könnte fast sagen Corona sei Dank, denn die beiden jüngsten Heubacher Hauskonzerte, die wie sonst üblich in den Räumen des Hauses von Gabi und Matthias Hilpert im Weilheimer Ortsteil Heubach stattgefunden hätten, mussten wegen der strengen Auflagen angesichts der Corona-Pandemie ins Freie verlegt werden.

Vor idyllischer Kulisse fanden die beiden Konzerte hinter dem Haus in einer Art natürlichem Amphitheater statt, das sich sanft zu einem Bachlauf absenkt. Vor dem Hintergrund üppig grüner Bäume war ein Zelt für die Interpreten aufgestellt worden.

Alles in allem, denn auch das Wetter zeigte sich auch von seiner besten Seite, die perfekte Szenerie für zwei ausgesprochen gelungene Konzertabende. Aus der Ferne klingendes Kuhglockengeläute und Vogelgezwitscher verliehen den beiden Konzerten eine besondere Note.

Die Notlösung als Glücksfall? Die Open-Air-Konzerte hätten ohne die Beschränkung durch Corona durchaus mehr Besucher anlocken können. Das Publikum war durchweg begeistert sowohl von der Musik, als auch von der Kulisse in freier Natur.
Die Notlösung als Glücksfall? Die Open-Air-Konzerte hätten ohne die Beschränkung durch Corona durchaus mehr Besucher anlocken können. Das Publikum war durchweg begeistert sowohl von der Musik, als auch von der Kulisse in freier Natur. | Bild: Claus Bingold

Am Freitagabend hatten sich 100 Zuhörer, mehr waren nicht erlaubt, in Heubach eingefunden, um das Trio „Elf“, das sind Walter Lang (Piano), Sebastian Gieck (Bass) und Gerwin Eisenhauer (Schlagzeug) zu erleben. Das Trio „Elf“, in Heubach nicht unbekannt, gehört zu den international am meisten beachteten Jazzformationen Deutschlands.

Als Teil der neuen deutschen Jazz-Generation, die sich nicht um Genre-Grenzen kümmert, umso mehr jedoch um eine eigene Handschrift, hat sich das Trio im Lauf der Jahre einen ganz eigenen Stil erarbeitet.

Die Notlösung als Glücksfall? Die Open-Air-Konzerte hätten ohne die Beschränkung durch Corona durchaus mehr Besucher anlocken können. Das Publikum war durchweg begeistert sowohl von der Musik, als auch von der Kulisse in freier Natur.
Die Notlösung als Glücksfall? Die Open-Air-Konzerte hätten ohne die Beschränkung durch Corona durchaus mehr Besucher anlocken können. Das Publikum war durchweg begeistert sowohl von der Musik, als auch von der Kulisse in freier Natur. | Bild: Claus Bingold

Die drei Musiker erweiterten ihre akustischen Sounds um den kreativen Einsatz von Electronics und Elemente aus der Clubmusic und schufen sich damit ein Markenzeichen. Klassische und brasilianische Klänge wetteifern mit Rap, Punk-Rock und Disco-Beat. Das begeisterte Publikum bedankte sich bei den drei Musikern immer wieder mit viel Applaus. Vor allem der Schlagzeuger überzeugte mit seiner Virtuosität.

Am Samstagabend hatte dann die Niederländerin Kiki Manders, auch sie war schon am Hochrhein zu hören, zusammen mit dem deutsch-spanischen Bassisten Jonathan Ihlenfeld-Cuñiado in der idyllischen „Arena“ in Heubach ihren Auftritt.

Mit einer Mischung aus Eigenkompositionen und Arrangements ausgewählter Songs verzauberten Kiki Manders und Jonathan Ihlenfeld-Cuñiado ihr Publikum beim zweiten Konzert am Wochenende in Heubach.
Mit einer Mischung aus Eigenkompositionen und Arrangements ausgewählter Songs verzauberten Kiki Manders und Jonathan Ihlenfeld-Cuñiado ihr Publikum beim zweiten Konzert am Wochenende in Heubach. | Bild: Claus Bingold

Als aufregendes Bass- und Stimmprojekt, das Rhythmen und Melodien mit der Poesie von Klang, Geschichten und Improvisation verbindet, war der Konzertabend, zu dem sich rund 80 Jazzfans eingefunden hatten, angekündigt.

Wunderschöne Balladen und warme Klangräume trafen auf treibende Bass-Lines – die beiden Musiker stehen für außergewöhnlichen und atmosphärischen Jazz. Die vielseitig talentierte Sängerin mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und der Bassist demonstrierten mit ihrer bedingungslosen Reduktion auf Stimme und Bass eindrucksvoll, wie perfekt sie aufeinander abgestimmt sind.

Indische Rhythmik fasziniert die beiden genauso wie die Schönheit eines einfachen Volkslieds. Wie beiläufig entsteht dabei ein völlig eigenständiger, experimenteller und im besten Sinne europäischer Jazz, den die begeisterten Fans in Heubach zu hören bekamen. Romantisch wurde es, als Manders das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius interpretierte. Dazu stand die Sichel des Mondes hoch am Himmel.