Längst ist diese Veranstaltung ein Geheimtipp für Kunst- und Musikliebhaber. Die Rede ist vom Heubacher Fest, das alle zwei Jahre stattfindet. Wer kennt schon den kleinen Weiler Heubach bei Weilheim mit seinen wenigen Gehöften? Doch seit 2015 findet hier alle zwei Jahre Kunst und Musik auf ungewöhnliche Art zusammen: Das dort lebende Ehepaar Gabi und Matthias Hilpert – beide leidenschaftliche Kunstliebhaber – laden Künstler der Region zu einem viertägigen Symposium ein. Krönender Abschluss ist die Vorstellung der Kunstwerke, verbunden mit einem Jazzkonzert.

Coronabedingt fand diesmal das vierte Heubacher Fest ein Jahr verspätet statt: Die in der Region bekannten Künstler Sepp Briechle, Bernd Salfner, Wolfgang Mussgnug und die beiden Zwillingsbrüder Andreas und Ralph Hilbert – eher bekannt als Anra-Brüder – zeigten abschließend den rund 100 Besuchern ihre künstlerischen Eingriffe in die Natur. Und Mussgnug, der die Gäste begrüßte, schwärmte: „Das hier ist ein magischer Platz. Wir fühlen uns wohl und werden verwöhnt.“

Der Künstler Bernd Salfner (links) erklärt einigen Besuchern sein in Heubach entstandenes Kunstwerk – eine kleine Sitzgarnitur für ...
Der Künstler Bernd Salfner (links) erklärt einigen Besuchern sein in Heubach entstandenes Kunstwerk – eine kleine Sitzgarnitur für Zwerge. | Bild: Rosemarie Tillessen

Die Arbeiten könnten unterschiedlicher nicht ausfallen: Da sind zwei Stelen von Sepp Briechle, eine als Insektenhotel bearbeitete Esche sowie ein raffiniert eingearbeiteter „Baum im Baum“. Wolfgang Mussgnug deutet mit 140 schwarz spiegelnden Glasplatten, die er quadratisch unter einem Baum angeordnet hat, die Zerbrechlichkeit der Welt an und ergänzt sein Werk mit rätselhaften Wörtern aus Gras.

Und Bernd Salfner hat augenzwinkernd geschreddertes Papier in Drahtgittern zu einer gemütlichen Sitzecke für Zwerge geformt, die sich hier um Mitternacht treffen können. Aufrüttelnd schließlich eine unter einem Baum festlich gedeckte Moostafel der Anra-Brüder mit verstörenden Speisen: Handys, Spielzeugpistolen, Geld, alten Schlüsseln oder einem Totenkopf. „Das allerletzte Abendmahl“ nennen sie ihre beunruhigende Installation. Alle Kunstwerke sind übrigens in den kommenden Wochen noch zu besichtigen, soweit sie nicht von Unwettern zerstört werden.

Ein ganz besonderer Zauber lag dann über der abschließenden Musik des Trios Keita-Brönnimann-Niggli. Sie spielten Jazz vom Feinsten, untermalt mit afrikanischem Flair. Da war vor allem Aly Keita von der Elfenbeinküste, der gerade den deutschen Jazzpreis 22 gewonnen hat.

Die Musiker (von links) Aly Keita (Balafon), Jan Brönnimann (Saxofon) und Lucas Niggli (Schlagzeug) beendeten das Fest mit Jazz vom ...
Die Musiker (von links) Aly Keita (Balafon), Jan Brönnimann (Saxofon) und Lucas Niggli (Schlagzeug) beendeten das Fest mit Jazz vom Feinsten. | Bild: Rosemarie Tillessen

Er verzauberte mit seinem Spiel auf dem Balafon, einer ungewöhnlichen Art von Xylofon. Sehr einfühlsam wurde er von dem Schweizer Jan Brönnimann (Saxophon und Klarinette) und dem Deutschen Lucas Niggli (Schlagzeug) begleitet. Sie überzeugten durch große Spielfreude und reiche Rhythmus- und Instrumentenvielfalt.

Die Begeisterung sprang über: etwa auf eine junge Mutter, die mit ihrem Baby tanzte oder auf einige Alt-68er, die in Schwingung gerieten. Mit vielen freiwilligen Helfern und köstlicher Bewirtung wurde dieses vierte Heubacher Fest wieder zu einem Erfolg. Und man kann sich bereits auf das nächste freuen – geplant fürs Jahr 2024.

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