Ein Glückspilz unter den Bäumen ist derzeit eine junge, rund sechs Meter hohe Linde bei Bierbronnen. Während andere Bäume unter der anhaltenden Trockenperiode leiden, können ihre Wurzeln rund um die Uhr Wasser aufnehmen. Zu verdanken hat sie dies Ernst Reichmann aus Bierbronnen. Er bringt das fehlende Nass per Radlader und Tank auf dem Landweg zu ihr.

Ersatz für sturmgeschädigte Linde

Knapp einen Kilometer muss er hierfür fahren. Die Linde steht auf dem Grundstück seines Bruders an der Straße von Bierbronnen Richtung Rohr nahe am Wegrand. Sie ersetzt die stattliche alte Linde, die sich von früheren Sturmschäden nicht mehr erholt hatte, sodass sie Anfang 2018 gefällt werden musste. „Ich habe mir gesagt, da muss wieder ein Baum hin“, sagt Ernst Reichmann rückblickend. Gesagt, getan: Er beauftragte einen Gärtner, bezahlte den stolzen Preis von 700 Euro für den Baum und die Arbeit des Gärtners, und im Mai wurde die Linde dann gepflanzt. Kurz darauf begann die Trockenperiode.

<strong>Wasser fließt:</strong> Mit dem Schraubenschlüssel hat Reichmann den Tank geöffnet.
Wasser fließt: Mit dem Schraubenschlüssel hat Reichmann den Tank geöffnet. | Bild: Ursula Freudig

Gerade anwachsende Bäume sind aber auf regelmäßige Wasserzufuhr angewiesen. Seit rund zweieinhalb Monaten macht Ernst Reichmann deshalb seine wöchentlichen Wassertouren mit dem Radlader. Er stellt den 1000-Liter-Tank neben der Linde ab und öffnet mit einem Schraubenschlüssel dessen Ventil. „Das Einstellen ist ein kleines Problem, ich darf nicht zu viel und nicht zu wenig aufdrehen“, sagt er.

<strong>Sie wächst und gedeiht:</strong> Ernst Reichmann neben der Linde und dem Wassertank.
Sie wächst und gedeiht: Ernst Reichmann neben der Linde und dem Wassertank. | Bild: Ursula Freudig

Jetzt hofft Ernst Reichmann wie so viele andere auch, auf anhaltenden Regen, damit die Natur sich erholen kann und seine junge Linde ganz ohne seine Touren mit dem Radlader wachsen und gedeihen kann. Irgendwann hat er vor, dort auch wieder eine Bank aufzustellen. Linde, Bank und das nahegelegene Wegkreuz würden dann wieder eine Einheit bilden, die in unserer Gegend traditionell und kulturgeschichtlich verankert ist.