Weil am Rhein Friedlingen ist ein heißes Pflaster

Das Dreiländereck gilt als internationale Drehscheibe im Drogenhandel.

Aufgeklärt wurde er nie, der spektakuläre Überfall auf eine Shisha-Bar an der Friedlinger Hauptstraße, bei dem das gesamte Inventar unter den Augen der Gäste kurz und klein geschlagen wurde. Gleichwohl steht für Polizeisprecher Dietmar Ernst fest, dass die Tat mit großer Wahrscheinlichkeit einen Hintergrund im Drogenmilieu hat. Und auch, wenn die Täter beim Brandanschlag auf die Ditib-Moschee ermittelt wurden, warnt Ernst davor, den offensichtlich kurdisch-türkischen Konflikt als einzige Ursache anzuführen.

„In Friedlingen hängt ganz viel zusammen, da geht es um Macht, Einfluss und viel Geld.“Neu ist diese Erkenntnis nicht. Immer wieder hatte es in dem Stadtteil Verhaftungen gegeben – nicht erst seit der im Oktober 2014 gestarteten sogenannten Sicherheitsinitiative Friedlingen „Siefried“, die zuletzt dafür gesorgt habe, dass sich das für die Bürger wahrnehmbare Klima in dem Stadtteil sogar deutlich verbessert hat, so Ernst. „Uns als Polizei ist es in enger Kooperation auch mit der Stadt gelungen, uns wieder Respekt zu verschaffen“, führt er aus. Pöbeleien, Beleidigungen und offenen Widerstand gegenüber den Beamten, wie sie noch vor Jahren trauriger Alltag waren, gebe es aktuell quasi nicht mehr. „Da haben unsere Aktionen und auch die vielen Anzeigen, die wir durchgefochten haben, viel erreicht.“ erklärt Dietmar Ernst.

Am Grundproblem habe sich allerdings nicht viel geändert: Wie das Nachrichtenmagazin „Stern“ in einer seiner jüngsten Ausgaben dokumentiert, sorgt die besondere Grenzlage Weil am Rheins und speziell die des Stadtteils Friedlingens, gekoppelt mit den geradezu optimalen Verkehrsverhältnissen – dem direkten Anschluss an Flughafen, Bahn, Autobahn und auch den Hafen – dafür, dass das Dreiländereck zu einer internationalen Drehscheibe des Drogenhandels geworden ist. Beteiligt daran sind ganz unterschiedliche Gruppierungen und Nationalitäten. „Diese Darstellung ist soweit korrekt“, bestätigt Ernst die Aussage im „Stern“. Albanische Drogenkuriere, sogenannte Läufer, gehören ebenso zu der Zielgruppe der Ermittler wie türkischstämmige Deutsche aus der zweiten und dritten Migrantengeneration. Viele von ihnen lebten, so die Polizei, nach außen hin als honorige Mitbürger, quasi als „Wolf im Schafspelz“, so Ernst.

Dazu kommen Gruppen aus Basel und aus Frankreich. Gemeinsam sei allen, dass sie sich die Grenzlage beim Untertauchen zunutze machen und feste Bande haben, die schwer zu knacken seien. „Das sind Netzwerke, so dicht, dass ihnen fast nichts entgeht und sie sich gegenseitig warnen können“, so Ernst – selbst vor den Zivilstreifen der Polizei, so die Erfahrung. Beizukommen sei dem nur in eng abgestimmten grenzüberschreitenden Ermittlungen. Die Einrichtung eines solchen trinationalen Teams werde von deutscher Seite seit längerem gewünscht, hält er fest.

2011 war es der Polizei gleichwohl gelungen, zwei Dealerringe auszuheben. Im April waren bei einer spektakulären Razzia in verschiedenen Hotels, Gaststätten und Privathäusern vor allem im Stadtteil Friedlingen sieben in Weil wohnende Kosovo-Albaner festgenommen worden. Neben Waffen wurden 2,5 Kilogramm Heroin beschlagnahmt. 220 Beamte aus dem gesamten Bereich der Polizeidirektion waren damals für den bisher größten Polizeieinsatz im Landkreis Lörrach zusammengezogen worden.Im September 2011 gingen den Ermittlern dann je ein in Deutschland und ein in Frankreich wohnender türkischer Staatsangehöriger sowie zwei in Frankreich wohnende französische Staatsangehörige nordafrikanischer Abstammung ins Netz. Die Festnahme erfolgte bei dem Versuch, 25 Kilogramm Haschisch zu verkaufen. In den Fahrzeugen, die von den Tätern benutzt wurden, wurde eine Handfeuerwaffe und Munition sichergestellt.

Diese Aktionen, wie auch die groß angelegten Razzien 2014, sorgten jeweils für Beruhigung – „für ein paar Wochen, aber dann ging das ganze wieder von vorne los“, so Dietmar Ernst, der ergänzt: „Die EG Siefried hat nach wie vor Arbeit und besteht mindestens noch ein Jahr, wenn nicht sogar zwei Jahre“.

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