Ein kleines Mädchen steht in der Ecke und schaut auf ein „Unbekanntes Objekt“. Allein das hat schon eine spezielle Wirkung. „Lilly“ im Kapuzenanorak hat ein Smartphone in der Hand und wenn man sich ihr nähert, merkt man, dass sie eine Puppe ist. Plötzlich sieht sich der Betrachter selbst auf dem Display und kann Gespräche mithören. Achtung: Videokamera!

Patrick Luetzelschwab hat das Thema Überwachung mit dieser Installation in der Städtischen Galerie Stapflehus in Weil am Rhein ausgearbeitet. Auf dem Monitor ist „Lilly“ über einen WLAN-Router ins obere Stockwerk verbunden. Kinder verfügen heute schon über Handys, wachsen mit mobilen Minicomputern auf. Der Künstler stellt die Frage: Wie verändert das die Gesellschaft? Wo fängt Überwachung an, wo hört sie auf?

Das „Storytelling“, heute ein gängiger Begriff für das Geschichtenerzählen, ist einer der gemeinsamen Aspekte dieser Gruppenausstellung („Das Kesselhaus im Stapflehus“) mit Künstlern aus dem Atelierzentrum Kesselhaus in Weil am Rhein, bei der Kurator Tonio Paßlick Balancen und Perspektiven herstellt und Themenblöcke findet – darunter als Hauptthema der Mensch.

Der Begriff der „Unaufgeforderten Phantasie“, ein verfremdetes realistisches Szenario des Stadtzentrums Basel des künstlerisch tätigen Architektenduos Paul Feeney und Marie-Louise Raue, von dem auch die Tetraeder-Gebilde („Platonische Fragmente“) stammen, ließe sich dabei als Leitformulierung denken. Die Formensprache spielt in der Ausstellung eine wichtige Rolle und ist vielgestaltig.

So dominieren im Erdgeschoss die menschlichen Aspekte: als „Gesichter“ in einem Leinwandbild von Isa Schäfer oder als „Passanten“ in einem Triptychon von Volker Bessel, der von der Architektur herkommt und sich viel mit Gestaltung von Räumen und visionären Architekturen beschäftigt. Akte und Paare zeigt Brunone Morandi in Reliefskulpturen, die durch ihre metallene Patina wie Bronzen wirken. Eine unverwechselbare Handschrift hat Dorothee Rothbrust in bemalten weiblichen Holzfiguren. Signifikant ist die Formgebung bei Maritta Winters sowohl organischen als auch figürlichen Skulpturen, während das Mädchenporträt von Nicole Franke, ein Tondo (Rundbild), einen romantischen Touch verrät.

Ein Rundbild mit dem Titel "Irgendwann" von Nicole Franke.
Ein Rundbild mit dem Titel "Irgendwann" von Nicole Franke. | Bild: Jürgen Scharf

An die Arte Povera erinnert hingegen die Serie zweier Künstler mit dem Pseudonym Landscape, die Material von Weidezaunbändern auf Leinwand zu Knoten binden. Ildiko Csapó ist mit konstruktiven Arbeiten vertreten, Elisabeth Veith mit Abstraktionen auf Holz. Niels Tofahrn erweist sich bei einem mit einer durchsichtigen Stretchfolie ummantelten Stuhl als „Verpackungskünstler“. Das Verwenden von Alltagsmaterialien ist auffällig und ein verbindendes Kriterium, etwa bei Kathrin Stalder, die mit gelochtem und gebranntem Papier arbeitet oder Fundstücke als kleine Erinnerungen an verschiedene Tage in ihrem „Kleid-Jahrestagebuch“ anbringt.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung läuft bis 27. Mai, geöffnet ist Samstag, 15 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag, 14 bis 18 Uhr.