Indische Kühe und Wehr scheinen nur auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben. Doch mit Dagmar und Werner Eckert als Bindeglied wird daraus ein ganz besonderes Hilfsprojekt. Als Gesicht des von der evangelischen Gemeinde unterstützen Projekts gelang es ihnen, innerhalb von rund zwei Jahren bislang rund 90.000 Euro an Spendengeldern zusammenzubringen, um aktuell – ebenfalls in Rekordzeit – einen Kuhstall zu bauen. Für die Fertigstellung fehlen nun noch 10.000 Euro. Natürlich sei die Corona-Pandemie auch für sie ein großer Rückschlag gewesen, so der Sprecher des Hilfsprojekts Karl-Wilhelm Frommeyer: Der Enkendorfmarkt, auf dem man immer mit einem großen Stand vertreten war, wurde abgesagt und auch der traditionelle Kostümverkauf der Familie Eckert im Februar werde nicht stattfinden. „Das ist schon ein Schlag ins Kontor“, so Frommeyer.

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Und doch gelang etwas Besonderes: Allein 60.000 Euro an privaten Spenden gingen für das Kuhprojekt ein. „Ziemliche viele Menschen aus Wehr und Öflingen waren schon einmal vor Ort. Dazu schaffen die 25 Jahre Zusammenarbeit viel Vertrauen,“ freut sich Frommeyer in aller Bescheidenheit über den Erfolg. Über einen Bekannten sei man auf das Förderprogramm von „Brot für die Welt „gestoßen, so Werner Eckert: Anfang 2019 kam von hier die die Förderzusage über 15.000 Euro. Den gleichen Betrag gab es nochmal vom Kirchenbezirk Hochrhein. „Wir konnten das Projekt wohl gut vermitteln“, freut sich Frommeyer.

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Seit über 25 Jahren unterstützt die Familie zusammen mit der Gemeinde das indische Hilfsprojekt Community Development Society (CDS). Um die Hilfsangebote in Anand zu ermöglichen, brauche es jährlich rund 30.000 Euro, erklärt Frommeyer. „ Wir haben darum zusammen überlegt, wie man vor Ort eine langfristige Einnahmequelle schaffen kann.“ Ein Kuhstall sei naheliegend und ein langgehegter Wunsch von Projektinitiator Manoj Macwan gewesen: Indien ist der weltweit größte Milchproduzent, die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten ist ungebrochen hoch.

Dazu ist Anand ein Zentrum der indischen Milchproduktion: Hier hat das größte Molkereiunternehmen des Landes, die Kooperative Amul, ihren Hauptsitz. „Wir waren mit dem Weltladen vor Ort: das ist eine faire Angelegenheit. Und auch das Kraftfutter ist über die Kooperative beziehbar.

Luftig: In Indien ist ein Kuhstall vor allem Sonnenschutz für die Tiere. In Nebengebäuden ist Platz für Futter, Melkanlage und Unterkünfte. CDS-Gründer Manoj Macwan hatte während der Bauzeit alles gut im Blick.
Luftig: In Indien ist ein Kuhstall vor allem Sonnenschutz für die Tiere. In Nebengebäuden ist Platz für Futter, Melkanlage und Unterkünfte. CDS-Gründer Manoj Macwan hatte während der Bauzeit alles gut im Blick. | Bild: CDS

Dazu werden Kurse für die Betreuung der Kühe angeboten“, so Frommeyer. 2017 habe man erste Gespräche geführt und die geplante Investition gründlichst geprüft: 100.000 Euro sind nötig, von Grundstückskauf über den Bau der Gebäude bis hin zur Anschaffung der Kühe.

Bürokratischer Aufwand

Im vergangenen Sommer konnte dann nach enormen bürokratischen Aufwand die ersten Spendengelder überwiesen werden. „Ende August, nach dem Monsun, ging es mit den Erdarbeiten los“, so Frommeyer. Jetzt stehen bereits die Unterkünfte für die Arbeiter und eine Lagerhalle für das Futter, Mitte November wurde der Kuhstall fertig. „Es ist faszinierend und tut richtig gut das zu sehen,“ so Frommeyer. Die langen Erfahrung Macwans und die enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort sei wohl das Erfolgsrezept, so Frommeyer. „Möglichst noch im Januar sollen die Kühe besorgt werden“, freut sich auch Werner Eckert über den zügigen Fortschritt. In spätestens drei Jahren soll die Investition dann Gewinn abwerfen.