Hansjörg Bader

Wehr – Die Arbeit der Wehrer Wegkreuzretter findet Beachtung weit über die Stadt hinaus. In der gesamten Erzdiözese Freiburg dürfte inzwischen deren Wirken bekannt sein. Ein kürzlich erschienener Artikel im Konradskalender, einem Sonderheft des katholischen Konradsblattes, sorgt jetzt für den gesteigerten Wehrer Bekanntheitsgrad. Auf sechs reichlich illustrierten Seiten wird die kleine Wehrer Gruppe vorgestellt und gleichzeitig auch einige von den Wegkreuzen und Kleindenkmälern, die in den vergangenen 30 Jahren auf Wehrer Gemarkung renoviert und restauriert wurden.

Die Geschichten hinter den Kreuzen

Im vergangenen Frühjahr hatte sich ein Redakteur des in Karlsruhe verlegten Bistumsblattes in Wehr aufgehalten. Dieser sprach auf einem Rundgang lange mit verschiedenen Gruppenmitgliedern, um möglichst viel über deren Arbeit und ihre persönliche Motivation des Mittuns zu erfahren. An Ort und Stelle ließ sich der Gast alles erklären, vor allem die Geschichten, die hinter den einzelnen Kreuzen stecken.

Wo persönliche Kenntnisse fehlten, halfen die Aufzeichnungen von Uwe Kratt weiter. Der Chronist der Wegkreuzretter hat in drei Jahrzehnten alles zusammengetragen und dokumentiert, was der frühere Pfarrgemeinderat und inzwischen verstorbene Wolfgang Eschbach an Wissenswertem sammelte. Eschbach war es gewesen, der in den 1980er Jahre die Anregung vom damaligen Wehrer Pfarrer Gerhard Balles aufgriff, einen Arbeitskreis zum Erhalt der Wehrer Flurkreuze und Kleindenkmäler zu gründen. Eschbach machte sich auf die Suche nach deren Standorten, deren Stifter – in der Regel sind Kreuze Stiftungen von Angehörigen – und legte darüber ein Kataster an.

Und was Eschbach auch suchte waren Mitstreiter, die seine Leidenschaft für die Rettung in Vergessenheit drohende Kleindenkmäler teilten. Nur zu ermitteln, wieviel Kreuze es in Wehr gibt, wo diese stehen und in welchem Zustand sich diese befinden, das reichte Eschbach nicht. Schon bald hatte er die ersten Helfer beisammen und die ersten Kreuze konnten renoviert werden.

Circa 20 geschädigte Kreuze standen zu Beginn auf der Sanierungsliste, im Laufe der Zeit kamen noch einige dazu. Nach nunmehr über 30-jähriger Arbeit kann die Gruppe berichten, dass es auf Wehrer Gemarkung keine wirklich vom Zerfall bedrohte Wegkreuze mehr gibt.

Da die meisten Kreuze inzwischen in einem guten Zustand sind, besteht die laufende Arbeit mehrheitlich aus Pflege und Erhalt, wie Neustreichen des Kreuzholzes, Vergolden und Lackieren der Corporas, Mähen und Schmücken der Grundstücke. Im Moment sitzt die kirchliche Finanzverwaltung den Wegkreuzrettern etwas im Nacken. Da Spenden und Abrechnungen in Zukunft stärker kontrolliert und geprüft werden, muss mehr belegt, einfach mehr Verwaltungsaufwand betrieben werden. Rechner Klaus-Dieter Kapsrazak legte bei der jüngsten Jahres-Zusammenkunft der Wegkreuzretter einen 17seitigen Fragebogen vor, den die Wehrer Gruppe zu beantworten hat und der ab kommenden Jahr Grundlage der Arbeit ist.

„Eigentlich wollen wir uns nur um vom Zerfall bedrohte Kreuze kümmern, und dass diese ein schönes gepflegtes Bild in Wehrs Landschaft abgeben. Für überbordende Bürokratie haben wir kein Verständnis“, so Gruppensprecher Wolfgang Fügle. Auch, wenn das ehrenamtliche Engagement schwieriger wird, will die Gruppe auf jeden Fall weitermachen.