„Doctor, doctor give me news/I‘ve got a bad case of lovin‘ you singt Andreas Agster über den Ludingartensee und auf der Wiese gegenüber ist es sofort da, das Rangers-Feeling. The Rangers werden gerne die „dienstälteste Band von Wehr“ genannt. Doch diese Beschreibung, die das trockene Beamtendasein und baldige Rentner-Dasein beschwört, wird ihnen nicht ganz gerecht.

Sicher, Agster und seine Band-Kollegen Wolfgang und Winfried Eckert, sowie Mario Thomann sind seit Jahrzehnten ein Garant der kleinen Wehrer Rock-Szene. Aber mit ihnen lebt der Rock noch immer so wie in den 1970ern und 1980ern. Sie konservieren eine Zeit, in der Sonnenbrillen auch bei Nacht ein Statement für Coolness sind und Liebe, genauso wie die Verirrungen in Drogen und Alkohol in legendären Songs verarbeitet werden. Ihr Auftritt beim Klappstuhlkonzert am vergangenen Samstag stellte das einmal mehr unter Beweis: Mit ihren Interpretationen, mit ihrer unkomplizierten Art, mit ihrer unverkennbaren Mischung von alemannischer Kumpelhaftigkeit und Rock‘n‘Roll-Slang gaben sie ihrem Publikum, was es erwartete. Und wer vorausdachte, kam nicht mit einem Klappstuhl zum Konzert, sondern mit einem Stehtisch. Denn sitzen bleiben funktioniert bei den Rangers nicht lange gut.

Widerspenstig sein, sei es auch nur dem Klappstuhl beim Klappstuhl-Konzert zu trotzen, passt zum Repertoire der Band. Ihre Covers ziehen sich durch die populäre Rockgeschichte: „Whisky in the Jar“, das vom irischen Volkslied zum Rock-Klassiker wurde, Creams „White Room“, das über das Genre berühmte „Nothing else matters“, das heldenhafte „Heros“ von David Bowie oder „I put a spell on you“ des Creedence Clearwater Revival-Frontmanns John Forgety – und immer wieder die Rolling Stones. Betroffen vom Tod des Schlagzeugers Charlie Watts vor wenigen Wochen, nahm die legendäre britische Band an diesem Abend einen nochmals wichtigeren Platz ein, als sie es im musikalischen der Herzen der Rangers sowieso schon hat.

Die Tatsache, dass so viele der Musiker, die von den Rangers gehört und interpretiert werden, nicht mehr leben, gab dem Abend in der spätsommerlichen Dämmerung fast schon etwas Melancholisches. „So traurig wie es ist, irgendwann müssen wir alle gehen“, sagte Agster, „also machen wir so lange es gut geht unsere Musik von früher.“ Und das taten die Rangers dann auch. Die letzten Akkorde des Abends verstummten erst, als die verordnete Nachtruhe um 23 Uhr einsetzte.

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