Michael Gottstein

„Lebensdummheiten für Fortgeschrittene“ nennt der Wehrer Autor Roland Gampp in nicht ganz ernst gemeinter Bescheidenheit sein neues Buch, das mit Graphiken von Bernhard Keller ergänzt wird. Er ruft die Leser dazu auf, über den Sinn des Lebens nachzudenken und eine neue Orientierung jenseits des Konsums zu suchen.

Der 1952 geborene Roland Gampp lächelt, wenn er erzählt, dass er einmal als „Buddhist von Wehr“ bezeichnet wurde. Grundsätzliche Einwände gegen dieses Etikett hat er nicht, da es durchaus einen Wahrheitskern beinhaltet. Er bezeichnet sich als spirituellen Menschen, der den Einfluss vieler Religionen in sich aufgenommen hat, ohne diese gegeneinander abzuwägen.

Gampp lässt Bankkarriere hinter sich

Sein Berufsweg begann mit einer Banklehre, der sich schnell eine internationale Karriere anschloss. Diese führte ihn unter anderem nach Südamerika. Er war in der Unternehmensberatung und der Modebranche tätig und arbeitete bei einer Schweizer Bank in leitender Position. Dann vollzog er eine Kehrtwende: Er half älteren Menschen bei der Haus- und Gartenarbeit und schrieb Autobiographien, Abenteuer- und Kriminalromane sowie Gedichtbände; das jüngste Werk ist sein achtes Buch.

Es besteht aus kurzen Texten, Sinnsprüchen und meist reimlosen Gedichten, in denen er Weisheiten und Erkenntnisse auf den Punkt bringt – stets lebensbejahend und nicht missionierend, wohl aber zum Nachdenken anregend. Es ist ein Buch, das man nicht in einem Zug lesen, sondern immer wieder zur Hand nehmen sollte.

Was ist nun seine Botschaft?

Am Anfang stehen Überlegung zur Zivilisationsgeschichte und den Krisen der Menschheit. „Heute haben wir keinen Mangel an physischer, wohl aber an geistiger Hygiene.“ Global gebe es Hungerkrisen, aber in vielen Ländern „geht es der Masse der Menschen materiell so gut wie nie“, meint Roland Gampp und fügt schnell hinzu: „Aber nicht geistig.“ Das System aktuelle Wirtschaftssystem im Westen basiere auf immer mehr Wachstum, auf der Generierung von immer neuen Bedürfnissen, befeuert durch eine Werbeindustrie. „Konsum ist unser Gott geworden“, meint Roland Gampp, aber er hat auch eine gute Nachricht: „Wir können etwas ändern.“

Freilich strebt er keine politischen Aktionen an, sondern beginnt bei dem einzelnen Menschen: „Machthunger ist ein Mangel an Selbstliebe“, sagt der Autor, der aber nicht zur Selbstverliebtheit aufruft, sondern dazu, seinen Standpunkt in der Welt zu finden und sich anzunehmen, ohne sich über Konsum definieren zu müssen. In diesem Sinne heißt es: „Die größte Herausforderung in Deinem Leben bist Du selbst.“ Oder: „Werde eins mit allem – das Zauberwort hierfür ist Empathie und Liebe.“

Grafiken von Bernhard Keller

Ergänzt wird das Buch durch Grafiken von Bernhard Keller (Jahrgang 1958), den er bei einem Didgeridoo-Kurs kennengelernt hatte. Auch Bernhard Keller erlernte zunächst den, wie man dies früher nannte, „soliden Beruf“ des Maschinenmechanikers und Technikers im Bereich Maschinenbau. Im Alter von 50 Jahren entdeckte er das Didgeridoo, „das mir die Türen in eine andere Welt geöffnet hat“.

Heute baut er diese Instrumente aus heimischen Hölzern, und er hat auch einen Klangraum eingerichtet, in dem er Klangmassagen und Klangreisen anbietet. Zu den Grafiken wurde er von dem Spiegelaufsatz auf seinem Schrank inspiriert. In diesen Rahmen blendet er Fotomotive ein, die die Botschaft der Texte sinnbildlich zusammenfassen. Zu seinen Lieblingsmotiven zählt das Foto einer Marktfrau aus Afrika. „Sie strahlt so viel Zufriedenheit aus und in offenbar im Gleichklang mit sich selbst.“

Ein Vorbild für den Autor und Graphiker ist der aus Wehr stammende Koch Hans-Gerd Wiesner, der seine Karriere in der Spitzengastronomie aufgegeben hat, um in Argentinien die „Granja El Ceibo“, ein Heim für behinderte Menschen, zu gründen. Der Erlös aus dem Buchverkauf ist daher für die Granja bestimmt.

Das Buch umfasst 63 Seiten, kostet 19,50 Euro und ist im Buchhandel sowie bei Bernhard Keller (07762/3940) erhältlich. Der Erlös aus dem Buchverkauf geht an „Granja El Ceibo“, ein Heim für behinderte Menschen.