Die Unechte Teilortswahl in Wehr ist abgeschafft: Mit großer Mehrheit kippte der Wehrer Gemeinderat das Wahlsystem, das dem Öflinger Ortsteil in den vergangenen 50 Jahren eine feste Anzahl Gemeinderatssitze garantierte. Lediglich drei Räte – die beiden Öflinger Björn Griener (fraktionslos) und Siegfried Griener (CDU) sowie der Wehrer Hans-Peter Zimmermann (FDP) – stimmten gegen den Antrag der Stadtverwaltung.

Mehrfach hatte sich der Gemeinderat schon – öffentlich und nicht-öffentlich – mit der Frage befasst, ob die Vorteile des komplizierten Wahlverfahrens tatsächlich überwiegen oder ob die beiden Stadtteile nicht mittlerweile so weit zusammengewachsen sind, dass das Öflinger Privileg nicht mehr notwendig ist. Vor allem die Kommunalwahl 2019 brachte bei vielen ein Umdenken, als die meisten Parteien nur mit großer Mühe Kandidaten aus Öflingen fanden und dies dann beinahe sogar zu Leersitzen geführt hätte.

„Viele Ältere haben ein Problem mit der Abschaffung, den Jüngeren ist es egal“, brachte Björn Griener das Öflinger Stimmungsbild auf den Punkt, das auch schon bei der Bürgerversammlung im vergangenen Herbst in Öflingen zu spüren war. Dort waren es nur wenige, die für die Teilortswahl argumentiert hatten. Mehr Anhänger fand damals die Idee eines Öflinger Ortschaftsrats speziell für die Belange des Ortsteil. Diese Idee griff auch Hans-Peter Zimmermann auf und beantragte die Einrichtung eines solchen Gremiums. Nur dann könne er der Abschaffung der Teilortswahl auch zustimmen. „Darüber heute abzustimmen, wäre aus der Hüfte geschossen“, erwiderte Bürgermeister Michael Thater. So etwas koste schließlich Geld und brauche Vorbereitung.

Die Stimmzettel für die Gemeinderatswahl werden künftig übersichtlicher.
Die Stimmzettel für die Gemeinderatswahl werden künftig übersichtlicher. | Bild: Obermeyer, Justus

Schwierig war die Entscheidung für die beiden Öflinger Vertreter André Lanbein (SPD) und Stefan Engel (Grüne). „Warum soll man etwas abschaffen, was sich jahrzehntelang bewährt hat?“, fragte Langbein. Wie Engel stimmt er letztlich aber doch für die Abschaffung. „Die Verantwortung lieg nun zuerst bei den Parteien, bei der Listenaufstellung die Öflinger Kandidaten entsprechend zu berücksichtigen und zu platzieren“, so Engel. Aber auch die Bereitschaft der Öflinger sich für ein politisches Mandat zur Verfügung zu stellen, müsse wachsen, so Engel. Der fünfte Öflinger Gemeinderat, Christoph Schmidt (FW), hatte sich zur Sitzung entschuldigen lassen.

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