Quasi über Nacht erlebte der Weihnachtsbaum vor dem Wehrer Rathaus eine Metamorphose und wurde zum Symbol der Wehrer Fasnacht. Er präsentiert sich seit Samstag als stolzer Narrenbaum und erinnert die Wehrer an eine unumstößliche Tatsache: nämlich, dass die Corona-Pandemie unbestritten eine Vielzahl bisher geltender Grundsätze auf den Kopf gestellt hat, aber gewisse Ereignisse im Jahreskreislauf trotz alledem stattfinden, auch wenn man sie nicht gebührend feiern kann. „

Vorbereitet: Die Metamorphose des Weihnachtsbaums beginnt.
Vorbereitet: Die Metamorphose des Weihnachtsbaums beginnt. | Bild: Günter Kramer

Es käme niemand auf die Idee, den Frühlingsanfang einfach abzusagen, nur weil es am kalendarischen oder meteorologischen Frühjahrsbeginn zufällig schneit, was unzweifelhaft eine Eigenschaft des Winters ist,“ fasst es Dennis Schmiak für die Wälder zusammen.

Fasnacht ist Kalenderbestandteil

So verhält es sich demnach auch mit der Fasnacht, die ein fester Bestandteil des Kalenders ist und die jedes Jahr stattfindet, ob man die närrischen Tage nun tatsächlich feiert oder nicht. Dieser Logik folgend sind die Chlosterhöfner Wälder am vergangenen Samstag ihrer ehrenwerten Pflicht nachgegangen und haben den besagten Weihnachtsbaum ganz im Sinne der Nachhaltigkeit in einen Narrenbaum umfunktioniert. Selbstverständlich wurden dabei die geltenden Corona-Abstands- und Hygieneregeln von allen Beteiligten eingehalten.

Aufgerichtet: Von Hand wird der Baum vor dem Rathaus wieder aufgestellt.
Aufgerichtet: Von Hand wird der Baum vor dem Rathaus wieder aufgestellt. | Bild: Günter Kramer

Neues Narrenbaumprozedere

Nunmehr schon seit 52 Jahren kommen die Wälder dieser Aufgabe nach. Der Narrenbaum an sich ist eine Spende der Stadt Wehr aus dem städtischen Forst, der von den Wäldern an der Flienkener Holzhütte ausgewählt, gefällt, geastet und geschält wird, bevor er sodann als geschmücktes Prachtexemplar mit Muskelkraft am Rathaus gestellt und der Narrenzunft als weithin sichtbares Wahrzeichen der Wehrer Fasnacht übergeben wird. Auch wenn das Prozedere in diesem Jahr pandemiebedingt vom gewohnten Ablauf abweichen musste, gilt für die Wehrer Närrinnen und Narren dennoch die Losung aus der Feder des Wälder-Poeten Charly Senn, um Hoffnung für das kommende Jahr zu schöpfen: „Oh Narr, sehsch du de Narrebaum, halt inne und sei froh, mach Fasnacht Dajohr nur im Traum und denk‘s Narri Narro“.

Gedichtet: Die Losung aus der Feder des Wälderpoeten Charly Senn soll Hoffnung für das kommende Jahr machen.
Gedichtet: Die Losung aus der Feder des Wälderpoeten Charly Senn soll Hoffnung für das kommende Jahr machen. | Bild: Günter Kramer