Viel Lob gab es vom Gemeinderat für den Integrationsmanager – von Landesseite hingegen wird die Unterstützung nur zwei Jahre nach der Einführung der Stelle schon wieder zurückgefahren. Aktuell ist der Integrationsmanager Christoph Schmitt für 157 Personen zuständig – die meisten von ihnen haben einem Aufenthaltstitel und leben bereits in der Anschlussunterkunft oder in privaten Wohnungen. Um diesen geflüchteten Menschen mit Bleibeperspektive den Weg in ein geregeltes Leben in Deutschland zu ermöglichen, bietet Schmitt Beratung an und arbeitet mit Integrationsplänen: „Die Betreuungsquote hat sich stetig erhöht und liegt nun bei etwa 75 Prozent“, so Schmitt im Gemeinderat.

Die Kommunikationsmedien

144 Integrationspläne hat Schmitt in seiner Zeit in Wehr bereits erstellt und 772 Beratungsgespräche geführt. Da viele seiner Klienten gut vertraut mit neuen Medien seien, habe man auch während des vergangenen Jahres den Kontakt gut halten können. Anfragen seien schon vor Corona oft per Whats-App, E-Mail oder als Anruf gekommen, erklärt Schmitt. Die Themen reichen dabei von gesellschaftlicher Teilhabe über Jobsuche bis hin zu persönlichen Problemen. „Es hat sich ein sehr, sehr gute Vertrauensverhältnis entwickelt“, erklärt Schmitt.

Nicht nur Schmitt sieht seine Aufgabe langfristig: „Wir brauchen den Integrationsmanager für die nächsten Jahre, die nächsten Jahrzehnte“, stellte Gemeinderat Stefan Engel (Grüne) fest. Bis 2023 sei die Stelle durch das Land finanziert, erklärte Bürgermeister Michael Thater und ergänzte: „Es wird auch darüber hinaus sinnvoll sein, einen Integrationsmanager zu haben.“

Umfangreiche Dokumentation

Seit seinem Start im Mai 2018 kämpft Christoph Schmitt mit der umfangreichen Dokumentation. Das Land als Geldgeberin verlangt, dass jedes Gespräch und jeder Kontakt dokumentiert wird. Als nach einem halben Jahr dafür eine eigene Software bereitgestellt wurde, sei diese eine enorme Arbeitserleichterung gewesen, berichtet Schmitt. Aus Kostengründen hat das Land Baden-Württemberg im Herbst des vergangenen Jahres die Förderung dieser Software aber wieder eingestellt. „Zurück zur Zettelwirtschaft“, formuliert Schmitt die Auswirkungen. Die Dokumentation werde somit noch zeit- und ressourcenintensiver.

Die Probleme

„Ein Armutszeugnis“, fasste SPD-Gemeinderat André Langbein zusammen. Die Anschaffung der Software durch die Stadt habe aber wenig Sinn, erklärte Ordnungsamtsleiter Stefan Schmitz zu den Herausforderungen seines Mitarbeiters. „Der große Vorteil der Software ist die Vernetzung im Landkreis“, sagte Schmitz. So konnten bei einem Umzug Integrationspläne und weitere Informationen sehr einfach an die neue Behörde weitergeben werden.

Zusammenarbeit wird erschwert

„Es ist schon ärgerlich“, so Schmitz. Denn die Zusammenarbeit mit anderen Behörden und Institutionen wird durch den strengen Datenschutz zusätzlich erschwert. So dürfen Informationen oftmals nicht über kurze Wege weitergegeben werden. Insgesamt habe man aber durch gegenseitiges Vertrauen gemeinsame Wege gefunden, erklärte der Integrationsmanager hierzu.