„Ein Abend, der gedacht ist als unterhaltsam und gleichzeitig politisch mit vielen Gästen aus den Fraktionen unseres Wehrer Gemeinderates – „Politik mal anders“, wie der SÜDKURIER titelte nach der allerersten Verleihung des Gustav-Struve-Hutes 2004“, sagte Alfred Winkler. In seinem historischen Überblick am Sonntag anlässlich der Verleihung des Gustav-Struve-Hutes an die ehemalige parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Marion Caspers–Merk durch die SPD Wehr, erinnerte er damit an den ideellen Grundcharakter dieser Ehrung.

Die Demokratie gemeinsam verteidigen gegen Hass in den sozialen Medien, gegen Morddrohungen amtierender Politiker – das Gut „Demokratie“ nicht als selbstverständlich nehmen, sondern gemeinsam dafür eintreten und verteidigen, das ist für die diesjährige Gustav-Struve-Hut-Trägerin Marion Caspers-Merk eine der drei zentralen Anknüpfungspunkte an die historischen Forderungen der Revolutionäre von 1848/49.

Der frühere Landtagsabgeordnete Alfred Winkler, erster Struve-Hut-Träger, erinnerte an die Ideale der badischen Revolution „Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle“, denen sich Gustav Struve und vor allem dessen Frau Amalie als Publizistin, Freiheitskämpferin und Frauenrechtlerin, verschrieben hatten.

„Den Frauen steht die Hälfte des Himmels zu, sagte bereits Amalie Struve – die treibende revolutionäre Kraft in ihrer Beziehung, die auch den Sturm auf Rastatt maßgeblich mitorganisiert hat“, nahm Caspers-Merk den Faden auf und betonte die Einforderung der Gleichberechtigung mit einem Seitenhieb auf die Quoten-Debatte in der CDU/CSU: „Eine Quote auf Probe ist lächerlich – wer will, der springt.“

Ganz in diesem Sinne resümierte Hubert Bernnat, Struve-Hut-Träger 2016, in seiner Laudatio: „Den Struve-Hut hast du verdient, allerdings nicht den von Gustav, sondern den von Amalie Struve. Du hat mit deinem Weg dafür gesorgt, dass es selbstverständlicher geworden ist, dass Frauen starke Persönlichkeiten sind, die alle Führungspositionen einnehmen können“.

Die Grundforderung Struves nach der Ermöglichung eines gesunden Lebens spiegle sich auch heute in drängenden Fragen um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, sagte Caspers-Merk weiter. „Eine systematische Prävention für Kinder und Jugendliche ist von großer Bedeutung. Immer mehr Kinder leiden bereits unter Adipositas, sind krank“, sagt die ehemalige Gesundheitspolitikerin, die sich nach wie vor dem Thema Gesundheit und Suchtprävention in ihrer Tätigkeit als Hochschullehrerein an der Dualen Hochschule Lörrach widmet.

Wegen Corona nicht am politischen Aschermittwoch, sondern am 25. September, dem Verhaftungstag Struves 1848, wurde Caspers-Merk mit dem Gustav-Struve-Hut im Gasthaus Krone geehrt. Geladene Gäste waren Stadträte und Bürgermeister. Als Rednerin anwesend war auch Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, eine enge Mitstreiterin Caspers-Merks in deren Berliner Jahren und geehrte Struve-Hut-Trägerin im Jahr 2009.