Die Wehranlage in Öflingen ist erneuert worden. In vier Jahren hat der Stromversorger Energiedienst das defekte Stauwehr durch eine neue Anlage inklusive Fischtreppe ersetzt. Eine lange Genehmigungsphase und eine nicht alltägliche Baustelle sorgten für vier Jahre Bauzeit und letztlich 50 Prozent Mehrkosten – rund 1,2 Millionen Euro statt der erwarteten 800.000 Euro.

Vorher: Beim Beginn der Arbeiten im Sommer 2017 sind noch gut die rostigen Reste der alten Stauklappe zu sehen. Mit verschiedenen Materialien wurde die Baustelle vor einlaufendem Wasser geschützt. Das alte Steuerhäuschen wurde abgerissen.
Vorher: Beim Beginn der Arbeiten im Sommer 2017 sind noch gut die rostigen Reste der alten Stauklappe zu sehen. Mit verschiedenen Materialien wurde die Baustelle vor einlaufendem Wasser geschützt. Das alte Steuerhäuschen wurde abgerissen. | Bild: Julia Becker

„Es ist eine Herausforderung, direkt an einem Fließgewässer und mit Hanglage zu bauen“, erklärt Bauingenieur Max Schödler. Glücklicherweise habe das Hochwasser im Sommer keine Schäden angerichtet und nur für eine geringe Verzögerung gesorgt. Seit Sommer ist das Kraftwerk in Betrieb, nun wurden die letzten Arbeiten wie Beleuchtung und Zaun fertiggestellt.

Nachher: Besonders die Bauarbeiten direkt zwischen Fließgewässer und Hang waren eine Herausforderung.
Nachher: Besonders die Bauarbeiten direkt zwischen Fließgewässer und Hang waren eine Herausforderung. | Bild: Julia Becker

Ein großer Faktor sind die Umweltschutzmaßnahmen. So mussten 20 Steinbuhnen unterhalb des Wehrs gesetzt werden: „Damit wird die Strömung gelenkt und die Durchgängigkeit verbessert“, erklärt Schödler. Der Hang am Stauwehr soll mit Flatterulmen bepflanzt werden. Die rund 60 Meter lange geschwungene Treppe an der Hangseite ermöglicht es nun Fischen und anderen Wasserlebewesen über Stufen mit geringer Strömung in den oberen Bereich der Wehra zu gelangen. Flussabwärts gibt es eine Rutsche mit Auffangbecken, die die Tiere hinab spült.

Die Kraftwerke

Energiedienst hatte das Öflinger Kraftwerk zusammen mit zwei anderen Kraftwerken an der Wiese 2015 von der Brennet AG gepachtet. Als eine Voraussetzung für die Nutzung musste auch ökologisch saniert werden, durch die Modernisierung wurde auch der Wirkungsgrad erhöht. Die Anlage in Öflingen war zuvor nicht mehr nutzbar gewesen: Im Winter 2012/13 wurde die Wehrklappe so stark beschädigt, dass nur noch die Wasserschwelle zurückblieb. Im Sommer 2017 wurde mit den Arbeiten begonnen. Die Wehrklappen wurden erneuert, ebenso die gesamte Steuerungsanlage daneben. Eine Fischtreppe wurde hinzugefügt und die zwei Francis-Spiralturbinen im Kraftwerk auf dem Brennet-Gelände saniert. Zukünftig wird das voll­automatische Kraftwerk von der Zentrale in Mambach überwacht. Mit einer Leistung von rund 500 Kilowatt kann es etwa zwei Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren und damit rund 700 Haushalte versorgen.

Die Nutzung der Wasserkraft in Wehr

  • Strom aus der Wehra: Auch dank der Wehra kann Wehr auf eine lange Industriegeschichte zurückblicken. Bereits im 13. Jahrhundert lieferten Glashütten aus der Herrschaft Wehr „walt glas“ bis nach Schaffhausen und Basel. Später florierte hier das Schmiedehandwerk. 1494 gründete sich der Eisen- und Hammerbund aus lokalen Schmelzen und Hammerschieden. 1863 kam die Textilindustrie nach Wehr, 1864 wurde die Papierfabrik Lenz erreichtet – sowohl das Wasser selbst als auch die Kraft des Flusses wurden für die Produktion genutzt.
  • Welche Kraftwerke gibt es heute? Seit 1976 gibt es den Wehrastausee als Teil des Kavernenkraftwerks – eines der leistungsstärksten in Deutschland. Unterhalb der Wehra befinden sich die Wasserkraftwerke der Papierfabrik Lenz in der Wehrer Innenstadt und der Firma Brennet in Brennet-Öflingen. Unterhalb der Haselmündung liegt das Wehr der ehemaligen Firma Dreiländereck. Dazu gibt es oberhalb des Wehrabeckens noch einige kleinere Wasserkraftanlagen. Eine Übersicht gibt es im Internet (www.energieatlas-bw.de/wasser/bestehende-wasserbauwerke).
  • Wo wird gerade gebaut? Energiedienst hat das Kraftwerk in Öflingen gepachtet und in diesem Sommer die Sanierung fertiggestellt. Auch die Sanierungsarbeiten der Schluchseewerk AG am Wehrastausee befinden sich in der Endphase. Die Papierfabrik Lenz und deren Inhaber Herbster Hülsen aus Schopfheim bauen gerade ein neues Flusskraftwerk auf Höhe des Wehra-Areals. Dieses soll das bisherige Ausleitungskraftwerk ersetzen. Außerdem soll am Wehr der ehemaligen Firma Dreiländereck ein Flusskraftwerk ohne Ausleitung entstehen, erklärt Pressesprecherin Susanna Heim vom Landratsamt Waldshut.
  • Wie viele Kraftwerke darf es geben? „Jedes einzelne Gewässer und jeder einzelne Standort sind als Einzelfall zu behandeln“, erklärt Susanna Heim, Pressesprecherin beim Landratsamt Waldshut. Eine genaue Vorgabe gebe es nicht. Ausschlaggebend sei die ökologische Wertigkeit des Gewässers und die Auswirkungen der Anlage darauf. Beim Bau muss eine Mindestwassermenge im Fluss erhalten blieben und die sichere Durchgängigkeit für die im Fluss lebenden Tiere in beide Richtungen ermöglicht werden. Dazu hängt die Leistung eines Kraftwerks vom Wasserangebot und der nutzbaren Fallhöhe ab. Darum können an größeren Gewässern leistungsfähigere Kraftwerke eingerichtet werden.