Ein 60-jähriger Wehrer wurde vor dem Amtsgericht Bad Säckingen wegen Trunkenheit im Verkehr und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte schuldig gesprochen. Eine Polizeistreife, die sich im August 2020, früh morgens gegen vier Uhr, auf dem Weg zu einem Einsatz in Todtmoos befand, entdeckte den Wagen des Angeklagten, der im Wehratal, auf einem Parkstreifen direkt neben der Fahrbahn stand.

Die Polizeibeamten näherten sich dem Fahrzeug, da sie eine männliche Person am Steuer sahen, die nach vorne gebeugt, in sitzender Position, bewegungslos verharrte. Eine medizinischer Notfall, war nach Angaben der Polizisten, der erste Gedanke und Grund für die Kontrolle. Letztendlich stellte sich heraus, dass der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt stark alkoholisiert war. Das später erstellte Gutachten bescheinigte einen Blutalkoholgehalt von 1,73 Promille.

Aus Sicht der Polizisten

Die Polizisten gaben vor Gericht an, dass sie den Angeklagten nur sehr schwer hätten wecken können. Einfache Ansprache habe nicht gereicht, sie hätten ihn kräftig schütteln müssen. Eine Messung der Atemalkoholkonzentration vor Ort sei nicht möglich gewesen, da der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt so stark alkoholisiert gewesen sei, dass er an der Ausführung mehrfach scheiterte.

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Der weitere Verlauf des Einsatzes war recht unproblematisch und der Angeklagte kooperativ, bis es im Krankenhaus zur Blutentnahme kommen sollte. Dort sperrte er sich plötzlich und wehrte sich auch aktiv, so dass mehrere Polizisten nötig waren, um die Blutentnahme mit Zwang durchsetzen zu können.

Im Verfahren präsentierte die Verteidigung dann ein Gutachten, dass dem Angeklagten eine Spritzenphobie attestierte. Diese in Verbindung mit dem hohen Alkoholisierungsgrad habe dazu geführt, dass sein Mandant in diesem Punkt nicht schuldfähig sei, so der Verteidiger.

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Auch die Antreffsituation des Angeklagten, schlafend, betrunken, im Auto sitzend, sei kein Beweis dafür, dass sein Mandant schon betrunken zum Antreffort gefahren sei. Er habe sich ebenso vor Ort betrinken können. So forderte der Anwalt in allen Anklagepunkten Freispruch und Aushändigung des eingezogenen Führerscheins.

Richterin sieht Schuld

Die vorsitzende Richterin sah dies anders und die Schuld des Angeklagten in beiden Anklagepunkten für gegeben. Die Spritzenphobie sei zwar bestätigt, doch sei der Angeklagte in diesem Punkt nicht schuld- oder steuerungsunfähig gewesen. Die Behauptung, der Angeklagte habe sich vor Ort betrinken können, sei durch nichts gestützt, und eine Suche der Polizisten im und um das Auto habe keinerlei Hinweise darauf gebracht. So erging das Urteil von 60 Tagessätzen zu 30 Euro. Eine neue Fahrerlaubnis darf er erst nach Ablauf von sechs Monaten beantragen. Der Angeklagte hat die Möglichkeit von Rechtsmitteln Gebrauch zu machen.