Gelichtet waren die Reihen im Parkett und auf dem Podium, als die Stadtmusik am Wochenende zu ihren Herbstkonzerten vor jeweils maximal 150 Zuhörern in die Stadthalle bat. Doch die Corona-Krise setzte kreative Kräfte frei, und so erlebte man die Kapelle, wie man sie noch nie gehört hatte, nämlich aufgeteilt in acht Ensembles. Und das Sonntagskonzert war nicht nur eine Wiederholung, sondern eine Aufführung mit eigenem Programm.

Die „Zukunftsmusik“ unter Leitung von Tobias Zwicky.
Die „Zukunftsmusik“ unter Leitung von Tobias Zwicky. | Bild: Michael Gottstein

„Genießen Sie den Auftritt, vielleicht gibt es bald gar keine Konzerte mehr“, meinte der Vorsitzende Harald Vesenmeier mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen. Die Stadtmusik jedenfalls tat alles, um das Risiko auszuschalten: Es gab keine langen Schlangen vor dem Einlass, Spender mit Desinfektionsmitteln standen bereit, und die Mitglieder achteten darauf, dass Masken getragen und die Kontaktblätter korrekt ausgefüllt wurden.

Die „Zukunftsmusik“ unter Leitung von Tobias Zwicky.
Die „Zukunftsmusik“ unter Leitung von Tobias Zwicky. | Bild: Michael Gottstein

Weil das ganze Orchester unter Pandemiebedingungen nicht in die Probenräume gepasst hätte, wurde die Kapelle in acht Ensembles aufgeteilt. „Das ergab schöne und interessante Konstellationen“, berichtete Dirigentin Birgit Trinkl. Als Einheit auftreten durfte aber die „Zukunftsmusik“, deren Größe den Auflagen gerecht wurde. Unter Leitung von Tobias Zwicky präsentierten die jungen Musiker einen Marsch, Filmmusik aus Jurassic Park und den „School Spirit“, bevor sie sich mit einer Zugabe verabschiedeten.

Mit orchestraler Fülle: Das Blechbläserensemble der Stadtmusik.
Mit orchestraler Fülle: Das Blechbläserensemble der Stadtmusik. | Bild: Michael Gottstein

Den Reigen der Ensembleauftritte eröffneten die Flöten, Oboen sowie das einzige Fagott mit Unterstützung des Schlagzeugs. All diese Blasinstrumente sind auf den Grundton C gestimmt, was auch den Namen „Alles in C“ erklärt. „Wir hätten auch sagen können: Alles Mädchen“, so die Dirigentin, denn aller Gendertheorie zum Trotz gibt es bei der Stadtmusik eine geschlechtsspezifische Instrumentenwahl.

Auf C gestimmt: Die Flöten, Oboen und das Fagott der Stadtmusik.
Auf C gestimmt: Die Flöten, Oboen und das Fagott der Stadtmusik. | Bild: Michael Gottstein

Leicht und anmutig präsentierten die Querflöten die Melodie zu „Pippi Langstrumpf„, während der nasale Charakter der Holzbläser den Grundrhythmus anstimmte, der so gut zu dieser etwas skurrilen Figur passt. In zwei klassischen Stücken waren die Flötistinnen unter sich, danach durften in „Can you feel the love tonight“ die beiden Oboen und das Fagott ins Rampenlicht treten.

Die Schüüredordängler brillierten mit böhmisch-mährischem Repertoire.
Die Schüüredordängler brillierten mit böhmisch-mährischem Repertoire. | Bild: Michael Gottstein

Nach dieser kammermusikalischen Intimität konnte man die orchestrale Fülle des Blechbläserensembles in „New York, New York„ erleben. Dass die Musiker sehr sauber und klangschön intonieren können, zeigten sie in zwei Beatles-Stücken, während die Trompeten ihre Brillanz in den „Glorreichen Sieben“ ausspielten. Schöne dynamische Kontraste und einfühlsames Spiel zeichneten die „West Side Story„ aus, und auch für das Chanson „La mer“ brachte das Ensemble die nötige Geschmeidigkeit auf.

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Vereinsintern werden die Waldhörner auch „Glücksspiralen“ genannt, denn „man braucht Glück, um den richtigen Ton zu treffen“, wie Birgit Trinkl scherzhaft anmerkte und damit – ganz ernsthaft – sagen wollte, dass diese Instrumente nicht leicht zu spielen sind. Die fünf Hornisten erwiesen sich jedenfalls als treffsicher und präsentierten „Vor den Toren Jerichos„ sowie den „Fluch der Karibik„. Besonders schön kam der weiche, warme Klang des Waldhorns in der Arie „Summertime“ aus „Porgy and Bess„ zur Geltung. Ein gemischtes Ensemble sind die „Schüüredordängler“, die den Polka-Traditionen Böhmens und Mährens ihre Reverenz erwiesen. In bester Spiellaune, mit genügend Virtuosität sowie zupackenden Rhythmen und klangschöner Melodienseligkeit bescherten sie den Zuhörern einen heiteren Konzertabschluss. Am Sonntag durften sich Klarinetten, Tenorhörner, Tuben, Saxophone und wiederum das Blechbläserensemble vorstellen.

Stadtmusikintern auch „Glücksspiralen“ genannt: Das Hornistenensemble.
Stadtmusikintern auch „Glücksspiralen“ genannt: Das Hornistenensemble. | Bild: Michael Gottstein
Auf C gestimmt: Die Flöten, Oboen und das Fagott der Stadtmusik.
Auf C gestimmt: Die Flöten, Oboen und das Fagott der Stadtmusik. | Bild: Michael Gottstein

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