Die Mitglieder der evangelischen Gemeinde Wehr und Öflingen haben dem Verkauf der Liegenschaften in Öflingen zugestimmt. Auch wenn viele Gläubige etliche Erinnerungen mit der Christuskirche verbinden und sie sich an der Gemeindearbeit und der Ausstattung des Gotteshauses beteiligt hatten, herrschte Erleichterung darüber, dass die Stadt Wehr das Gebäude erwirbt und dort auch künftig Gottesdienste abgehalten werden können.

Vor einem Jahr habe man erste Überlegungen vorgestellt und die Anregungen aus der Gemeinde berücksichtigt, erklärte der Kirchengemeinderatsvorsitzende Lutz Jacobi. Ein Verkauf sei unausweichlich, denn man müsste im Laufe der nächsten Jahre etwa 450.000 Euro in die Kirche und den Gemeindesaal investieren. „Das wäre finanziell nicht machbar, denn wir bekämen dafür keine Zuschüsse“, sagte Versammlungsleiter Karl-Wilhelm Frommeyer.

Für den Erhalt wären hohe Investitionen nötig

Die Landeskirche habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sondern alle Kirchen genau untersucht und beschlossen, welche erhalten werden müssen und welche verkauft werden dürfen. Für die hiesige Gemeinde war klar, dass ein Abriss ebenso wenig wie eine Nutzung als Disco infrage kam.

Drei Investoren hatten Interesse angemeldet, aber einer von ihnen wollte die Kirche abreißen. Schließlich blieb als Wunschkandidat die Stadt Wehr übrig. Sie wird das Gotteshaus samt Saal erhalten, sanieren und für kulturelle Zwecke nutzen. Am 1. Januar 2023 wird sie die Liegenschaft übernehmen und garantieren, dass mindestens zwei Jahre lang ein Gottesdienst pro Monat gefeiert werden darf.

Das Glasfenster bleibt in der Christuskirche, für das Mobiliar des Altarraums sucht die Gemeinde mit Hilfe des Gustav-Adolf-Werks eine ...
Das Glasfenster bleibt in der Christuskirche, für das Mobiliar des Altarraums sucht die Gemeinde mit Hilfe des Gustav-Adolf-Werks eine Verwendung in einer anderen Kirche. | Bild: Michael Gottstein

Noch offen ist, wo die Kindergottesdienste und die Proben des Kinderchores stattfinden können. „Wir suchen nach Lösungen“, versprach Lutz Jacobi. Auf jeden Fall habe man die Option erhalten, die Veranstaltungen nach Wehr zu verlagern oder den Öflinger Saal zu mieten.

Die Stadt Wehr erwirbt die Christuskirche in Öflingen, während das ehemalige Pfarrhaus und die beiden neu erschlossenen Baugrundstücke ...
Die Stadt Wehr erwirbt die Christuskirche in Öflingen, während das ehemalige Pfarrhaus und die beiden neu erschlossenen Baugrundstücke an Privatleute verkauft werden. | Bild: Michael Gottstein

Das Pfarrhaus soll ebenso wie die zwei auf dem Grundstück des Pfarrgartens neu ausgewiesenen Bauplätze an junge Familien verkauft werden. Käufer ließen sich leicht finden, aber die Gemeinde musste Geld und viel Arbeit investieren: Nutzungsrechte waren zu klären, und Stromkabel sowie die teils kreuz und quer verlaufenden Leitungen mussten verlegt werden. Noch nicht ganz klar ist, was mit der Kirchenausstattung geschieht.

Das Glasfenster bleibt in der Christuskirche, für das Mobiliar des Altarraums sucht die Gemeinde mit Hilfe des Gustav-Adolf-Werks eine ...
Das Glasfenster bleibt in der Christuskirche, für das Mobiliar des Altarraums sucht die Gemeinde mit Hilfe des Gustav-Adolf-Werks eine Verwendung in einer anderen Kirche. | Bild: Michael Gottstein

Für Altar, Taufstein, Lesepult und Osterkerzenständer sucht die Gemeinde über das Gustav-Adolf-Werk eine sinnvolle Verwendung; das Werk unterstützt weltweit protestantische Gemeinden in der Diaspora. Die Orgel und das Farbglasfenster bleiben in der Kirche, und der Flügel gehört bereits der Stadt. Was mit den Kirchenbänken geschieht, ist noch offen.

Das Gemälde des Künstlers El Loko gehört dem Verein Kunst und Diakonie.
Das Gemälde des Künstlers El Loko gehört dem Verein Kunst und Diakonie. | Bild: Michael Gottstein

Einige Gemeindemitglieder stellten Nachfragen zum Kaufpreis. Darüber sei mit der Stadt Stillschweigen vereinbart worden, so Karl-Wilhelm Frommeyer. Ein Teil des Erlöses fließt in die Tilgung von Darlehen, die die Gemeinde von der Landeskirche für Renovierungsarbeiten bekommen hatte. Die Zahlen werden im nächsten Haushaltsplan aufgeführt. „Er wird wie immer im Pfarramt ausgelegt, aber wir möchten die Zahlen jetzt nicht an die Öffentlichkeit tragen“, so Jacobi.

Die Kirchengemeinde wirtschaftet grundsätzlich solide und wird den Haushalt 2022/23 mit einem positiven Ergebnis abschließen. Weil wegen der Corona-Pandemie Veranstaltungen abgesagt werden mussten, war der Überschuss des Haushaltes 2021 mit 20.000 Euro höher als erwartet.

Wie funktioniert eine Entwidmung?

Hier die Antwort:

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