„2020 sind wir dank der Hilfen von Bund und Land mit einem blauen Auge durch die Corona-Zeit gekommen, 2021 wird für die Stadt Wehr finanziell ein bitteres Jahr“ – so brachte Bürgermeister Michael Thater im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Gemeinderats die aktuelle Finanzsituation auf den Punkt. In Zahlen bedeutet dies: Der Haushaltsplanentwurf für 2021, den der Gemeinderat im Dezember noch beraten und beschließen muss, weist eine Deckungslücke von rund 3,5 Millionen Euro auf. Dieses negative Ergebnis soll nun durch den Griff in die Rücklagen und eine Darlehensaufnahme von 2 Millionen Euro ausgeglichen werden. „Wir haben uns bewusst für die Aufnahme neuer Schulden entscheiden“, erklärte Thater mit Blick auf die aktuelle Niedrigzinsphase. Theoretisch hätte man das Loch auch allein mit „liquiden Mitteln“ (Rücklagen) stopfen können, damit wären diese aber 2022 aufgebraucht.

Das 2021 ein schwieriges Jahr für die Stadt werden würde, war keine Überraschung; dies hatte sich schon im Vorjahr bei der langfristigen Finanzplanung angedeutet: Höhere Umlagenzahlungen bei gleichzeitig sinkenden Zuwendungen aus dem Finanzausgleich hatten sich da bereits angekündigt. Dass das Loch allerdings so groß sein würde, ist mittelbare Folge der Corona-Pandemie. So plant Stadtkämmerer Erich Götz mit deutlichen Einbußen bei den Steuereinnahmen: Insgesamt 1,5 Million weniger Gewerbe- und Einkommensteuer.

Stadt investiert 7,5 Millionen Euro

In früheren Jahren hatte der Finanzausschuss mit wahren „Streichorgien“ versucht, eine Darlehensaufnahme zu vermeiden, nicht so in diesem Jahr: Sämtliche im Haushaltsplanentwurf der Stadtverwaltung aufgelisteten Posten blieben unangetastet. Teils in der Hoffnung, dass sich die finanzielle Lage nach Corona doch schneller als erwartet erholt, teils aber auch, um zur Not noch etwas zum Streichen zu haben, falls doch noch härter kommt, wie Stadtrat Mathias Scheer (FW) formulierte. So gelten beispielsweise die 300.000 Euro eingeplanten Abrisskosten für das alte Krankenhaus als Posten mit geringerer Priorität.

Das könnte Sie auch interessieren

Andere Investitionen sind hingegen fest eingeplant: Allen voran die 3 Millionen Euro für den Neubau des Kindergartens Seeboden. 1,1 Millionen Euro sind für den Umbau des Stauwehrs beim Wehra-Areal geplant. Für die Sanierung des dritten Abschnitts der Breitmattstraße stehen 830000 Euro bereit, für Grundstückskäufe sind 800.000 einkalkuliert. Ins Brennet-Areal muss im kommenden Jahr zwei Mal investiert werden: 560.000 Euro für den Bau einer Stichstraße, für den ersten Teilbetrag für das Ärztehaus werden eine halbe Million Euro bereitgestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Zu guter letzt stehen für notwendige Brandschutzmaßnahmen an der Talschule 250.000 Euro bereit. Neben diesen Investitionen stehen aber noch Mittel bereit, die aus dem Haushalt 2020 zur Verfügung stehen: 5,8 Millionen Euro für den Breitband-Ausbau sowie rund 2,9 Millionen Euro für das Brennet-Areal.

Das könnte Sie auch interessieren