Was hat es eigentlich mit der Auszeichnung vom European Energy Award (EEA) für die Stadt Wehr auf sich? Ein europäisches Gütezertifikat in den Bereichen Nachhaltigkeit, von lokaler Energie- sowie der Klimaschutzpolitik bewertet die Schritte und die Anstrengungen vor Ort. Erst bei überdurchschnittlicher Betriebsamkeit besteht überhaupt die Chance, eine Auszeichnung zu erhalten. Wehr hat als zweite Kommune im Landkreis das Ziel erreicht und kann sich fortan als zertifizierte EEA-Kommune rühmen. Wie bei der Schadstoffklasse eines Autos, Wehr liegt jetzt im grünen Bereich.

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Jeder Immobilieneigentümer kennt das Spiel mit dem Energieausweis für sein Gebäude: Anreize durch Fördertöpfe, Grundüberlegungen bei der Errichtung oder Sanierung und ein abgestimmter Handlungsplan bestimmen die Maßnahmen. So auch bei einer Kommune. Wehr hatte 2013 beschlossen, sich der Erfassung, Bewertung, externen Überprüfung und einer Umsetzung von Zielen unter den Maßgaben des EEA anzuschließen.

Energie- und Klimaschutz auf dem Prüfstand

Die Energie- und Klimaschutzpolitik der Stadt kam seit dem auf den Prüfstand „und das war nicht immer Vergnügungssteuerpflichtig“, räumte Bürgermeister Michael Thater bei einem Pressegespräch ein. Die Kommunalpolitik war da erst einmal außen vor. Innerhalb der Verwaltung hat sich ein „Energieteam“ gebildet; heute mit dem Klimaschutzmanager Sven Geiger on top sowie Vertretern aus allen Stadtämtern – Anna Meier, Simone Oßwald, Clemens Thoma, Stefanie Trierweiler und Carina Wanowski, die zum Teil seit 2013 dabei sind und sich regelmäßig weiterbilden. Ein Qualitätsmanagementsystem ist im Hinblick auf Energieeffizienz in der Kommune entstanden.

Der Bau des Nahwärmenetzes, die Verkehrsberuhigung in der Hauptstraße, neuer Radweg, der Bürgerbus und der Expressbus, energetische Vorgaben umsetzen sowie die Förderung der E-Mobilität in der Stadt sind im Audit-Bericht erwähnt. Die Verbesserungspotenziale in der Stadt standen im Mittelpunkt „und diese Anstrengungen werden weitergeführt“, Thater gab die kommenden Planungen bereits teilweise preis. „Die Kläranlage als energieautarke großtechnische Einrichtung könnte zum Prototyp werden“, ein weiteres Blockheizkraftwerk, das mit den Klärschlammgasen die Strom- und Wärmeerzeugung unterstützt, letztendlich auch ein Batteriespeicher – die Planungen sind dafür angelaufen. Im klassischen Managersprech heißt das heute: Institutionalisierung von Erfolgen und Kontrolle. Dafür ist Sven Geiger zuständig. Über die aktuelle EEA-Prämierung hinaus, werden die nächsten Schritte angegangen. Energetische Gebäudesanierungen, das städtische Wasserwerk und die Bürgerstiftung rücken verstärkt in den Mittelpunkt. Die Umstellungen bei der Straßenbeleuchtung auf LED werden forciert, „letztendende müssen wir auch die Belüftung genauer ins Visier nehmen, was ein großes Invest in Anlagen bedeutet“, skizzierte Geiger den kommenden Weg.