Am Anfang ist immer ein Gedanke, am Ende steht das Bild. „Ich frage mich: Wie kann ich das, was mich beschäftigt, umsetzen?“, sagt Anthony Agbovi. Er ist Künstler, Aktivist, Familienvater, Manager. Das Malen ist für ihn Beschäftigung, Freiheit und Sprache zugleich. Dabei fand das künstlerische Schaffen lange Zeit keinen Platz in seinem Leben. Heute sind seine rund 200 Bilder ein elementarer Bestandteil davon, überall in seinem Haus begegnet man ihnen. „Meine Bilder sind Teil der Familie.“

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Agbovis Zuhause ist ein Museum ohne Strenge. „Meine Bilder darf man anfassen“, lacht er und streicht über eines der Gemälde, die in seinem Wohnzimmer alle Wände füllen. Als für eine Ausstellung einige seiner Werke in Zürich hingen, sei seine Frau traurig geworden, weil es in den eigenen vier Wänden so kahl gewesen ist, erzählt Agbovi. Seine Bilder sind keine statischen Objekte, die einfach nur schön anzuschauen sind. Sie tragen das Leben selbst in sich: Sie sind mal bunt, mal düster, sie wollen provozieren und erzählen von der Liebe. „Wir Menschen sind nicht immer gleich, wir entwickeln uns. Und so sind auch meine Bilder, manche übermale ich nach einer bestimmten Zeit“, sagt Agbovi, der eigentlich gar kein Künstler hätte werden sollen.

Seine ersten Bilder malte er in die Erde seiner ghanaischen Heimat. „Mein Vater war Bauer. Wir hatten einen Innenhof, dort war der Sand ganz fein und weich. Darin habe ich mit den Händen gemalt“, erinnert sich Agbovi. Die Vorstellung Künstler zu werden, zerrann jedoch wie seine Bilder aus Sand: „Ich sollte in die Schule um Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen und nicht um Kunst zu studieren.“

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Der junge Anthony Agbovi verfolgte den konventionellen Bildungsweg und lernte mit 21 Jahren eine Frau aus Deutschland kennen und lieben, die damals für ein freiwilliges soziales Jahr in Ghana lebte. „Als wir unseren ersten Sohn bekamen, sind wir nach Deutschland“, erklärt Agbovi. Die kleine Familie zog in den Osten des Landes: In Halle und Görlitz machte Agbovi sein anerkanntes Abitur und studierte danach in Leipzig. Für den Berufseinstieg kehrten die Agbovis zurück nach Ghana. „Ich habe bei der Botschaft gearbeitet, meine Frau an einer deutschen Schule – bis sie sich in Basel auf einen Job als Erzieherin beworben hat“, berichtet Agbovi aus seiner Geschichte, die ihn 2013 erneut nach Europa führte. Es ist ein Schlüsselmoment in seinem Leben: Er beginnt zu malen.

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„Ich bin ein zielorientierter Mensch. Damals sind viele Dinge nicht so gekommen, wie ich sie mir gewünscht habe. Ich hatte einen Tiefpunkt erreicht“, erzählt Agbovi von der Zeit, als er zum ersten Mal seit seiner Kindheit wieder zu Stift und Pinsel griff. Autodidaktisch eignete er sich Stück für Stück die Techniken an. Zu malen war und ist für ihn ein Ventil für alles, was ihn umtreibt. „Ich habe nicht gesagt: Ich will jetzt Künstler werden. Wenn ich male, beschäftige ich mich.“

Der Umgang und die Zerstörung unserer Umwelt, das kulturelle Miteinander, die Ausgrenzung von Menschen aus der LGBTQ+ Community in afrikanischen Ländern oder die dortige Verbannung von Menschen mit Albinismus – alles das findet sich in Agbovis Werken, die sich jeglicher Genre-Zuweisung und realistischen Ansprüchen entziehen. Die Bilder regen an, sowie es gelungene Kunst eben tut.

Zusage für Ausstellung

Große Wertschätzung für seine Bilder und seine Person erfährt Agbovi von seinem Nachbar Klaus Denzinger. Zwischen den beiden hat sich in den vergangenen Monaten ein äußerst kameradschaftliches Verhältnis entwickelt, wie der Alt-Bürgermeister selbst sagt. Mittlerweile ist Denzinger so etwas wie Agbovis Manager. „Ich habe in der Region viele Kontakte und Bekanntschaften. Anthony zu helfen ist für mich Ehrensache.“ Und die Zusammenarbeit fruchtet: Der Wehrer Kulturamtsleiter Frank Wölfl hat einer Ausstellung im Alten Schloss bereits zugesagt.