Für Bachforellen gibt es keine Pandemie-Beschränkungen: Die Jungfische dürfen bereits jetzt in ihre „Kindergärten“ zurück. Insgesamt rund 3300 Jungfische wurden kürzlich von den Wehrer Angelsportlern in die Nebenarme der Wehra ausgesetzt. Nachgezogen wurden die Bachforellen von Züchter Günter Wassmer um den Bestand der heimischen Art zu stärken.

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Es muss schnell gehen an diesem Samstag morgen, wenn Züchter Günter Wassmer die Jungfische in eine belüftete Transportbox setzt. Von Mambach im Wiesental aus geht es ins Wehratal. Hier stehen die Wehrer Angelsportler in Gersbach, am Mühlengraben und in Öflingen bereit: die nachgezogenen Forellen sind empfindlich und müssen so schnell wie möglich zurück in fließendes Wasser. „Sie sind unterwegs“ – Michael Gross hat die Gummistiefel bereits in der Hand, als der Anruf kommt. Zusammen mit Sohn Tobias wird er den Besatz im Mühlengraben vornehmen.

Im Transporter: Die wenige Monate alten Bachforellen werden in der Transportbox mit Sauerstoff versorgt. Doch die empfindlichen Tiere müssen schnellstmöglich wieder ausgesetzt werden.
Im Transporter: Die wenige Monate alten Bachforellen werden in der Transportbox mit Sauerstoff versorgt. Doch die empfindlichen Tiere müssen schnellstmöglich wieder ausgesetzt werden. | Bild: Julia Becker

„Wegen Corona sind wir etwas später dran. Aber so konnten die Jungfische auch noch etwas wachsen“, informiert Gross. Als Matthias Ebi vom Fischerverein mit den Forellen im Kofferraum ankommt, sind alle bereit: Mit einem Kescher werden die Fische in einen Eimer umgesetzt, dann geht es in den Bach. Über die Länge verteilt, gießt Gross die etwa fünf Zentimeter langen Fische vorsichtig ins Wasser. Bachforellen sind Raubfische: „Selbst die Jungfische attackieren sich gegenseitig, auch darum müssen wir sie schnell aussetzen“, weiß Ebi.

Im Kindergarten: Die kleinen Seitenarme der Wehra von Gersbach bis ins Enkendorf sind die Kinderstube der Jungfische. Größere Bachforellen wandern zumeist Richtung Wehra, wo sie mehr Platz und auch mehr Futter finden.
Im Kindergarten: Die kleinen Seitenarme der Wehra von Gersbach bis ins Enkendorf sind die Kinderstube der Jungfische. Größere Bachforellen wandern zumeist Richtung Wehra, wo sie mehr Platz und auch mehr Futter finden. | Bild: Julia Becker

„80 bis 90 Fische auf 100 Meter wären gut, ungefähr einen Fisch pro Meter. Wir versuchen eine Alterspyramide aufzubauen, also mehrere Jahrgänge gleichzeitig anzusiedeln. So kann sich die Bachforelle langfristig auch wieder selbst reproduzieren“, erklärt Matthias Ebi. Dafür werden in diesem Jahr nach den wenigen Monate alten Jungfischen auch einjährige sogenannte Sömmerlinge ausgesetzt – alles selbstverständlich ausschließlich Nachzuchten von Elterntieren aus der Wehra und ihren Nebenflüssen.

Video: Julia Becker

Seit 2017 kümmern sich die Wehrer Angelsportler gezielt um die heimische Bachforelle. Im Rahmen eines fünfjährigen Projekts soll die heimische Art wieder gestärkt werden. Lange Zeit setzte man auf die schnell wachsende Regenbogenforelle aus Nordamerika: „Bei viele Vereinen gibt es ein Umdenken, weg vom Besatz so viel und billig wie möglich“, so Ingo Kramer vom Landesfischereiverband in Freiburg. Der Aufwand der Fischer ist groß: Im November ging es mit Wathosen und mit Elektrokescher in die eiskalten Bäche, um erwachsene Bachforellen für die Nachzucht zu fangen.

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Wie wichtig diese ist, wurde dabei schnell klar: Eigentlich sollte pro Meter Bach auch ein Fisch leben – statt der zu erwartenden 20 bis 40 Fischen fingen die Angelsportler aber teilweise nur zwei Tiere. Die möglichen Gründe hierfür sind zahlreich: Die Bachforelle reagiert empfindlich auf aufgewirbelten Schlamm und hohe Temperaturen. Dazu kommt die schneller wachsende Regenbogenforelle als Futterkonkurrent, erklärt der Vereinsvorsitzende Winfried Eckert.

Die Ausbeute eines langen Herbsttages waren vergangenes Jahr nur 50 Elterntiere. Die Forellen wurden ins Wiesental gebracht, in die Fischteiche von Günter Wassmer. Hier finden sich ähnliche Bedingungen wie in der Wehra, optimal für die Nachzucht.

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Erstmal war aber Geduld gefragt: Je nach Umgebungsbedingungen und Alter sind die Fische erst zu unterschiedlichen Zeiten zur Fortpflanzung bereit. Im Brutschrank des erfahrenen Züchters schlüpften im Frühjahr schließlich mehrere tausend Jungfische, welche Wassmer mit viel Aufwand hegte und pflegte.

Im Transporter: Die wenige Monate alten Bachforellen werden in der Transportbox mit Sauerstoff versorgt. Doch die empfindlichen Tiere müssen schnellstmöglich wieder ausgesetzt werden.
Im Transporter: Die wenige Monate alten Bachforellen werden in der Transportbox mit Sauerstoff versorgt. Doch die empfindlichen Tiere müssen schnellstmöglich wieder ausgesetzt werden. | Bild: Julia Becker

Ob die diesjährige Aktion von Erfolg gekrönt ist, wird sich erst im Herbst zeigen: „Die besetzten Bäche werden von uns seit vielen Jahren nicht mehr befischt“, sagt Vereinsvorsitzender Winfried Eckert. Erst im Oktober oder November werden die Angelsportler hier wieder nach Elternfischen suchen, um die nächste Generation Bachforellen nachzuzüchten.

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