Springt da nicht eine Antilope aus dem Bilderrahmen? Warum trägt das Tier Brokkoli-Hörner? Und überhaupt: Was hat es mit den hybriden Wesen auf sich? Es ist Kunst von sechs Meisterschülern der Kunstakademie Karlsruhe, die zum ersten Mal gemeinsam in der Galerie im Alten Schloss in Wehr ausstellen. Nicht von ungefähr haben sie in der Gewissheit ihres Könnens den Ausstellungstitel „Pingo ergo sum“ ersonnen, was so viel heißt wie: „Ich male, also bin ich“ und eine witzig-selbstbewusste Abwandlung des berühmten philosophischen Grundsatzes von René Descartes ist: „Ich denke, also bin ich.“

Die sechs Meisterschüler der Karlsruher Akademie, die im Alten Schloss in Wehr ausstellen (von links): Hojeong Lee, Nao Kikuchi, Minja Caesar, Anna Köpnick, Leon Kasparek und Christoph Nuber.
Die sechs Meisterschüler der Karlsruher Akademie, die im Alten Schloss in Wehr ausstellen (von links): Hojeong Lee, Nao Kikuchi, Minja Caesar, Anna Köpnick, Leon Kasparek und Christoph Nuber. | Bild: Jürgen Scharf

Der abgewandelte Satz resultiert aus der eigenen Erkenntnisfähigkeit, dass sie gut malen und zeichnen können. Und das steht außer Frage. Die Studenten belegen die Studiengänge des Bereichs Kunst und haben Professoren, die Malerei mögen. Nicht selbstverständlich, war Malerei an den Kunstakademien lange Zeit eher verpönt und musste sich in Konkurrenz zu Installationen, Videos und Performances behaupten. Mittlerweile hat sich die Malerei bewiesen und neu erfunden.

Das Brokoreh von Minja Caesar aus der Wehrer Ausstellung.
Das Brokoreh von Minja Caesar aus der Wehrer Ausstellung. | Bild: Jürgen Scharf

Dass sie wieder im Kommen ist, sieht man schon, wenn man die Treppe hochgeht, den Ausstellungsraum betritt und vor den großen Figurenbildern Anna Köpnicks steht. Die aus Steinen stammende Initiatorin, die ihre Mitaussteller zusammengebracht hat, präsentiert an der dominierenden Stirnwand die verdoppelte Figur einer Tänzerin in Lebensgröße. Köpnick, die im nächsten Monat mit dem Studium fertig ist, liebt surreal-traumhafte Situationen. Ihr Bild „Zuschauer“ zeigt einen Frauen­akt, der sich von einer Gruppe abwendet. Zwar kein Selbstbildnis, aber die junge Künstlerin hat sich als Figur selbst verwendet und die Blickrichtungen verschoben: ein Spiel mit Erwartungen.

Zusammenarbeit

Bis zu fünf Jahren haben alle miteinander studiert; man kennt sich, einige haben im Atelier zusammengearbeitet. So passt die Ausstellung, die sie selbst arrangiert haben, gut zusammen. Nicht nur Malerei war geplant, sondern eine Übersicht über die Hochschulklasse.

Originell

Dabei kommen originelle Arbeiten zusammen. Neben der figürlichen Malerei von Köpnick (die im Lockdown zu Hause viel gezeichnet hat, weil das Atelier in der Akademie dicht war), ist Witziges von Minja Caesar zu sehen. Etwa die surreale Collage „Sushi-Ente“, deren Namen Programm ist, obwohl sie aus Smarties besteht. Von Caesar stammt das oben beschriebene „Brokoreh“ und weitere hybride Tier-Gemüse-Mischwesen, die in den Raum ausgreifen und die Hingucker der Schau sind. Seinen Spaß hat man auch beim Anschauen ihres Videos mit lustigen Animationen.

Auffälig

Auffallend sind auch die großen Bildfahnen von Leon Kasparek auf Transparentpapier mit Lockdown-Motiven, in denen er das Gegenteil von räumlicher Distanz und Abstandsregeln zeigt: Menschen bei einer Rangelei. Dass man sich beim Aufbau nie gestritten hat und gut harmonisiert, sich gegenseitig ergänzt, verraten nicht zuletzt die zurückhaltenderen Arbeiten, die nicht so direkt ins Auge fallen, aber dennoch schön platziert sind.

Zurückhaltend

Darunter sind die Bilder der Japanerin Nao Kikuchi mit ihren Motiven Fenster, Türen, Vorhänge. Oder die gezeichneten persönlichen Dinge wie T-Shirt, Tasche, Zimmer und ihre in Südkorea zurückgelassene Katze von Hojeong Lee. Geschichten erzählt auch Christoph Nuber in seinen Schattenbildern mit Motiven aus Mauern, Backstein, Graffiti und Wänden.