Die Verabschiedung dauerte rund eine Stunde, die aber wie im Fluge verging, denn Ligia de Thiemann versteht sich auf die Kunst, ihre Zuhörer charmant zu unterhalten. Gerne erzählte sie von ihren pädagogischen Methoden, den Erlebnissen mit ihren unzähligen Schülern, ihrer ersten linguistischen Begegnung mit Deutschland in Form des Wörtchens „Schnuckelputz“, das sie so faszinierend fand, und natürlich der Kultur des spanischsprachigen Raums. „Sprache ist nicht nur Grammatik, Sprache bedeutet auch Kultur und Lebensgefühl“, erklärte die Dozentin.

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Neben ihrer Verlässlichkeit, Kontinuität und Professionalität war es diese soziale Kompetenz, die für den Erfolg ihrer Kurse verantwortlich war – viele Schüler hielten ihr über Jahrzehnte die Treue und gingen mit ihr auf Studienreisen durch die spanischsprachigen Länder. Ligia de Thiemann sei auch neuen didaktischen Methoden gegenüber offen gewesen und habe das Vertrauen der anderen Dozenten genossen, so dass sie viele Jahre lang dem Beirat der VHS angehört habe, berichtete Carina Wanowski.

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Außerdem gründete sie eine Flamenco-Tanzgruppe, die bis heute besteht, und von 2016 bis 2018 leitete sie erfolgreich Deutschkurse für Migranten, wofür ihr Thater besonders dankte. „Als Nicht-Muttersprachlerin, die selbst die deutsche Grammatik lernen musste, hatte ich das methodische Rüstzeug“, berichtete die Dozentin. Ihre Schüler brauchen auf Spanisch-Kurse nicht zu verzichten, denn mit der gewohnten Professionalität hat sie die Kurse ihrer langjährigen Spanisch-Kollegin Clara Garabato Gonzáles-Hilpert übergeben.

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Ligia de Thiemann kommt aus Quito, der Hauptstadt Ecuadors. In der südwestfranzösischen Stadt Bordeaux studierte sie Romanistik, und in Frankreich lernte sie ihren deutschen Ehemann kennen. Zunächst arbeitete sie als Französisch-Lehrerin in Ecuador, doch 1981 zog sie nach Flensburg und fing gleich an, Kurse an der dortigen VHS zu geben – allerdings nicht für Französisch, da der Bedarf dafür nicht sehr groß war, sondern für Spanisch. Vier Jahre später zog sie vom äußersten Norden in den äußersten Süden ihrer Wahlheimat und ließ sich in Wehr nieder. Bereits 1986 gab sie ihre ersten Spanischkurse, die eine 34-jährige Erfolgsgeschichte einleiteten. Auch während sie am Wirtschaftsgymnasium Waldshut unterrichtete, hielt sie ihr Kursangebot an der VHS aufrecht: „Man muss von Herzen unterrichten“, meinte Ligia de Thiemann.