Es liegt in der Natur der Sache, dass Abschiede in der Regel etwas Trauriges an sich haben. Unter den Bedingungen von Abstands und Hygieneregel muss aber leider auch auf jeglichen Ausdruck von Festlichkeit verzichtet werden. So erging es auch der evangelischen Kirchengemeinde Wehr und Ölingen, die am Sonntag im Rahmen eines Gottesdienstes in der Friedenskirche von Pfarrer Martin Rathgeber Abschied nahm. Neben großem Dank wurden dem scheidenden Pfarrer und seiner Gattin Franziska die besten Wünsche für das künftige Wirken in Murg zuteil.

Ein Gottesdienst mit vorheriger Anmeldung, gesperrte Kirchenbänke sowie der Verzicht Gemeindegesang und das Beisammensein im Gemeindesaal. Zweifellos hätte Pfarrer Rathgeber ein etwas festlicheres Abschiedsfest verdient. Dies legten auch die Worte von Dekanin Christiane Vogel nahe, die zur offiziellen Entpflichtung Pfarrer Rathgebers nach Wehr gekommen war.

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Vor fast zwölf Jahren habe sie ihn in das Amt eingeführt, erinnerte sich die Dekanin. Viel sei seitdem passiert. Unter anderem seien die Gemeinden Wehr und Öflingen zu einer Kirchengemeinde zusammengewachsen. Diesen noch andauernden Prozess habe Pfarrer Rathgeber „maßgeblich mitgestaltet“. Die Dekanin erinnerte außerdem an das Wirken des scheidenden Geistlichen im Hause der Diakonie in Öflingen, als Krankenhausseelsorger im ehemaligen Spital in Bad Säckingen und in Waldshut. Hinterlassen habe Pfarrer Rathgeber eine „Spur des Segens“, lobte die Dekanin.

Dass die Dekanin den Weggang von Pfarrer Rathgeber mit einiger Gelassenheit sehen konnte, kam nicht von Ungefähr. Mit der Übernahme der Kirchengemeinde Murg-Rickenbach-Herrischried bleibt sein Wirken dem Kirchenbezirk Hochrhein erhalten. Pfarrer Rathgeber tritt die Nachfolge von Pfarrerin Sonja Schelb an, die eine Stelle im Freiburger Raum angenommen hat. Um die Zukunft der Kirchengemeinde Wehr und Öflingen war der Dekanin nicht bange. Sei diese mit Pfarrer Peter Hasenbrink doch „verlässlich besetzt“, so Dekanin Vogel.

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Pfarrer Rathgeber hatte entschieden, die im Evangelium nach Johannes beschriebe Hochzeit von Kana zur Grundlage seiner Abschiedspredigt zu machen. Über die gängige Deutung des biblischen Ereignisses hinaus schlug Pfarrer Rathgeber vor, die im Evangelium beschriebe Teilnahme Jesu bei der Hochzeit von Kana als eine „Begegnung zwischen Gott und Mensch“ zu begreifen. Diese zeige, dass Gott mitten unter den Menschen und ihren Ängsten und Nöten weile. Die selbst in weniger religiösen Kreisen bekannte und für Begeisterung sorgende Verwandlung von Wasser zu Wein stehe für Momente des Unerwarteten, Besonderen und vermeintlich Unmöglichen.

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Zum Abschied wünschte Pfarrer Rathgeber seiner ehemaligen Kirchengemeinde viele solche Momente, in denen Gott zeige, dass er dem Menschen beistehe – auch und gerade in solchen „nicht so himmlischen Zeiten einer Corona-Pandemie“, so Pfarrer Rathgeber.