In diesem Jahr feiert der Musikverein Öflingen sein 125-jähriges Jubiläum. Gerade in der Nachkriegszeit war der Verein eine wichtige Stütze im Dorfleben und beliebte Unterhaltung.

Musiker kehren aus Kriegsgefangenschaft zurück

Nach dem Kriegsende 1945 waren in Öflingen 107 Gefallene und 54 vermisste Soldaten zu vermelden. Auch im Musikverein waren Verlust zu beklagen – doch nach und nach kehrten Musiker aus der Kriegsgefangenschaft zurück und schon ein Jahr später wurde wieder gemeinsam geprobt. Offiziell formierte man sich am 26. Januar 1947 neu – tatsächlich war der Verein zu diesem Zeitpunkt bereits über 50 Jahre alt. Als letzter Musiker kehrte im Mai 1950 Hugo Thomann aus polnischer Kriegsgefangenschaft zurück.

Langjähriger Vorsitzender erinnert sich

Seit seiner Jugend spielte Thomann mit seinen Brüdern im Verein, als Vorsitzender sollte er das Vereinsleben nachhaltig prägen. Der Chronist des Vereins verstarb im Mai diesen Jahres im hohen Alter von 96 Jahren. Noch im Januar sprach er über seine Zeit im Verein: „Bei meiner Wiederkehr wurde ich mit einem Ständchen begrüßt“, so Thomann.

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Zwei Jahre später übernahm er dann die Vereinsleitung. Gerade in den Mangelzeiten nach Kriegsende war der Musikverein für das soziale Leben im Dorf wichtig: „Man wollte nicht immer nur daheim hocken. Nach der Probe ging man gerne noch ein Bier trinken und saß gesellig beieinander“, erinnerte sich Thomann. Ein eigenes Radio, geschweige denn ein Fernseher war zu dieser Zeit ein seltenes Luxusgut.

Das erste große Fest nach Kriegsende wurde damals vom Musikverein ausgerichtet. Zum 55. Jubiläum waren Nachbarkapellen und Bürger bei bestem Wetter in den Wehratalgarten eingeladen. Der Reingewinn des Festes wurde dann in neue Uniformen investiert.

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Wirtschaftsaufschwung nutzt auch dem Verein

Auch musikalisch ging es wieder voran. Im Mai 1951 erspielte sich der Musikverein die Bestnote beim Wertungsspiel in Säckingen. Gespielt wurde die Ouvertüre „Lucretia Borgia“ von Donizetti unter der Leitung des Dirigenten Paul Urich. Es war eine bewegte Zeit auch für Öflingen. Durch den Aufschwung der Industrie wandelte sich der eins landwirtschaftlich geprägte Ort: neue Wohnungen wurden gebaut, die Infrastruktur modernisiert.

Auch der Verein profitierte und konnte 1956 neue Instrumente anschaffen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 14.760 Mark (heute etwa 34.000 Euro) und wurden zum Großteil durch Konzerte und Haussammlungen erspielt. Von der Gemeinde gab es einen Zuschuss von 5000 Mark (heute rund 11.600 Euro) sowie ein zinsloses Darlehen.