In diesem Jahr feiert der Musikverein Öflingen sein 125-jähriges Jubiläum. Auch wenn durch die Corona-Pandemie nicht im gebührendem Umfang gefeiert werden kann: Der Verein hat bereits weitaus schwerere Zeiten überstanden. Von Anfang an war der Musikverein nicht nur ein Verein in Öflingen, sondern ein Verein der Öflinger – Familiennamen der 18 Gründungsmitglieder finden sich bis heute im Verein wieder. „Wir sind ein Familienbetrieb mit mehreren Generationen. Das war schon immer so und funktioniert auch heute noch gut“, erklärt die Vorsitzende Ilona Kunzelmann.

Gründung in einer Zeit des Aufbruchs

Initiator der Erfolgsgeschichte war 1894 die Freiwillige Feierwehr und ihr damaliger Kommandant Sigmund Wunderle: Eine Feuerwehrmusik sollte gegründet werden. Es war die Zeit nach der Badischen Revolution von 1848, bei der einige Öflinger Revolutionäre sogar den Wehrer Bürgermeister erschießen wollten. Doch mit der Festnahme des Revolutionsanführers Gustav Struve mit seiner Frau Amalie am 25. September 1848 zerstreuten sich die Umstürzler. Im Juli 1849 rückte preußisches Militär ein und sicherte mit strenger Hand die Ruhe auch im Wehratal. Öflingen hatte um 1890 rund 1200 Einwohner und war geprägt von Landwirtschaft und Handwerk, vor allem verschiedene Mühlen, Sägen und Schmieden.

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Wiesen und Gemüsegärten vor den Wohnhäuser reichten bis an die ungeteerte Hauptstraße, bis in die 1970er Jahre gab es keine Bürgersteige. In den 1880er Jahren etablierte sich dann die Buntweberei Brennet, die mit rund 200 Webstühlen ein Großbetrieb im Ort war. Ein Drittel der Bevölkerung Öflingens arbeitet in dieser Zeit bereits in Gewerbe und Industrie. 1890 wurde die Wehratalbahn eröffnet, von der sowohl Militär als auch Industrie profitierten. In dieser aufstrebenden Zeit – genauer im Januar 1895 – fand die Gründungsversammlung des Musikvereins unter dem Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Emil Bäumle statt.

Gegründet: Auch wenn es kein Gründungsfoto des Vereins gibt, stammt diese Bild doch vermutlich aus den ersten Jahren. Eventuell ist es sogar älter und zeigt die bereits 1862 gegründete Musikkapelle, welche vermutlich im neuen Verein aufging.
Gegründet: Auch wenn es kein Gründungsfoto des Vereins gibt, stammt diese Bild doch vermutlich aus den ersten Jahren. Eventuell ist es sogar älter und zeigt die bereits 1862 gegründete Musikkapelle, welche vermutlich im neuen Verein aufging. | Bild: Musikverein Öflingen

Um Instrumente anzuschaffen, fand eine große Sammlung statt, so berichtet der Archivar des Vereins Hugo Thomann: Die Feuerwehrleute gaben 180 Mark. Die Gemeinde, die Buntweberei Brennet und der Militärverein gaben je 100 Mark. Bei einer Haussammlung spendeten die Öflinger Bürger sogar 350 Mark. Es kam die stolze Summe von 830 Mark zusammen – umgerechnet entspräche das heute über 5500 Euro. Dafür verpflichtete sich der neue Musikverein, für die Feuerwehr 15 Jahre und für das Militär zehn Jahre als Ersatz für die Spenden unentgeltlich zu spielen, so Thomann in seiner Chronik.

Von Anfang an ein Erfolg

Bei seiner Gründung konnte der Verein bereits auf Musiker mit Erfahrung setzten. Schließlich gab es seit 1865 den Gesangverein Eintracht und seit 1862 einen kleinen Musikverein, der sehr beliebt in der Region war. Über die weitere Geschichte dieses Vorgängers ist wenig bekannt – vermutlich ging er im neuen Musikverein auf. Für die neugegründete Feuerwehrmusik fand sich Clemenz Rotzler als Dirigent, Vorsitzender wurde Adolf Rotzler. Beide gehörten der vorherigen Kapelle an. Der Säckinger Kapellmeister Schüler leitete die Musiker an. Bereits im Mai 1895 spielte der junge Verein zum ersten Mal öffentlich auf der Beerdigung eines verunglückten Mitglieds, dem Zimmermeister Gallmann, so Thomann in seiner Chronik.

Der Verein wuchs im ersten Jahr auf 86 Mitglieder, auch durch die Aufnahme von Passivmitgliedern. Nach einem Jahr als Feuerwehrmusik wurde man eigenständig und gründete am 30. Dezember 1895 den Musikverein Öflingen. In den Anfangsjahren gab es noch eine starke Fluktuation unter den aktiven Mitglieder, auch durch den Militärdienst. Darunter litt das musikalische Niveau, doch der Verein hielt durch. Am 28. Mai 1905 feierte man das zehnjährige Jubiläum und spielte zum ersten Mal vor einem Preisgericht. Angespornt durch das „gut“ erspielte sich der Musikverein dann im gleichen Jahr auf einem Schopfheimer Musikfest den ersten silbernen Becher. 1905 wurde so in vieler Hinsicht zu ein Meilenstein: Die Vereinsfahne wurde geweiht und man schloss sich dem damaligen Musikverband an.

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