„Ein Musterbeispiel für Rationalisierung“, hieß es in einer Veröffentlichung der MBB im Jahr 1952. Fast sieben Jahrzehnte ist das her. Damals wurde das alte Kraftwerk der Mechanischen Buntweberei Brennet, später in Brennet AG umgetauft, erbaut. Das von Robert Denk gesetzte Ziel, bis zum Jahr 1958 die Weberei komplett zu automatisieren, war nur mit einer guten Energieversorgung zu erreichen. Die damals hochmodernen Saurer-Webmaschinen, die zum Einsatz kommen sollten, waren effizient, fraßen aber Unmengen an Strom.

Das Kraftwerk war 1952 ein großer Wurf. Dazu schrieb Robert Denk, der technische Vorstand der MBB: „Rauch besteht aus nichts anderem als aus schwebenden feinsten Kohleteilchen, die unverbrannt sind und daher einen Kohleverlust bedeuten. Zugleich verschmutzen und verschlechtern sie die Luft. Es ist also ein mehrfacher Grund, der für die modernen praktisch rauchfreien Feuerungen spricht.“ Das Kraftwerk war mit einer automatischen Bekohlungsanlage ausgerüstet. Den Heizern blieb die schweißtreibende Knochenarbeit des Kohleschippens von nun an erspart. Rationalisierung gab es somit nicht nur in den Websälen, sondern in allen Bereichen der Firma, insbesondere im teuren Energiesektor. Natürlich wurde das Kraftwerk in den folgenden Jahren immer wieder modernisiert. An die Stelle der Kohle trat Schweröl, das eine nochmal effektivere Energieproduktion ermöglichte.

In ein paar Tagen ist vom alten Kraftwerk nur noch ein Schutthaufen übrig. Ab seiner Stelle entsteht Neues auf uraltem Terrain, das seit dem Mittelalter für die Eisenherstellung und seit 1863 für die Textilproduktion genutzt wurde.
In ein paar Tagen ist vom alten Kraftwerk nur noch ein Schutthaufen übrig. Ab seiner Stelle entsteht Neues auf uraltem Terrain, das seit dem Mittelalter für die Eisenherstellung und seit 1863 für die Textilproduktion genutzt wurde. | Bild: Reinhard Valenta

Das Ziel der Vollautomatisierung der Wehrer Weberei wurde plangemäß erreicht: 1958 verkündete Robert Denk im Rahmen einer Betriebsfeier in der Spinnerei Hausen I, die MBB sei nun an die Spitze der Webereien Europas getreten und rangiere im Automatisierungsgrad noch vor der Schweiz und den Niederlanden.

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Der hochgebildete Technikvorstand der MBB war aber nicht nur ein glänzender Textiltechniker, sondern beobachtete hellwach die weltweiten Entwicklungen der Branche. Bereits damals erkannte er die Gefahren des Aufstiegs der fernöstlichen Spinnereien und Webereien. Daher setzte er sich für permanente Modernisierungen und Rationalisierungen ein. Technologie statt Muskelkraft, lautete seine Devise. Auf der von seinem Onkel geschaffenen Grundlage hielt Stephan Denk die Weberei Wehr durch enorme Investitionen in den Maschinenpark bis März 2013 am Laufen. So lange hielt keine mitteleuropäische Buntweberei dieser Größenordnung gegen die übermächtige Konkurrenz aus Fernost durch.

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Nun fällt die alte Kraftzentrale und wird abgerissen. An ihrer Stelle wird Neues entstehen. So war es bereits 1860, als das Hammerwerk stillgelegt wurde, und schon 1863 auf dem Areal die ersten mechanischen Webstühle Wehrs klapperten. Im „Hammer“ war immer was los – das wird auch in Zukunft so bleiben.

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