Der Trend zur Elektromobilität macht auch vor dem Flugsport nicht Halt: Vergangene Woche testete der Wehrer Fluglehrer Christoph Nägele, Leiter der Gleitschirmschule MGS Südschwarzwald, erstmals auf seinem Fluggelände auf dem Dinkelberg einen Motorgleitschirm mit elektrischen Antrieb. „Wir sind ja immer auf der Suche nach Innovationen“, erklärt Nägele. Der von einer Schwarzwälder Firma entwickelte E-Motor hat es ihm aber besonders angetan. „Voraussichtlich werden wir das Modell in die Reihe unserer Fluggeräte aufnehmen“, meint Nägele nach einem ersten 20-Minuten Flug.

Video: Obermeyer, Justus

Auffälligste Neuerung: Der Elektromotor ist deutlich leiser als ein benzin-betriebenes Modell. Das spielt für Nägele eine große Rolle, senkt dies doch das Konfliktpotential um sein Unternehmen. Es gebe zwar nach wie vor kaum Beschwerden wegen der Flugbewegungen auf dem Dinkelberg, dennoch will der Fluglehrer aus eigenem Interesse von sich aus jede mögliche Belästigung ausschließen.

Zum Vergleich der Start eines herkömmlichen Gleitschrm-Trikes mit Benzin-Motor:

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Zur Erinnerung: Als es um vier Jahren um eine neue Lizenz für seinen Start– und Landeplatz ging, kochten die Wogen im Wehrer Gemeinderat hoch. Zunächst hatte sich der Rat dazu entschieden, die Flugzeiten sogar auszuweiten, einige Wochen später folgte die überraschend Kehrtwende, und der Gemeinderat empfahl der Genehmigungsbehörde, überhaupt keine Lizenz mehr zu erteilen – und das, obwohl bei der Stadtverwaltung so gut wie keine Beschwerden eingegangen waren. Über die neue Lizenz hat das Regierungspräsidium übrigens noch immer nicht entscheiden. „So lange gilt die alte weiter. Das ist im Moment zwar gut für uns, gibt uns aber keine Sicherheit. Wir müssen einfach abwarten“, so Nägele zum aktuellen Sachstand.

Genauer Blick auf die Technik: Christoph Nägele und Konstrukteur Martin Berliner.
Genauer Blick auf die Technik: Christoph Nägele und Konstrukteur Martin Berliner. | Bild: Obermeyer, Justus

Ganz geräuschlos ist der Elektromotor des Gleitschirms zwar nicht, aber mit 52 Dezibel deutlich leiser als ein Benziner (60 Dezibel). „Da sind Welten dazwischen“, so Nägeles erste Eindruck. Hinzukommt, dass die Frequenz des Elektromotors vom menschlichen Ohr angenehmer empfunden wird.

Bislang waren Elektromotoren für Gleitschirme deutlich teurer und brachten auch einige technische Nachteile mit sich. Neuere Entwicklungen sind dagegen durchaus konkurrenzfähig, auch wenn die Leistung des 15-Kilowatt-Motors etwas höher sein könnte, wie Nägele anmerkt. Aber ein stärkerer Motor sei bereits in Planung, so Martin Berliner, Chefentwickler eines Tuninger Gleitschirmherstellers. Knackpunkt ist wie bei allen elektrischen Antrieben der Akku: Mit 45 Minuten Flugzeit könnte Nägele das Modell aber problemlos in seinen Schulungen einsetzen, mit 32 Kilogramm ist das Fluggerät allerdings schwerer als ein Benziner.

Herzstück des E-Antriebs: Der Akku mit einer Kapazität von drei Kilowattstunden.
Herzstück des E-Antriebs: Der Akku mit einer Kapazität von drei Kilowattstunden. | Bild: Obermeyer, Justus

Den Konstrukteur Martin Berliner reizt an den E-Antrieben vor allem die technische Machbarkeit. Als Jugendlicher war er Modellbauer, auch dort hielten E-Motoren verstärkt Einzug. Für ihn als passioniertem Gleitschirmflieger war die Frage folgerichtig: Funktioniert das auch in großem Maßstab? Schon in seinem Maschinenbaustudium ging er diese Frage nach und rannte bei einem Hersteller offene Türen ein.

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