Die „am wenigsten beachtete Baustelle der Stadt“ besuchte der Wehrer Bau- und Umweltausschuss bei seinem Rundgang über die aktuellen städtischen Bauprojekte. Gemeint ist das neue Obdachlosenheim, das derzeit an der Öflinger Straße entsteht. Ohne offizellen Spatenstich und ohne Richtfest nahm die Öffentlichkeit bislang kaum Notiz von dem Bau, obwohl er mit Baukosten von zwei Millionen Euro zu den großen Investitionen des Jahres zählt. „Wir bauen hier für die nächsten 50 bis 100 Jahre“, sagte Bürgermeister Michael Thater. Entsprechend zukunftsorientiert wurde geplant und entsprechend robust sind die Baustoffe. „Ein Zweckbau“ sei das massive zweigeschossige Wohnheim, erklärte Architekt Reiner Wenk – und dennoch erreiche das Gebäude den Passivhaus-Standard, der die laufenden Energiekosten niedrig halten soll. Dafür sorgt auch die Photovoltaikanlage auf dem Dach in Verbindung mit einer Wärmepumpe, die in einer Fußbodenheizung mündet. Was zunächst nach Luxus klingt, ist für Reiner Wenk „die einzig vernünftige Lösung für ein solches Wohnheim“, denn die Steuerung der Heizung soll nicht von den Bewohnern selbst, sondern allein vom Personal vom zentralen Technikraum aus vorgenommen werden.

Zweckmäßig, energiesparend und robust – so präsentiert sich das Obdachlosenheim.
Zweckmäßig, energiesparend und robust – so präsentiert sich das Obdachlosenheim. | Bild: Obermeyer, Justus

„Obdachlosigkeit kann jeden treffen“, verdeutlichte Thater die Notwendigkeit des Baus. Bei einem Brand müsste die Kommune schnell Ersatzwohnraum beschaffen können. Es gibt allerdings auch einige Dauerbewohner, zum Bespiel Flüchtlingsfamilien in Anschlussunterbringung, die keinen anderen Wohnraum finden.

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Maximal 33 Plätze sind in den verschieden großen Wohneinheiten des zweigeschossigen Baus vorgesehen – damit bietet es etwas mehr Platz als die bestehende Unterkunft im alten Krankenhaus. Nach dem Umzug der dortigen Bewohner im Herbst wird der Gemeinderat auch über den eigentlich schon beschlossenen Abriss des historischen Gebäudes in der Georg-Kerner-Straße beraten. „Zwei Gutachten haben den Abriss empfohlen.Wenn es gewünscht wird, holen wir auch noch ein drittes ein“, zeigte Thater Verständnis, dass es vielen nicht leicht fällt, das Geburtshaus viere Wehrer Bürger abzureissen. Letztlich müsse die Entscheidung „mit Herz und Kopf“ gefällt werden.

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