In der Stadt Wehr leuchtete es seit Donnerstag wieder für zehn Tage Orange. Zusammen mit dem Zonta Club Südschwarzwald setzen damit die Stadt Wehr, die evangelische Gemeinde Wehr-Öflingen, die Mediathek und die Buchhandlung Volk ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.

Das könnte Sie auch interessieren

„Es ist eine Nachricht auch und gerade an Betroffene: Doch, ihr könnt es ändern“, so der Appell des Bürgermeisters. „Es ist schlimm genug, dass überhaupt so eine Aktion nötig ist. Und es ist in diesem zweiten Coronajahr noch dringlicher“, so Michael Thater weiter. Aktuelle Studien zeigen einen deutlichen Anstieg häuslicher Gewalt während der Pandemie. „Es ist ein hochsensibles Thema. Ich hatte selbst im letzte Jahr mit drei Frauen und Familien zu tun, die ich an das Frauenhaus weitergeleitet habe. Das war ein Kraftakt“, so Pfarrer Peter Hasenbrink.

Das könnte Sie auch interessieren

„Es ist ein Zeichen für Betroffene, das ihnen Unrecht geschieht. Als Pädagogin denke ich da auch an die Kinder: Es bliebt nicht bei der Frau und aus Opfern können Täter werden, „ so die Präsidentin des Zonta Clubs Südschwarzwalds Beate Frantzen-Hirsmüller. Informationen zum Thema Gewalt und Kontaktdaten zu Hilfsstellen hängen in diesem Jahr bei der Buchhandlung Volk und bei der Mediathek aus: „Wir möchten, dass Frauen den Mut finden, sich zu befreien und sehen, dass es Hilfe in der Region gibt“, erklärt Gabriele Volk.

Sichtbarkeit: Hilfsmöglichkeiten bekannt machen liegt auch Gabriele Volk von der Buchhandlung Volk am Herzen. Direkt am Eingang hat die Geschäftsfrau darum einen Infokasten zur Verfügung gestellt.
Sichtbarkeit: Hilfsmöglichkeiten bekannt machen liegt auch Gabriele Volk von der Buchhandlung Volk am Herzen. Direkt am Eingang hat die Geschäftsfrau darum einen Infokasten zur Verfügung gestellt. | Bild: Julia Becker

Die Mediathek ist aktuell wegen Arbeiten an der Beleuchtung geschlossen, ein Zeichen in Form von Infoplakaten möchte man trotzdem setzten: „Das ist ein wichtiges Tabuthema, das angesprochen werden muss – gerade nach Veröffentlichung der neuen Zahlen. Je mehr man darüber spricht und hört, umso mehr erreicht man de betroffenen Frauen,“ so die stellvertretende Mediatheksleiterin Marion Lüber-Schmidt.

Information: Auch wenn die Mediathek aktuell wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, nutzen Marion Lüber-Schmidt, Tanja Nann und ihre Kolleginnen die Möglichkeit, auf das Thema Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen.
Information: Auch wenn die Mediathek aktuell wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, nutzen Marion Lüber-Schmidt, Tanja Nann und ihre Kolleginnen die Möglichkeit, auf das Thema Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen. | Bild: Julia Becker

„Es ist ein wichtiges seelsorgerisches Anliegen, auf das Thema aufmerksam zu machen“, so Pfarrer Peter Hasenbrink. Dabei geht der Blick auch über die Landesgrenzen hinaus. Seit über 25 Jahren unterstützt die Gemeinde die indische Hilfsorganisation Community Development Society (CDS). Ein wichtiger Teil der Arbeit vor Ort sei die berufliche Ausbildung für Frauen: „Die Alphabetisierungsrate der Frauen in den Slums von Indien ist nur etwa halb so hoch wie die der Männer.

Aufmerksamkeit: Beide Wehrer Rathäuser leuchten auch in diesem Jahr wieder orange. Karl-Wilhelm Frommeyer, Beate Frantzen-Hirsmüller, Lutz Jacobi, Andrea Breit, Bürgermeister Michael Thater und Pfarrer Peter Hasenbrink (von links) setzt sich damit für die Bekämpfung häuslicher Gewalt ein.
Aufmerksamkeit: Beide Wehrer Rathäuser leuchten auch in diesem Jahr wieder orange. Karl-Wilhelm Frommeyer, Beate Frantzen-Hirsmüller, Lutz Jacobi, Andrea Breit, Bürgermeister Michael Thater und Pfarrer Peter Hasenbrink (von links) setzt sich damit für die Bekämpfung häuslicher Gewalt ein.

Daher sind die meisten Frauen ökonomisch vollständig von ihren Ehemännern abhängig und mit der Ausnahme von einfachen, schlecht bezahlten Tätigkeiten chancenlos auf dem Arbeitsmarkt“, erklärt Karl-Wilhelm Frommeyer. Darum ermögliche CDS den Frauen durch das Erlernen von Hennamalerei oder mit Nähkursen schnell eine eigene Einkommensmöglichkeit zu finden. „Ergänzt werden die Kurse durch Vortragsveranstaltungen, in denen Polizei und Juristen über die Rechte von Frauen informieren.“

Bis zum Tag der Menschenrechte wird der Turm der Friedenskirche nachts mit organgerotem Licht angestrahlt.
Bis zum Tag der Menschenrechte wird der Turm der Friedenskirche nachts mit organgerotem Licht angestrahlt. | Bild: Michael Gottstein

Auch der Zonta Club Südschwarzwald fördert Projekte für Frauen weltweit. So konnte mit den Spenden des letzte Benefiz-Golfturniers zusammen mit dem Rotary Club Lörrach für Frauen in Kathmandu ein Führerscheinkurs ermöglicht werden. „Ökonomische Unabhängigkeit und Information über die Rechte von Frauen sind die Basis, um Gewalt gegen Frauen einzudämmen“, so Frommeyer.

Aktion gegen Gewalt an Frauen

  • Die Kampagne: Vom 25. November bis zum 10. Dezember leuchten weltweit Gebäude und Wahrzeichen in Orange. Die von der UN initiierte Aktion soll auf das Thema Gewalt an Frauen und Mädchen aufmerksam machen. Der Service Club Zonta International begleitet die Aktion mit Zonta says No und regionalen Aktionen. Zonta International (ZI) ist ein weltweiter Zusammenschluss berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Ihr gemeinsames Ziel: die Lebenssituation von Frauen im rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Bereich zu verbessern – international, national und lokal. Weltweit bestehen in 63 Ländern über 1.100 Clubs mit 28.000 Mitgliedern. Weitere Infosim Internet ( ww.zonta-suedschwarzwald.de).
  • Die Istanbul-Konvention: Mit den diesjährigen Aktionen im Rahmen der Zonta Says NO-Kampagne unterstützt der Zonta Club Südschwarzwald die Zonta Says NO-Petition der Union deutscher Zonta Clubs und bittet Bürgerinnen und Bürger um ihre Unterschrift. Kernforderung ist eine bundesweite staatliche Koordinierungsstelle zur konsequenten Umsetzung der Istanbul-Konvention – dem Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Der im Jahr 2011 ausgearbeitete und drei Jahre später in Kraft getretene völkerrechtliche Vertrag schafft verbindliche Rechtsnormen gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt.
Julia Becker