Dass trotz Eis, Schnee und Regen die Kettensäge durch den Hotzenwald schallt, überrascht wenig. Doch hier wird kein Brennholz gemacht, sondern Kunst: Die Wehrer Pfadfinder machen aus der Not eine Tugend und verwandeln die Käferbäume neben ihrer Georgsklause in Kunstobjekte. „Wir haben die Hütte und den kleinen Wald schon seit Jahren gepachtet“, erklärt Sebastian Fricker.

Video: Julia Becker

Eine Quelle wurde gefasst, Rasen ausgesät und unter dem Schneehaufen versteckt sich ein Grillplatz. Im Sommer wurde die Idylle dann vom Borkenkäfer gestört. Statt die Bäume komplett zu fällen, hatte Hüttenwart Andreas Kramer die Idee mit der „Fichtenmopedkunscht“. „Wir sind alle ziemlich motorsägenbegeistert“, erklärt Fricker. Darum wurden die neun Bäume in der Gruppe verlost – zwölf Pfadfinder kamen zum Zug und bearbeiten nun die Stämme einzeln oder als Gruppe.

Teamarbeit: Diana Kramer (links) und Rebecca Müller arbeiten gemeinsam an ihrem Kunstobjekt.
Teamarbeit: Diana Kramer (links) und Rebecca Müller arbeiten gemeinsam an ihrem Kunstobjekt. | Bild: Julia Becker

Vor vier Wochen haben die Ersten bereits losgelegt. „Allerdings lag da noch 60 Zentimeter Schnee“, erinnert sich Diana Kramer. Mit ihrem Partner Sebastian Fricker nutzt sie die Hütte an diesem Wochenende für eine Auszeit – die frostigen Temperaturen sind da eher ein Bonus für die Pfadfinder. Mittlerweile sind weitere Künstler eingetroffen, Werkzeug wird ausgeladen und Motorsägen betriebsbereit gemacht. Mit maschineller Hilfe wird die Grundform angelegt, mit Hammer und Beitel nachgearbeitet.

Klassiker: Sebastian Fricker hat seinem Stamm ein Gesicht verpasst. Manche Pfadfinder haben sich an Masken versucht.
Klassiker: Sebastian Fricker hat seinem Stamm ein Gesicht verpasst. Manche Pfadfinder haben sich an Masken versucht. | Bild: Julia Becker

Sebastian Fricker beschränkt sich auf die pure Schnitzkunst, sein bärtiges Baumgesicht ist fertig: „Auf der Rückseite soll noch ein weiteres Gesicht entstehen.“ An einem anderen Stamm bleibt die Form abstrakt, ein Quadrat ermöglicht den Durchblick: „Hier soll noch ein Glasbaustein eingesetzt werden“, so Fricker.

Abwechslung: In der kalten Jahreszeit und während der Corona-Pandemie ist das Kunstprojekt eine willkommene und sichere Abwechslung für die Pfadfinder.
Abwechslung: In der kalten Jahreszeit und während der Corona-Pandemie ist das Kunstprojekt eine willkommene und sichere Abwechslung für die Pfadfinder. | Bild: Julia Becker

Simon Siebolds Kunstobjekt bleibt derweil geheimnisvoll: Statt zu sägen und zu schnitzen, arbeitet der Vorsitzende der Pfadfinder mit Leisten, Schrauben und Dachpappe. Ein Dach über dem Baumstamm ist bereits zu erkennen, mehr will der Künstler nicht verraten. „Hier geht der Hotzenwald spazieren, wir hatten schon einige Zuschauer“, freut sich Diana Kramer.

Feinschliff: Joscha Kramer arbeitet mit Hammer und Beitel an Details.
Feinschliff: Joscha Kramer arbeitet mit Hammer und Beitel an Details. | Bild: Julia Becker

Eine Frist haben sich die Holzkünstler nicht gesetzt. „Eigentlich wollten wir bis Ende Februar fertig sein. Aber wegen Corona und Schnee pochen wir da nicht drauf“, so Kramer. Eine kleine Vernissage solle es aber im Sommer schon geben. „Dann kann jeder sein Objekt vorstellen“, so Kramer weiter. Bis dahin bleibt Neugierigen der coronakonforme Spaziergang und das unterhaltsame Rätselraten.