Die Pläne für das neue Flusswasserkraftwerk und die damit verbundene Stilllegung des Gewerbekanals nehmen Formen an: Das Projekt wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt und vom Gremium einstimmig befürwortet.

Petra Gritsch, Abteilungsleiterin Wasserwirtschaft beim Landratsamt Waldshut und Michael Jenisch, Geschäftsführer der Firma Herbster Hülsen, der Papierfabrik Lenz sowie der Jenisch Grundstücksverwaltungs Gmbh&Co. KG, stellten die Pläne für die neue Nutzung der Wehra vor. Drei Möglichkeiten hätten zur Diskussion gestanden, so Michael Jenisch.

Zuerst habe man eine Modernisierung der Anlagen geprüft. Durch das Signal Stephan Denks, seine Wasserrechte abzugeben, favorisierte das Unternehmen dann einen Neubau mit hohem Wassergefälle auf einem eigenen Grundstück. „Dann hat uns das Landratsamt rein gegrätscht“, so Jenisch: Der Bau entsprach nicht den Vorgaben der aktuellen Wasserrahmenrichtline. Mit der Aussicht auf Fördermittel sowie dem Verzicht der anderen beiden Unternehmen auf ihre Wasserrechte wird es nun ein Wasserkraftwerk mit etwas geringerer Leistung, dafür aber mit hohem ökologischen Standard. „Wir sind weit auf das Landratsamt zugegangen“, so Jenisch.

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  1. .Wie wird der Gewerbekanal aktuell genutzt? Der Gewerbekanal verläuft auf einer Strecke von rund 1600 Metern vom nördlichen Wehra-Areal bis hin zum Ludingarten. Auf dieser Strecke befinden sich aktuell vier kleine Wasserkraftwerke: Drei werden von der Papierfabrik betrieben, eines von der Brennet AG. Nutzungsrechte am Wehrawasser hat neben Papierfabrik und Brennet auch noch die Familie Eckert mit der Wehra AG. Diese Wasserrechte bestehen teilweise seit hunderten von Jahren, gelten unbegrenzt und räumen dem Inhaber weitgehende Rechte ein. So wurde in früheren Zeiten im Sommer manchmal soviel Wasser für die Stromerzeugung genutzt, dass die Wehra selbst trocken fiel.
Traditionell: Der Gewerbekanal in der Storchenstraße. Der Legende nach solle hier mancher Wehrer Schwimmen gelernt haben.
Traditionell: Der Gewerbekanal in der Storchenstraße. Der Legende nach solle hier mancher Wehrer Schwimmen gelernt haben. | Bild: Obermeyer, Justus
  1. .Warum muss neu gebaut werden? Bereits im vergangenen Jahr schlug Stephan Denk von der Brennet AG vor, den Betrieb des Gewerbekanals einzustellen. Denn mit den Nutzungsrechten gehen auch entsprechende Unterhaltskosten für den über 400 Jahre alten Kanal einher. Zudem fordert die aktuelle Wasserrahmenrichtline eine Durchgängigkeit der Kraftwerke und eine Mindestwassermenge in der Wehra. In den vergangenen Jahren habe man hier einige Verbesserungen von der Wehrabucht bis zum Zulauf der Hasel erreichen können, so Petra Gritsch vom Landratsamt: „Mit der überarbeiteten Richtlinie von 2018 müssen wir die Vorgaben nun auch bis zum Stausee umsetzen.“ Eine Modernisierung sei also unvermeidlich, wenn das Wasser weiterhin genutzt werden soll.
Ökologisch: Hier soll das neue Kraftwerk mit Fischtreppe entstehen. Im Hintergrund die Gebäude des Wehra-Areals.
Ökologisch: Hier soll das neue Kraftwerk mit Fischtreppe entstehen. Im Hintergrund die Gebäude des Wehra-Areals. | Bild: Obermeyer, Justus
  1. .Was genau ist geplant? Die bisherigen vier Turbinen werden durch ein neues Kleinwasserkraftwerk ersetzt. „100 Prozent des Wassers werden an die Wehra zurückgeführt“, so Jenisch. Das Kraftwerk soll am Einlauf der Gewerbekanals am nördlichen Ende des Wehra-Areals gebaut werden. Mit der Familie Eckert habe man eine Einigung erzielt, der Bauantrag sei bereits gestellt, so Jenisch. Mit einer Fischtreppe können die Fische der Wehra das Kraftwerk zukünftig in beide Richtungen passieren. Mit dem sanierten Stauwerk kann zudem die Wassermenge reguliert werden.
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  1. .Was kostet die neue Anlage? Aktuell wird mit Kosten von einer Million Euro für den Umbau des Wehrs und der Fischtreppe gerechnet, erklärt Gritsch. Davon werde 85 Prozent vom Land bezuschusst. „Die Fördermittel sind zugesagt“, so Grietsch. Für die Stadt bleibe ein Eigenanteil von 15 Prozent. Die Planungskosten für das Gesamtprojekt und alle mit der Wassernutzung verbundenen Kosten belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro und werden von der Jenisch Grundstücksverwaltungs GmbH getragen. Weitere Kosten können für die Stadt durch den Ersatz von Abwassersamkern entstehen und für einen eventuellen Rückbau des Gewerbekanals. Allerdings gebe es für den Bau der Wehranlage und der Fischtreppe Ökopunkte für die Stadt, so Gritsch. Diese seien frei handelbar und entsprächen etwa den entstandenen Kosten.
  2. .Was sagen Gemeinderäte und Verwaltung? „Der Gewerbekanal ist natürlich stadtbildprägend und nicht wegzudenken“, so Bürgermeister Michael Thater in der Sitzung. „Aber es ist auch eine einmalige Chance, der Wehra das Wasser zurückzugeben bei gleichzeitiger energetischer Nutzung.“ Diese Meinung teilten auch die Stadträte.
Malerisch: Der Einlauf des Kanals im Wehra-Areal.
Malerisch: Der Einlauf des Kanals im Wehra-Areal. | Bild: Obermeyer, Justus
  1. Die Rückführung des Wasser und die Durchlässigkeit seien von großer Bedeutung, ebenso die Stärkung der hiesigen Unternehmen. Die Stilllegung des Kanals sei allerdings ein Wermutstropfen, war nicht nur die Meinung von Helmut Steinebrunner (CDU). So wurde der Erhalt eines Teilstücks des Gewerbekanals angeregt, eventuell in Kombination mit einer naturnahen Weiterentwicklung.