Die traurige Nachricht verbreitet sich unter den „alten“ Wehrern in Windeseile: Bruno Schäuble ist tot. Der Mediziner und Autor des Wörterbuches „Wäärerdütsch“ ist am vergangenen Dienstag in Gundelfingen gestorben. Dort führte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Hanna ein „gastoffenes Haus“, wo auch seine alten Freunde aus Wehr verkehrten.

Das Manufakturwarengeschäft Mutter & Schäuble in der Wehrer Hauptstraße etwa zu jener Zeit, als Bruno Schäuble geboren wurde. Bilder: Archiv Valenta, Familie schäuble
Das Manufakturwarengeschäft Mutter & Schäuble in der Wehrer Hauptstraße etwa zu jener Zeit, als Bruno Schäuble geboren wurde. Bilder: Archiv Valenta, Familie schäuble | Bild: Archiv Valenta

Bruno Schäuble kam am 11. Mai 1929 in Wehr zur Welt. Seine Eltern Wilhelm und Rosa betrieben in der Hauptstraße neben dem „Drei König“ das gut sortierte Manufakturwarengeschäft Mutter & Schäuble. Hier wurde so manche Braut aus Wehr und Umgebung mit ihrer Aussteuer eingedeckt. Die ein Jahr jüngere Anneliese Leber erinnert sich an den jungen Talschüler: „Bruno war ein Jahrgang vor mir. Er war sehr klug und umgänglich. Nach der vierten Klasse besuchte er das Schopfheimer Gymnasium.“

Wie sein bereits lange gestorbener Jahrgangskamerad Lothar Weiß war Bruno Schäuble bei den Ministranten und der katholischen Jungschar. Das wurde von den Nazis nicht gern gesehen. „Das katholische Milieu“, so seine Tochter Judith Schäuble, „schützte ihn aber vor der NS-Ideologie.“

Das Abitur legte Bruno Schäuble noch während der französischen Besatzungszeit ab. Bevor er in Freiburg Humanmedizin studierte, fuhr er mit dem Fahrrad nach Paris. Dies war der Beginn einer lebenslangen Liebe zu Frankreich, seiner Kultur und Sprache. Bruno Schäuble war Assistenzarzt in Mannheim und Frankfurt. 1957 nahm er eine Stelle im Lorettokrankenhaus in Freiburg an, wo er seine Ehefrau Hanna kennenlernte. Der 1959 geschlossenen Ehe entsprangen drei Kinder.

Bruno Schäuble hielt immer Kontakt zu seiner Wehrer Heimat. Anfang der 1960er Jahre plante er sogar mit dem etwas älteren Kollegen Wolfgang Gottstein die Gründung einer Gemeinschaftspraxis in Wehr. „Das Projekt wurde von Bürgermeister Schmidle unterstützt. Viktor Erhart hielt für uns sogar ein Baugrundstück hinter dem Wehrahof bereit“, erinnert sich Gottstein. Aber es wurde nichts daraus. So gründete Bruno Schäuble 1963 in Freiburg eine Internistische Praxis, die er bis 1997 betrieb.

Bruno Schäubles liebte Wehr und das Wäärerdütsch. Bereits als junger Mann faszinierte ihn die alemannische Mundart und ihre Redewendungen, die er auf unzähligen Zettelchen notierte. Nach der Pensionierung fand er die Muße, ein Mammutprojekt zu realisieren: Die Herausgabe eines Wörterbuchs der Wehrer Mundart. In seiner Einzigartigkeit sichert „Wäärerdütsch“ dem Verstorbenen einen festen Platz, nicht nur in der Kultur- und Sprachgeschichte Wehrs, sondern im gesamten alemannischen Sprachraum.

Das 2002 im Drey-Verlag mit Unterstützung der Stadt veröffentlichte Buch umfasst mehr als 160 Seiten und enthält Tausende Wörter. Viele sind untergegangen oder werden nur noch von Ur-Wehrern verstanden. Besonders lagen dem Internisten die einst beliebten Sprüche am Herzen wie „Mariae Gebùrt gônn Stôrch ùnn Schwalbe furt.“

Bruno Schäuble hat sich früher als Wehrs Schwalben und Störche auf den Weg gemacht. Obwohl körperlich angeschlagen, war er bis zuletzt geistig klar und rege. Doch dann wird er sich angesichts seiner körperlichen Hinfälligkeit gesagt haben: „Jètz wûrd´s aber Taag!“