Während der Energiekrise spart auch die Stadt Wehr an der Beleuchtung und verzichtet auf Weihnachtsbäume in den Ortsteilen. Für den Einzelhandel ist es eine Gratwanderung: Man möchte das eigene Angebot bewerben, aber auch Kosten sparen. Die Verordnung des Bundes zum Stromsparen bringt dabei nur wenig Klarsicht.

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Schon zu Beginn der Überlegungen zum Stromsparen betonten Bürgermeister Michael Thater und auch Pfarrer Peter Hasenbrink im Pressegespräch, dass die Adventsbeleuchtung von besonderer Bedeutung sei und deshalb nicht ausfallen werde. „Die Beleuchtung ist ein Hoffnungszeichen, ein Licht in der Dunkelheit“, so Hasenbrink im September. Dafür verzichte man in diesem Jahr auf die Beleuchtung öffentlicher Gebäude, aber mit einer Ausnahme: „Auf die Weihnachtstage hin planen wir auch die drei Wehrer Kirchen für einige Tage wieder anzustrahlen“, so Thater.

Innenstadt im Festkleid

Die Innenstadt wurde dafür in diesem Jahr wieder wie gewohnt dekoriert. „Wir haben die Weihnachtsbeleuchtung 2022 gemeinsam mit der Service-Gemeinschaft festgelegt. Daher ist die Christbaumallee wieder fast wie üblich in der Hauptstraße, die Weihnachtsbeleuchtung ist auf die Hälfte reduziert, sowohl was die Überhänge als auch die Christbäume betrifft“, so Bürgermeister Michael Thater. Man hoffe auf diese Weise etwa die Hälfte des Stromverbrauchs einzusparen. Die Leuchten der Girlanden wurden bereits vor einigen Jahren gegen LED-Leuchten ausgetauscht.

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Mit einer Spenden der Servicegemeinschaft Wehr in Höhe von 3000 Euro konnten jetzt auch die Lichterketten der Bäume umgerüstet werden. Bedauerlich sei, dass man die alten Lichterketten nun entsorgen müsse, so der Vorsitzende der Servicegemeinschaft Stephan Ruthe. Eigentlich sei geplant gewesen, defekte Lichterketten nach und nach über mehrere Jahre auszutauschen. Eingespart wurden in diesem Jahr die Bäume außerhalb der Innenstadt – insgesamt sechs große Bäume wurden weniger aufgestellt.

Eine Herausforderung sei die aktuell geltenden Verordnung des Bundes zum Energiesparen für die Wehrer Einzelhändler, erklärt Ruthe. Die Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen (EnSikuMaV) soll unter anderem regeln, was wann und wie lange beleuchtet werden darf. So sollen etwa Leuchtreklamen nur von 16 Uhr bis 22 Uhr angeschaltet werden – dafür müsste man in manchen Fällen wie den Leuchtschilder bei der Einfahrt zu Supermärkten extra Mitarbeiter abstellen, weiß Ruthe. Öffentliche Nichtwohngebäude dürfen gar nicht beleuchtet werden – ausgenommen ist aber die Beleuchtung anlässlich traditioneller und religiöser Feste. Ab wann dieser Anlass gegeben ist, ob schon mit einem Tannenzweig im Schaufenster, darüber schweigt sich die Verordnung aus. Für die Einzelhändler ist die Situation auch ohne Verordnung bereits eine Herausforderung.

Verordnung wirft Fragen auf

Werbung für das eigenen Angebot sei wichtig, aber die hohen Strompreise machen jetzt schon Sorge. Wenigstes muss sich der Einzelhandel keine Sorgen über eventuelle Strafen für unangemessene Beleuchtung machen. Ordnungsamtsleiter Stefan Schmitz ist die Verordnung gut bekannt: „Sie wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet“. Aber da weder Bußgelder noch andere Konsequenzen bei Nichtbeachtung erwähnt werden, stehe in Wehr auch keine Beleuchtungskontrolle an. Der Weihnachtsbetrieb sei zudem erlaubt und auch Privathäuser dürfen weiterhin nach Wunsch beleuchtet werden.